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Bitte nehmen Sie meine Hand da weg von Bokowski, Paul (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.08.2019
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Bitte nehmen Sie meine Hand da weg

Schon mal über die Anschaffung eines Saugroboters nachgedacht? Dann lassen Sie sich von Paul Bokowski eines Besseren belehren. Der Lesebühnenautor weiß, wie lange es dauert, bis eine elektronische Haushaltshilfe eine Single-Wohnung übernimmt und Thermomix bis Trockner in vollautomatische Revolutionsbrigaden verwandelt. In seinem neuen Buch berichtet der Großmeister treffsicherer Pointen aus sämtlichen Gefahrenzonen des Alltags. Gibt es einen Knigge für Kleinanzeigen? Was wenn die Airline noch auf dem Rollfeld Insolvenz anmeldet? Und wer erklärt dem Vater im Vorruhestand was ein Menstruationsbecher ist? Das Leben steckt voller Tücken. Lachen wir, solange wir noch können. Paul Bokowski, geboren 1982, gehört zur Speerspitze der Berliner Lesebühnenszene. Der Autor, Vorleser und Geschichtenerzähler lebt seit über zehn Jahren in einem der unbeirrbarsten Problembezirke der bundesdeutschen Hauptstadt. Er ist jüngstes Mitglied der Lesebühne "Brauseboys", Gründungsmitglied der Literaturveranstaltung "Fuchs & Söhne" sowie festes Redaktionsmitglied der Satirezeitschrift "Salbader". 2012 erschien sein Überraschungserfolg "Hauptsache nichts mit Menschen". Der 'Woody Allen des Weddings' entstammt einer deutsch-polnischen Familie und ist in seinem zweiten Leben leidenschaftlicher Backblogger.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 19.08.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641238148
    Verlag: Goldmann
    Größe: 1022 kBytes
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Bitte nehmen Sie meine Hand da weg

Staubi allein zu Haus

Dezember

Zum ersten Mal seit drei Jahren verbringe ich Weihnachten in der analogen Heimat. In der noch analogen Heimat. Denn Mutter hat Vater einen Intensivkurs für die Volkshochschule Bad Kreuznach geschenkt. Der neckische Titel: "Ruhestand 2.0 - eine sehr späte Einführung in das digitale Zeitalter". Ein erstaunlich treffsicheres Geschenk für einen Mann, der noch immer jedes Mal an den Anfang einer Webseite zurückscrollt, bevor er das Browserfenster wieder zumacht. Das Faltblatt der zweiwöchigen Fortbildung glänzt durch Wortspiele, die zweifelsohne in einem VHS -Kurs für angehende Werbetexter erarbeitet wurden:

"Backen oder Backup? - Was Sie über Googlehupf und EiCloud wissen müssen"

"Tinderüberraschung - Gleitsicht und Weitsicht beim Online-Dating"

"Appstellgleis, nein danke! - 5 Apps gegen Einsamkeit im Alter"

Den abschließenden QR -Code und die Formulierung "Weitere Informationen finden Sie online unter ...", empfinde ich zwar als höhnisch, beglückwünsche Vater aber zum Anbruch des digitalen Lebensalters. Er scheint wenig begeistert davon zu sein, sich zwei Wochen lang mit alten Menschen und neuen Technologien beschäftigen zu müssen. Was wir in erster Linie daran erkennen, dass er nur noch mürrische Brummgeräusche von sich gibt, die entfernt an ein altes 56K-Modem erinnern.

Auch ich wurde reich beschenkt. Seit wenigen Minuten nenne ich einen chinesischen Staubsaugerroboter mein Eigen. Ich versuche, diese subtile Kritik an meinem Sinn für Sauberkeit nicht allzu persönlich zu nehmen. Immer noch besser als der legendäre Weihnachtskalender mit Raumerfrischerpröbchen, der letztes Jahr in der Single-Wohnung meiner Schwester Hannah eingetrudelt ist. Sie verbringt die Festtage mit Brechdurchfall in einem 2-Sterne-Hotel in Zwickau. Ich beneide sie trotzdem.

In einer feierlichen Zeremonie wurde der elektronische Familienzuwachs auf den Namen Staubi getauft. Der kleine Racker verfügt über Bluetooth, USB , WLAN und eine eigene Android-App. Hätte er eine Spracherkennung, ich würde ihn bitten, mich zu heiraten. Auch Mutter ist begeistert. Sie verstreut großzügig Spekulatiusbrösel im Wohnzimmer, während das brummende Ding - Staubi, nicht Vater - unablässig seine Runden über das Parkett dreht. Vom Eierpunsch beseelt werden anschließend ein Seitenarm der Nordmanntanne und ein halber Meter Lametta gerupft, um Staubi an seine Grenzen zu bringen. Vergebens. Die Stimmung kippt, als Mutter und ich den letzten Rest Eierpunsch mit Gewürzlikör aufgießen und darum wetten, wer von uns beiden mehr Protagonisten aus der Weihnachtskrippe auf dem hin und her gleitenden Staubsauger platzieren kann. Mutter gewinnt mit einer Eselslänge Abstand.
Januar

Nach meinem blumigen Erlebnisbericht hat Hannah den Entschluss gefasst, auch allen zukünftigen Familienfesten fernzubleiben. Vater hingegen hat die Segel gestrichen und seine Frau zum Intensivkurs an die Volkshochschule begleitet. Mutter war augenblicklich Feuer und Flamme, was unser Vater sich damit erklärt, dass der Dozent wie eine exakte Mischung aus Costa Cordalis und dem jungen Stalin aussieht. Ich habe beschlossen, den zahlreichen Fragen, die diese Information aufwirft, fürs Erste nicht auf den Grund zu gehen. Stattdessen beobachte ich mit Besorgnis, wie sich unsere bisher so beharrlich analogen Eltern Stück für Stück in @ltern verwandeln.

Seitdem der VHS -Kurs in seine zweite Woche gegangen ist, brechen täglich neue Hiobsbotschaften über Hannah und mich herein. Gestern Abend eine Facebook-Nachricht meiner Schwester: "Mutter hat jetzt Instagram! Rette sich, wer kann!"

Tatsächlich postet Mutter seit drei Tagen unterbelichtete Fotos ihrer Mahlzeiten. Zu meiner großen Verwunderung hat sie schon jetzt mehr Follower als ich.
Februar

Wenn ich die vierzehn lustigen Tiervideos richtig interpreti

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