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Es ist nie zu spät, unpünktlich zu sein von Sträter, Torsten (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.10.2019
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Es ist nie zu spät, unpünktlich zu sein

Hui, endlich: das neue Buch von Torsten Sträter! Sie wissen schon: der Mann aus dem Ruhrgebiet. Mit der Mütze. Diesmal geht's echt um alles: die Macht der Entspannung, Urlaub in Namibia und Botswana, Erziehung, Sex, Bratwurst, wegfliegende Flummis, die heilende Kraft der Musik und den Vater des Gedanken. Er heißt Günter. Ach ja, und es geht um die Zeit! Was sie macht, wie sie funktioniert, wonach sie riecht und ob man sie umtauschen kann. Torsten Sträter, Jahrgang 1966, wohnhaft in Waltrop bei Dortmund, arbeitet in einer Möbelspedition, hilft in einer Buchhandlung aus und trägt seit 2008 auf Poetry Slams und in Solo-Shows selbstgeschriebene Texte vor. Geringste Zuschauerzahl: 9. Höchste Zuschauerzahl: über 4000.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 280
    Erscheinungsdatum: 25.10.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843721202
    Verlag: Ullstein
    Größe: 7873 kBytes
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Es ist nie zu spät, unpünktlich zu sein

Erhöhter Gesprächsbedarf

Diese Geschichte habe ich für Jürgen von der Lippes Buch DER KÖNIG DER TIERE geschrieben.

Ich erwache ahnungslos. Wobei "erwachen" jetzt irgendwie impliziert, ich hätte da ein System, aber im Prinzip ist es, als versuchte ich, mit einem Motorradhelm auf dem Schädel durch den Geburtskanal einer Elefantenkuh zu kriechen. Wie immer, wenn ich ein bisschen was getrunken habe.

Aber heute ist es anders.

Alles ist anders.

Zuerst einmal wäre da das Kopfteil vom Bett, das gestern noch nicht so hoch war.

Zum anderen bin ich komplett bekleidet. Das kommt in den besten Familien vor. Derartige Phrasen sage ich mir immer, wenn es nicht ganz rund läuft oder gelaufen ist. Oder laufen wird. Das kommt in den besten Familien vor, ein Indianer kennt keinen Schmerz, und aus einer Igelhaut macht man kein Brusttuch. Was immer das bedeuten soll.

Ich erhebe mich.

Aha, denke ich. Verstehe.

Das Kopfteil vom Bett kam mir deswegen so hoch vor, weil ich hinter dem Sofa geschlafen habe. Dass ich vollständig bekleidet bin, dürfte dem Umstand geschuldet sein, dass ich gestern kurz kegeln war.

So sage ich das immer meiner Gattin: "Frau! Harre nicht meiner. Ich bin kurz kegeln."

Kurz war es allerdings nicht, so viel steht fest. Der Rest meiner Erinnerungen ist, als würde man SPARTACUS durch mehrere Schichten Feinstrumpfhose gucken. Junge, Junge. Das war was. Eigentlich sollte der Begriff "Kegeln" durch einen maritimen Terminus ersetzt werden - so oft, wie die Scheiße aus dem Ruder läuft.

Das wird jetzt wieder zu erhöhtem Gesprächsbedarf führen. Den hat meine Frau nämlich öfter mal - erhöhten Gesprächsbedarf.

Mein Kopf fühlt sich innen, so auf Höhe des Präfrontallappens, ein bisschen wund an. Kopfschmerztablette wäre jetzt gut. Und Kaffee. Behelfsweise würde ich mir auch eine Tube Bepanthen durch die Nasenlöcher ins Hirn drücken.

Ich nutze die fünf Sekunden Ruhe, bevor der Ärger losgeht, um mich zu sammeln. Dann sage ich mit fester Stimme: "Frau. Ich bin erwacht."

Nix.

Sonderbar.

Üblicherweise schwallt nun ein hochfrequenter Impulsvortrag über Geschicklichkeitsspiele und Alkoholmissbrauch über mich herein. Doch heute dominiert Stille die Wohnung. Mir ist warm. Ich ziehe den Parka aus.

Dann suche ich meine Gattin. In der Küche steht eine benutzte Tasse mit kaltem Kaffee. Keine Frau.

Das Bett im Schlafzimmer ist zerwühlt.

Schlüssel am Brettchen im Flur fehlt.

Dann ist sie einkaufen. Gut.

Das verschafft mir etwas Zeit. Ziehe mich aus, dusche, ziehe mich wieder an. Dann gehe ich vor die Tür, um die Zeitung reinzuholen. Allerdings ist keine Zeitung da.

Überhaupt ist niemand da. Die Straße vor unserem Haus ist leer und still. Kein Mensch zu sehen. Der Kiosk gegenüber ist geöffnet, aber unbesetzt. In der gesamten Siedlung ist keiner zu sehen.

Ich klingle beim Nachbarn und stelle fest, dass die Tür nur angelehnt ist. HALLO?

Keine Antwort.

Trete zurück auf die Straße und rufe erneut: HALLO?

Keine Antwort.

Ich versuche, die vergangene Nacht zu recherchieren, Puzzleteilchen zusammenzufügen.

Also noch mal von vorn:

Gegen acht aus dem Haus, kurz kegeln.

Mit den Jungs Schnitzel gegessen.

Dann Kegelbahn.

Dann komischen Schnaps getrunken. Eine Art Appenzeller Handkäs, nur als Getränk. Schlimm.

Dann kam dieser riesige Typ runter und meinte, wir sollten die Kegelbahn frei machen, wir seien schon Stunden zugange hier, und jetzt seien mal die Jungs vom "Motorrad-Club mit Aggressionsproblemen e. V." an der Reihe.

Ich antworte: "Nicht in dem Ton, Frollein."

Dann Handgemenge.

Der Rest liegt im Dunkel. Kann aber nicht so schlimm gewesen sein.

Immerhin machen wir seit einigen Jahren nicht mehr dieses Spiel, wo wir unsere mit Namen beschriftete

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