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Die Welt in 32 Zeilen Die besten Glossen der Stuttgarter Zeitung

  • Erscheinungsdatum: 21.03.2016
  • Verlag: Klöpfer & Meyer Verlag
eBook (ePUB)
14,99 €
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Die Welt in 32 Zeilen

Die Autoren von 'unten rechts', der täglichen Glosse in der Stuttgarter Zeitung, haken nach und spießen Alltägliches auf, um es genussvoll auszuschlachten. Sei es die Angst vor betrieblichen Feiern, die Peinlichkeiten des Weiße-Socken-in-Sandalen-Tragens oder der Weltfischbrötchentag, der zu Unrecht ein Schattendasein führt. Warum? Die Antwort flattert ihnen irgendwo zwischen dem Phänomen des Autofastens und der Liebe der Deutschen zu ihrem Ampeldreiklang zu. Die Glossisten rechnen mit heftigen Reaktionen im Zuschauersaal, mit Stirnrunzeln, Tränen und Wutausbrüchen. Aber mit einem rechnen sie nicht: mit Langeweile.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 216
    Erscheinungsdatum: 21.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863512590
    Verlag: Klöpfer & Meyer Verlag
    Größe: 867 kBytes
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Die Welt in 32 Zeilen

Wohin das Geld wandert

Steuersubjekte

Man sollte immer daran denken, die Einspruchsfrist gegen den Steuerbescheid einzuhalten. Wer von den Behörden mit hohen Abgaben gewürgt wird, muss rasch handeln. Ein korrekter Einspruch will vorbereitet werden. Er muss mit der geballten Faust unterschrieben und in einen grau-braunen Umschlag gesteckt werden, der mit einer übel riechenden Flüssigkeit beschmiert wird und mit dem Wahlspruch "Pecunia non olet" versehen ist. Wer seinen Sachbearbeiter mit Namen kennt, kann bereits im Briefkopf einige Beleidigungen unterbringen. In Frage kommen Wörter wie Steuersubjekt (mieses), Eintreiber (tollwütiger), Vollstrecker (mitleidsloser) oder Körperschaftler (Drecks-). Die Übergabe erfolgt nach einem exakt festgelegten Ritual. Der Steuerpflichtige rottet sich mit Gleichgesinnten vor dem Finanzamt zusammen und fordert dreimal seinen Sachbearbeiter zum Verlassen des Gebäudes auf. Der Beamte ist normalerweise in Gleitzeit und deshalb nicht da. Deshalb wird der Einspruch mit einer handelsüblichen Spaxschraube in die Eingangstür gebohrt. Von der Behörde wird grundsätzlich jeder Einspruch abgelehnt, wer dann nicht zahlt, wird einem Thesaurus zum Fraß vorgeworfen (Thesaurierungsbesteuerung) und mit dem Stempel "Ausgesteuert" versehen.
Mafiöse Wurzeln

Was rumpelt da munter im Untergrund? Die Staatsanwaltschaft ermittelt mindestens bis 2020 gegen Kartoffelkartelle, die dem Verbraucher gemeinsam faule Preise aufgetischt haben sollen. Doch das sind nur die sichtbaren Auswüchse. Die Kartoffelmafia habe zu neuer Stärke gefunden, wird zwischen den Ackerfurchen gemunkelt. Für ein paar Klumpen Frühgold werden zarte Prinzessinnenkartöffelchen, sie heißen Nicola, Sieglinde oder Désirée, aus Osteuropa illegal eingeschleust, müssen sich ausgraben, angraben und pellen lassen, um letztlich in minderwertigen deutschen Kartoffelpuffern gefräßigen Dickbäuchen gefällig zu sein. Doch damit nicht genug der krumbierigen Geschäfte. Milliarden unschuldiger Knollen werden in deutschen Kellern eingesperrt und wie Dreck behandelt. Wer aufmuckt, der wird übel abgebürstet, dem werden die Augen ausgerissen, der kommt in den Kartoffelstampf, um ihm die Flausen auszutreiben. Nur vereinzelt schaffen es wilde Kartoffeln, den Kantinenbesuchern auf die Pelle zu rücken, um mit Salzkruste und Knoblauchdip Rache zu nehmen. Die Wahrheit über die kartoffelmafiösen Wurzeln wird wohl nur chipsweise ans Tageslicht kommen. Die Sache mit der Knolle ist noch längst nicht gegessen.
Zinslose Quarantäne

Schon wieder so eine Schreckensmeldung: eine Studie der Universitätsklinik Genf hat belegt, dass Viren auf Geldscheinen bis zu zwei Wochen überleben. Unter Umständen - bei für sie angenehmer Luftfeuchtigkeit und Temperatur - sogar 17 Tage. Wo sich die Banknoten die Erreger holen, kann man sich denken: moderne Bankautomaten sind Brutstätten für Computerviren aller Art; herkömmliche Sparschweine aus Steingut hingegen ideale Biotope für den Schweinegrippevirus. Wie der sich mit seinen kleinen Klauen dann tagelang am Wasserzeichen eines 50-Euro-Scheins festklammert, ist der reine Horror. Man wird künftig aus hygienischen Gründen davon Abstand nehmen, Banknoten abzulecken, in Körperöffnungen zu verstecken oder sich daraus einen Joint zu drehen. Die Nachrichtenagentur schreibt, wer viel mit Geld zu tun habe, solle sich die Hände waschen. Die Banknoten soll man nicht waschen. Letzteres ist laut Geldwäschegesetz ohnehin strafbar. Früher hat man Geldscheine gebügelt, bevor man sie mit Schleife versah und an Konfirmanden verschenkte. Das Bügeln könnte einem Virus den Garaus machen, es ist nicht strafbar, trägt aber das Risiko des Totalverlustes. Geeigneter ist es, Geldscheine in zinslose Quarantäne zu geben - auch unbefristet. Abgabestellen finden sich vermutlich jede Menge.
Noten pressen

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