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Die Letzten werden die Ärzte sein 35 Geschichten, krank geschrieben

  • Verlag: Satyr Verlag
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Die Letzten werden die Ärzte sein

Gesundheit ist nur ein Mangel an Diagnosen. Dreißig Satirikerinnen und Satiriker begeben sich auf Visite und prüfen das zweitälteste Gewerbe der Welt auf Herz und Nieren. Ihre Diagnose: Lachen hilft, und wenn der Schmerz nachlässt, kann sogar eine rausgesprungene Kniescheibe viel Freude bereiten. 35 bizarre, komische, skurrile Geschichten, krank geschrieben zwischen Siechtum und Genesung von Horst Evers, Jochen Schmidt, Tilman Birr, Sarah Schmidt, Uli Hannemann, Kirsten Fuchs und vielen anderen herausgegeben von der Autorin und Medizinlektorin Daniela Böhle und dem Satiriker und bekennenden Hypochonder Paul Bokowski. Daniela Böhle wurde 1970 in Köln geboren und hat dort auch ihr medizinisches Staatsexamen bestanden. Seit 1999 lebt sie in Berlin. Nach vielen Jahren bei der 'Reformbühne Heim und Welt' ist sie heute noch korrespondierendes Mitglied dieser Lesebühne. Ihr Kurzgeschichtenband 'Amokanrufbeantworter' erschien 2005 bei Satyr. Ihre Hörspiele haben rbb und SWR produziert, darunter die Krankenhausgroteske 'Leichen im Keller' (2010). Trotz ihrer Arbeit als Lektorin und Autorin ist ihre Leidenschaft für Blut und Eiter ungebrochen. Paul Bokowski wurde 1982 in Mainz geboren. Seit 10 Jahren lebt und arbeitet der bekennende Hypochonder als Autor und Satiriker in Berlin. Er ist jüngstes Mitglied der Berliner Lesebühne 'Brauseboys' und festes Redaktionsmitglied der Literaturzeitschrift 'Salbader'. Gelegentlich tritt er als Autor für das Satiremagazin 'Titanic' in Erscheinung. 2012 erschien sein Satyr-Bestseller 'Hauptsache nichts mit Menschen' (Taschenbuch-ausgabe bei Goldmann: Dezember 2013).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783944035369
    Verlag: Satyr Verlag
    Größe: 1611 kBytes
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Die Letzten werden die Ärzte sein

BEI ÄRZTEN

von Volker Surmann

Beipackzettel:

Der folgende Text enthält deutliche anthropologische und medizinische Details, die manch ein Leser als anstößig empfinden könnte. Ihre Schilderung dient jedoch ausschließlich Zwecken der Aufklärung sowie der Dokumentation über tabuisierte Körpervorgänge.

1) Bei meiner Hausärztin

"Und wie äußern sich diese Beschwerden?", fragt meine Hausärztin.

"Es juckt. Und tut gelegentlich weh – äh ..."

"Ja?"

"Und das unterliegt auch garantiert der Schweigepflicht?"

"Ja. Aber wie ich Sie kenne, schreiben Sie doch sowieso wieder 'ne Geschichte drüber."

"Na ja, es ist beim Stuhlgang und so."

"Aha. Es juckt und schmerzt beim Stuhlgang und so", fasst meine Hausärztin zusammen. "Na, dann machen Sie sich mal frei."

Vorsichtig ziehe ich Pullover und T-Shirt aus.

"Sagten Sie nicht "Stuhlgang und so"? Also Hose runter und einmal vorbeugen."

Was soll ich sagen: Es gibt wenige demütigendere Erlebnisse, als sich in angedeuteter Hündchenstellung auf einer Arztliege abzustützen, während eine Hausärztin mit einem Gummihandschuh einem den Finger in den Popo schiebt und den Enddarm abtastet. Es soll Leute geben, die derartige Erlebnisse mit erotischen Fantasien verbinden. Ich gehöre nicht dazu.

"Hm, da könnte irgendwas sein", sagt meine Hausärztin und ist fertig. "Wahrscheinlich harmlos. Hämorrhoiden oder Warzen oder irgendwas. Ich kenne mich damit nicht aus, Sie brauchen sich aber keine Sorgen zu machen – vermutlich." Dann stockt meine Hausärztin, als sei ihr gerade etwas eingefallen: "Aber doof ist es schon, gell? – Wir lassen mal 'ne Rektoskopie machen."

2) Bei der Rektoskopie

"Hier, das müssen Sie mir noch unterschreiben", Frau Dr. Braungart hält mir einen Zettel unter die Nase.

"Was ist das?"

"Sie bestätigen, dass ich Sie über die Risiken aufgeklärt habe."

"Aber Sie haben mich nicht über die Risiken aufgeklärt."

"Richtig. Kann ja auch nichts passieren ... – Legen Sie sich da hin. Auf die Seite bitte. Popo vorstrecken. Ja, so ist's gut. Wir gucken jetzt mal rein. Und jetzt: Entspannen!"

Gar nicht so einfach, sich zu entspannen, wenn man mit nacktem Arsch auf einem Blechtisch liegt, über den sich gerade eine Ärztin und eine Arzthelferin beugen, die laufend Wörter von sich geben wie "tiefer", "absaugen", "weiter", "noch etwas weiter vor", "noch tiefer".

Ein kleines endoskopisches Schläuchlein schiebt sich durch meine Innereien. Dort rumpelt und pumpelt es munter. Das Endoskop bläst laufend Luft in meine Gedärme, damit es besser gucken kann. Funktioniert vermutlich so wie diese grässlichen Laubgebläse, mit denen Hausmeister im Herbst die Schulhöfe frei pusten. Mein Bauch bläht sich jedenfalls immer mehr auf.

"Meine Hausärztin sagte, es solle nur der untere Bereich ..."

"Jaja, jetzt seien Sie mal still und entspannen sich. – Wir gehen auf dreißig Zentimeter."

Frau Dr. Braunga

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