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Göttlich versumpft Aus dem Tagebuch eines Saufkopfs von Vuorinen, Juha (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.08.2014
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Göttlich versumpft

Juha ist ein finnischer Mann, dessen Leben von seinem unlöschbaren Durst, seiner unstillbaren Libido und seinen liebeshungrigen Idiotenfreunden beherrscht wird. Um seinen chaotischen Alltag besser überblicken zu können, vertraut er seine täglichen Eskapaden einem Tagebuch an - sofern er sich an die Ereignisse der letzten Stunden überhaupt erinnern kann.

Das Ergebnis ist ein wilder Mix aus Sex, Schmerzen und reichlich Selbstironie - verbunden mit der stocknüchternen Erkenntnis, dass man(n) so etwas Lustig-Viriles seit Bukowski nicht mehr gelesen hat.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 285
    Erscheinungsdatum: 15.08.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838752891
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 4950kBytes
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Göttlich versumpft

Mittwoch, 1.4.1998

Heute war offenbar irgendein Deppentag, denn Kristian rief an und erzählte mit weinerlicher Stimme, er sei auf einem Familientreffen gewesen. Die ganze Sippschaft war nach dem Fest in einen Charterbus gestiegen, nur Kristian konnte nicht mitfahren, weil er noch saubermachen musste. Eine halbe Stunde später hatte er einen Anruf bekommen, der Bus wäre verunglückt. Ein türkisches Flugzeug war direkt auf den Bus gestürzt und hatte die ganze Sippe plattgemacht. Dann sagte Kristian noch, die ganzen Häuser und die zig Millionen, die er jetzt erben würde, könnten ihn niemals über den Verlust seiner Verwandten hinwegtrösten. Anschließend schwieg er eine Weile und fing dann plötzlich an zu singen:

"April, April, iss Hering, trink Schmutzwasser drauf ..." Ich legte auf und ging zum ersten Mal kotzen. Als das Telefon erneut klingelte, zog ich den Stöpsel heraus und beschloss, mich erst morgen wieder zu melden.
Donnerstag, 2.4.

Weil das Telefon ausgestöpselt war, wurde ich nicht von seinem Klingeln geweckt, sondern von einem Wahnsinnsgebimmel an der Tür. Ich guckte durch den Spion, ob wirklich jemand draußen stand, denn in verkatertem Zustand hörte ich manchmal Geräusche, die es gar nicht gab. Als ich Kristians aufgedunsene, stoppelbärtige Fresse sah, ließ ich den werten Herrn herein. Ein Türspion ist, soweit ich weiß, aus gewölbtem Glas und müsste das Gesicht runder machen. Ich beschloss, den Immobilienservice anzurufen und prüfen zu lassen, ob mein Spion falsch eingebaut war, denn Kristians Visage war in Wahrheit noch aufgedunsener als durch den Gucker. Wir machten uns über den Fusel her, den Kristian mitgebracht hatte. Nachdem wir uns eine Weile warmgetrunken hatten, fragte Kristian, ob ich sehen wolle, wie er sich das Licht ausschießt.

"Von mir aus", antwortete ich.

Kristian warf zwei teuflisch starke Schmerztabletten ein und sackte nach zehn Minuten weg. Ich soff allein weiter. Weil ich nichts zu tun hatte, dachte ich mir, ich könnte meinem Freund zum Dank für den Schnaps einen Dienst erweisen und ihm die unordentlichen Bartstoppeln rasieren. Also holte ich Schaum und Rasierer aus dem Bad. Ich war wohl schon ziemlich beduselt, denn nach der Rasur konnte ich Kristians Augenbrauen nicht mehr entdecken. Ich kann nicht mehr richtig gucken, dachte ich und kletterte auf mein Hochbett, um zu pennen.
Freitag, 3.4.

Ich wurde durch ein heftiges Geräusch aus dem Schlaf gerissen, was ich vielleicht am allermeisten hasse, weil ich ein eher schreckhafter Mensch bin. Aus dem Badezimmer kamen hysterische Schreie und dramatische Schluchzer. Ich kletterte nach unten, um nachzusehen, was los war. Kristian stand ungefähr einen Zentimeter vor dem Spiegel und betrachtete sein Gesicht. Er behauptete, er hätte Krebs. Mir klappte die Kinnlade runter. Dann fing er an zu erklären, er hätte vor einem Monat angefangen, sich einen Bart stehen zu lassen. Und jetzt wäre der Bart verschwunden, außerdem auch die Augenbrauen und an einem Auge sogar die Wimpern. Stattdessen wären überall kleine Narben aufgetaucht, und seine Nase wäre eingekerbt wie ein aufgeplatztes Grillwürstchen.

"Ich hab Krebs, ich hab Krebs", jammerte Kristian. Ich fragte, ob die Pillen, die er zum Fusel geschluckt hatte, Zytostatika oder irgend so ein Zellgift waren. Er behauptete, es wären stinknormale Schmerztabletten, die das zentrale Nervensystem betäubten. Um Kristian zu beweisen, dass er keinen Krebs hatte, packte ich ihn an den Haaren und zog ihn wie verrückt durch das Bad. Ich weiß nicht, ob mit seinem Gleichgewichtssinn etwas nicht stimmte oder nur sein Kreislauf am Ende war, jedenfalls klappte er

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