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Ein Kanake sieht rot Best of Sulaiman Masomi von Masomi, Sulaiman (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.06.2014
  • Verlag: Lektora
eBook (ePUB)
8,99 €
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Ein Kanake sieht rot

Sulaiman Masomi, der vergesslichste Typ, an den er sich erinnern kann. Der 'Kanake', der rot sieht und der 'ES' weiß, legt mit 'Ein Kanake sieht rot' endlich sein erstes Prosabuch vor. Auf rund 280 Seiten sind zahlreiche Klassiker, einige neue und auch unbekannte Texte des bekannten Poetry-Slammers zu einer Best-of-Sammlung zusammengefasst, die zehn Jahre Bühne vereint. Seine Worte treffen uns urkomisch, bitterböse und manchmal auch direkt ins Gewissen. Er hält uns den Spiegel vor, ohne dabei wirklich mit dem Finger auf uns zu zeigen. Im Gepäck hat er allerlei kuriose und lustige Geschichten, die so vielleicht wirklich passiert sind. Oder auch nicht. Wenn man selbst der vergesslichste Typ ist, an den man sich erinnern kann, und sich ständig vor Fremden wiederfindet, die mit Tränen in den Augen bitten, man solle sie Papa oder Mama nennen, kann das Leben ganz schön verwirrend sein. Sulaiman Masomi, geboren 1979 in Kabul (Afghanistan) und aufgewachsen in Krefeld, nutzt diesen Zustand jedoch, um auf die Bühne zu gehen und den Menschen von den Strapazen seines Lebens zu berichten. Seine Vortragsweise ist mehr als authentisch, in seinen Texten erklärt er, was passiert, wenn ein Kanake rot sieht, und in welchem Zusammenhang ein alter deutscher Schäferhund und eine Sucuk-Knoblauch-Wurst zueinander stehen. Als Schriftsteller, Poet, Rapper und Poetry-Slammer wird Sulaiman Masomi vom Goethe-Institut regelmäßig als Botschafter der deutschen Sprache um die Welt geschickt. Im Jahr 2013 konnte er sich den Titel des NRW-Meisters im Poetry Slam sichern und stand im selben Jahr im Finale der deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 275
    Erscheinungsdatum: 27.06.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783954610259
    Verlag: Lektora
    Größe: 1604 kBytes
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Ein Kanake sieht rot

"Die drei Gesetze der Robotik: 1. Ein Roboter
darf einen Menschen nicht verletzen oder durch
Untätigkeit zulassen, dass einem Menschen
Schaden zugefügt wird. 2. Ein Roboter muss
Befehlen, die ihm Menschen geben, gehorchen,
wenn sie nicht im Widerspruch zum ersten
Gesetz stehen. 3. Ein Roboter muss seine eigene
Existenz schützen, solange ein solcher Schutz
nicht im Widerspruch zum ersten oder zweiten
Gesetz steht."

– Isaac Asimov –
Roboterträume

Ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen: Irgendwann in der achten Klasse entschied ich, dass ich in Wirklichkeit kein Mensch, sondern ein Roboter bin. Als ich eines Morgens aufwachte, lag ich in meinem Bett und da wusste ich: Ich bin ein Roboter.

Schlagartig ergab auch alles Sinn, zum Beispiel: Warum ich keine Gefühle hatte und warum ich mich morgens auf dem Weg von meinem Bett ins Bad so mechanisch bewegte. Ich ging runter in die Küche und stellte mich vor meine Eltern. Meine Mutter fragte, warum ich mich so komisch bewegen würde.

"Weil ich ein Roboter bin, Mama. Wieso habt ihr mir nie die Wahrheit gesagt?", fragte ich.

"Du bist kein Roboter. Wenn du ein Roboter bist, dann bin ich eine Hexe", antwortete sie. Ich wollte erst erwidern, dass sie in ihrem Verhalten mir gegenüber durchaus des Öfteren Verhaltenszüge an den Tag legte, welche man mit einer Hexe assoziieren könnte, jedoch befürchtete ich, sie würde auf diese Antwort wie eine Hexe reagieren, und sagte stattdessen:

"Wenn du eine Hexe bist, dann fress ich deinen Besen".

Mama: "Wenn du meinen Besen frisst, geb ich dir ein paar hinter die Löffel!"

"Das macht mir nichts, ich verspüre keinen Schmerz, weil ich ein Roboter bin", entgegnete ich robotisch.

"Dann tut DAS bestimmt nicht weh", sagte meine Mutter und gab mir 'ne ordentliche Backpfeife.

Ich : "Aua."

Obwohl ich ein Roboter war, hatte das trotzdem ganz schön geschmerzt. Anscheinend hatte ich immer noch Rezeptoren, die so was Ähnliches wie Schmerz simulierten.

Mein Vater mischte sich ein.

Papa: "Und woran erkennt man, dass du ein Roboter bist?"

Ich: "Man erkennt es daran, dass ich robote."

"Aha, gut. Und da wir dich gebaut haben, robotest du mal zur Mülltonne und bringst den Müll raus", befahl meine Mutter und drückte mir einen Müllsack in meine zarten Androidenhände.

Ich überlegte kurz. Sie hatte recht. Als Roboter stand ich im Dienste meiner Erbauer, soweit sie mich nicht anders programmierten. Ich nahm den Müll und brachte ihn stumm hinaus.

"Braver Roboter", rief mir meine Mutter hinterher und streichelte mir sanft über die geschwollene Backe, als ich wieder reinkam.

Meine neue Identität amüsierte meine gesamte Familie und ich durfte allerlei Zeug für sie machen. Besonders meine Mutter freute sich darüber, unerwartet einen Haushaltsroboter zu besitzen, welcher ihr bei der Hausarbeit unter die Arme griff bzw. jegliche Arbeit übernahm.

Ich musste einkaufen, spülen, bügeln, die Wäsche aufhängen, das Bad putzen, sie zu ihren Freunden und Verwandten fahren und alles andere tun, was so anfiel, während sie auf der Hängematte im Garten chillte. Mein Vater war weitaus bescheidener: Ich musste nur einen Brunn

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