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Breitbeiner Warum wir Machos trotzdem mögen von Luig, Judith (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.09.2011
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
11,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Breitbeiner

Nur weil die heutigen Machos sich nicht im Unterhemdder Unterschicht die Plauze kratzen, heißt das nicht, dass wir die Typen los sind. Sie treten als Langhaar-Model auf und in Nadelstreifen, tummeln sich in Szenecafés und auf Parteitagen. Frauen lassen sich von Platzhirschen, denen sie intellektuell überlegen sind, degradieren und himmeln sie an. Der Macho ist heute erfolgreicher als je zuvor - und begehrter. Irgendetwas muss dran sein an dem hypermännlichen Mann. Judith Luig geht dem Phänomen Macho auf den Grund. Sie forscht in Kneipen auf dem rheinischen Dorf und in türkischen Männercafés, sie beobachtet einen privaten Workshop für kriegerische Männlichkeit im Ruhrgebiet und eine staatliche Fortbildungsmaßnahme für Migrations-Machos in Berlin. Sie redet mit Links-Machos, weiblichen Machos und Chefmackern. Und sie stellt fest, dass Machos eigentlich nur Menschen sind. Solche, die nicht mehr so genau wissen, was ein Mann eigentlich ist.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 16.09.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838712017
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 1907 kBytes
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Breitbeiner

ZICKE (S. 149-150)

Katja Kessler hängt noch in einem anderen Interview. Also wird der Termin einmal quer durch die Stadt und nach hinten verschoben. Als sie schließlich perfekt gestylt (ist das jetzt smart casual?) aus einer riesigen schwarzen Volkswagen-Familienkutsche klettert, ist das Café, wo wir uns treffen wollten, längst geschlossen. "Gut", sagt Kessler und disponiert sofort um. Für eine berufstätige Frau mit vier Kindern und einem Arbeitstier zum Mann offenbar die leichteste Übung. "Sie steigen jetzt erst mal ein", beschließt sie und denkt nach: "Sollen wir vielleicht spazieren gehen und dabei reden?" Nun ja, das erschwert den Mitschnitt.

"Gut, warten Sie", sagt sie. Und dann ruft sie ihren Schatz an, der in ihrem neuen Buch Der Tag, an dem ich beschloss, meinen Mann zu dressieren konsequent Schatzi genannt wird, und bespricht kurz die Sachlage. Sie fragt, ob er schon mit seinem selbst gekochtem Essen auf sie warte, lacht kurz über ihn und erklärt dann: "Sie kommen jetzt am besten einfach mit zu uns." Katja Kessler ist 42 Jahre alt und sieht unfairerweise kein bisschen danach aus. Sie zieht sich geschickt an, nämlich so, dass es einfach extrem gut und trotzdem nicht angestrengt aussieht: Stiefeletten mit bunten Bändchen, enge Hose, XL-Shirt und dazu der in diesem Frühling obligatorische Riesenschal.

Ihre Karriere begann sie mit dem Texten kleiner, absurder Beobachtungen über die Seite-eins-Mädchen der Bild-Zeitung – und dieser schräge Blick wurde ihr Markenzeichen. Seit zehn Jahren ist die Autorin mit dem Meinungsmacher der Republik verheiratet. Ihr Mann stürzt Minister und lässt im Marketingshop seiner Zeitung Höschen mit der Aufschrift "I love KD " verkaufen, und trotzdem ist er, glaubt man ihrem Buch, ein ganz bezaubernder Ehemann. Wenn auch ein wenig exzentrisch. Der Leser erfährt, dass Kai Diekmann eine Lieblingssteckdose hat, die niemand sonst benutzen darf, sowie eine Manie, Gastgeber ewig vor der Zeit zu überraschen, und überhaupt ein "Macho / Schluffi / emotionaler Pflegefall" sei. Aber auch ohne KD wäre Kessler bekannt: Ihr Schwangerschaftsratgeber

Das Mami Buch, erschienen vor vier Jahren, hat sich 200 000-mal verkauft und ist in sieben Sprachen übersetzt worden, zwei Jahre später veröffentlichte sie das erste Ehefrauenbuch Frag mich, Schatz, ich weiß es besser!, sie hat den Roman Herztöne (eine deutsche Sex-and-the-City-Geschichte) geschrieben und jetzt eine neue Abrechnung mit Schatzi, Eheklippen, Promipartys, dem Mutti-Terror, aber vor allem ein wundervoll pragmatisches Porträt von sich selbst. Ihre Agentin hatte am Telefon die Vermutung geäußert, Kessler würde ganz einfach nie schlafen. Sie scheint recht zu haben.

Auf der großen Treppe vor der Diekmann-Datsche sitzt der Hausherr nebst Eltern und genießt den versonnten Blick auf den See. Durch das Wohnzimmer trabt die Jüngste, Lilly, begeistert von der eigenen Bewegung, mit der ihr lila Kleidchen um sie herumschwingt. "Lila ist meine Lingsbifarbe", erklärt sie. Ich schließe das Kind sofort in mein Herz, ich trage übrigens auch Lila. Die anderen Protagonisten des Buches, die älteren Geschwister, sind am See. Wir setzen uns auf weiße Kissen auf der Veranda mit Blick auf den Garten, Kieselsteine, Holzplanken, Korbgeflochtenes um uns herum.

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