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Das Wunder von Grauenfels von Benjamin, Viktoria (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.02.2013
  • Verlag: Edel Elements
eBook (ePUB)
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Das Wunder von Grauenfels

Die Jungfrau kommt nach Grauenfels - sie muss! Grauenfels ist genau das, was der Name schon sagt: eine Hand voll renovierungsbedürftiger Häuser, ein stillgelegter Steinbruch und wenig Zukunft - wäre da nicht der rührige Ortsvorsteher Igor Barhaupt, der ebenso mittellos wie entschlossen ist, sein Dorf nach vorne zu bringen. BeGin treten auf den Plan, das endgültig auf dem Boden der Tatsachen angekommene ehemalige Top-Team der Werbeagentur Carstens & Company, das zum letzten aller Mittel greift, um diesen gottverlassenen Winkel der Erde berühmt zu machen ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 25.02.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955301484
    Verlag: Edel Elements
    Größe: 2390 kBytes
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Das Wunder von Grauenfels

Der Auftrag

A tomkraft ist Liebe. Der Slogan stand unaufdringlich, aber gut sichtbar in der rechten oberen Ecke einer ganzseitigen Anzeige.

Angewidert starrte Berit auf das in warmen Farben gehaltene Foto darunter: ein heimeliges Wohnzimmer, in dem ein strubbelhaariger Vater mit seinen Kindern Eisenbahn spielte. Die lächelnde Mutter stellte eine Kanne Tee auf eine Warmhalteplatte. Eine Katze räkelte sich neben der Heizung.

"Fehlt nur noch: Katzen würden Kernkraft kaufen ", kommentierte Berit die Seite. Sie schleuderte die Zeitschrift Richtung Papierkorb, traf jedoch nicht.

Die Illustrierte landete auf dem schmutzig braunen Teppichboden, der Berit seit Eröffnung der Agentur ein Dorn im Auge war. Leider war kein Geld da, um ihn auszuwechseln.

"Fang nicht schon wieder an", warnte Gina und warf ihr einen tadelnden Blick zu, ohne die Moorhuhnjagd auf ihrem Computer zu unterbrechen. "Wenn du so mit den Slogans um dich schmeißt, musst du dich nicht wundern, wenn andere sie aufgreifen."

"Das war kein Slogan, das war ein Witz", meinte Berit giftig. Offensichtlich machte sie sich bereit, die Sache mit der Kündigung zum hundertsten Mal durchzukauen. "Woher sollte ich wissen, dass Carsten keinen Anflug von Humor hat?"

"Aus Erfahrung, Mädchen. Wie lange haben wir für den Kerl gearbeitet? Mist, jetzt ist das Huhn weg ... Ach, egal, hab sowieso keine Lust mehr. Hätte nie gedacht, dass mir das Spiel mal langweilig wird." Gina verließ das Programm mit ein paar Mausklicks und gähnte. "Aber die Websites mit den Stellenangeboten für Texter und Grafiker sind noch trostloser."

Gina hob die Zeitschrift auf und studierte nun ihrerseits die Anzeige. "Das Layout hätte ich auch nicht besser machen können", meinte sie schließlich anerkennend. "Und der Slogan ist schlicht genial. Einer deiner besten. Da wäre fast ein Preis vom Art Directors Club drin. Allerdings hätte ich noch irgendwo ein kleines Atomkraftwerk untergebracht. Hier zum Beispiel." Sie wies auf die Spiellandschaft, durch die sich die Schienen der elektrischen Eisenbahn wanden. "Ob Märklin die Dinger im Angebot hat? Sonst hätte ich selbst eins basteln müssen." Geistesabwesend warf Gina die Zeichnung eines kleinen Atommeilers auf den jungfräulich weißen Notizblock neben dem Telefon.

"Das meinst du nicht ernst. Oder bereust du jetzt doch, dass wir wegen der Sache gekündigt haben?" Berit sah teilnahmslos vor sich hin.

Sie schien heute wirklich ihren depressiven Tag zu haben. Gina hatte das bereits morgens erkannt. Wenn ihre Freundin und Geschäftspartnerin schlecht drauf war, machte sie sich morgens nicht die Mühe, ihren dunklen Pony aufzuföhnen. Die fransig geschnittenen Strähnen fielen ihr dann wie ein trauriger Vorhang ins Gesicht. Um ihr Gegenüber anzusehen, musste Berit darunter hervorschielen wie weiland Prinzessin Diana. In der Regel fand sich dann schnell ein männliches Wesen, dessen Zuwendung ihre Laune wieder hob. Aber dazu fehlte es im Büro an Gelegenheiten. Die neue Agentur zeigte sich männerfrei wie ein Nonnenkloster. Der einzige Kunde war bislang die Betreiberin eines Yoga-Studios für Frauen. Mit angeschlossener Feng-Shui-Beratung. Nach dem ersten Blick in Berits und Ginas Räume hätte sie den Auftrag allerdings fast zurückgezogen. Angeblich stimmten die Schwingungen nicht, und der Glücksdrache fühlte sich nicht wirklich willkommen.

"Du hättest nicht kündigen müssen. Schließlich war es meine Schuld", führte Berit ihren Gedanken selbstquälerisch fort.

Gina seufzte. Seit die beiden ihr helles, riesiges Büro bei Carsten & Company gegen die schmuddeligen neuen Räume eingetauscht hatten, schien Berit auf Vorwürfe geradezu zu warten. Die Tatenlosigkeit und vor allem das anhaltend schweigende Telefon zerrten an ihren Nerven. Gina ging es nicht besser. Aber sie brauchte sich wenigstens nicht schuldig zu fühlen. Schließlich war es Berits dummer Witz, de

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