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Heimorgel to Hell von Kurt, Mambo (eBook)

  • Erschienen: 15.09.2014
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Heimorgel to Hell

Immer nur Krampfadern ziehen? Für den Rest des Lebens Patienten zunähen? Soll es das schon gewesen sein? Um der Alltagsödnis zu entkommen, tauscht Mambo seinen OP-Kittel gegen den Glitzeranzug und orgelt sich seither in die Herzen einer Kult-Gemeinde. Mit viel Bumm-Tschack und Punkrock gibt er die anarchistische Rampensau, zertrümmert als krassester Alleinunterhalter der Welt seine Orgeln und feiert mit Metal-Fans zu 'Alle Mädchen wollen nur das eine'. Geschichten eines charmanten Lebenskünstlers, voller Sex, Drugs und Bossa Nova.

Mambo Kurt ist in Hagen geboren und spielt seit eines Fehlkaufs seines Vaters Heimorgel. Er hat diesem uncoolsten Instrument der Welt nicht nur die Chirurgenlaufbahn geopfert, sondern entlockt ihm als 'The Return of Alleinunterhalter' auch noch die großartigsten Melodien der Musikgeschichte. Seine Fans feiern mit ihm von Schlager bis Punk, von Moskau bis Wacken.

Produktinformationen

    Größe: 8677kBytes
    Herausgeber: Piper
    Untertitel: Mein glamouröses Leben als Alleinunterhalter
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 208
    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    ISBN: 9783492968447
    Erschienen: 15.09.2014
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Heimorgel to Hell

F ür meinen Vater war 1977 ein Scheißjahr. Trotzdem hat er sich damals zwei coole Sachen gekauft. Zum einen ein orangefarbenes Surfbrett Marke "Ostermann Windglider" – ein auf dem Wasser gleitendes und nicht etwa im Wasser schwimmendes Surfbrett – damals eine Sensation. Es hängt noch heute bei meinem Vater in der Garage, sehr gut erhalten. Wenn uns jemand ein anständiges Preisangebot macht, rede ich mal mit ihm.

Zum anderen kaufte sich mein Vater eine elektronische Heimorgel. Ein kleines Modell eines namhaften japanischen Herstellers, Kostenpunkt 2500 Mark. Wie ich damals noch nicht ahnen konnte, würde die Heimorgel in meinem Leben eine sehr bestimmende Rolle einnehmen. Vorher sollte ich aber vielleicht erst mal erklären, was eine Heimorgel ist.

Eine Heimorgel sieht auf den ersten Blick aus wie ein Klavier. Sie ist auch so groß und so schwer wie ein Klavier. Das Gehäuse sollte aus braunem Holz bestehen, da bin ich Purist. Aber anders als bei einem Klavier kommt aus einer Heimorgel kein einziger Ton heraus, solange sie nicht ans 220 V -Stromnetz angeschlossen wird. Heimorgelkonzerte "unplugged" funktionieren also nicht – genauso wie "Kraftwerk unplugged" sicherlich das leiseste Konzert aller Zeiten wäre.

Eine richtige Heimorgel hat immer zwei Tastenreihen für die Finger und eine Pedalreihe für den Fuß. Wenn man Heimorgel spielt, ist man also mit Händen und Füßen zugange, genau wie beim Schlagzeugspielen, nur mit Melodie. In einer Heimorgel sind immer Lautsprecher verbaut, denn der Heimorgler will ohne weiteres Zubehör laut spielen können. Zudem gehört ein integriertes Rhythmusgerät zwingend zu jeder echten Heimorgel dazu. Um-tscha-um-tscha-um-tschatscha-um-um. Die meisten Menschen benutzen den Begriff "Hammond-Orgel" als Synonym für Heimorgel. Doch das ist so, als würde man zu jedem Auto "Golf" oder zu jedem Smartphone "iPhone" sagen.

Mein Vater konnte ein Surfbrett und eine Heimorgel erwerben, weil er 4000 Mark geerbt hatte. Denn leider waren seine Eltern 1977 gestorben. Beide. Und deswegen nehme ich mal an, dass 1977 ein echtes Scheißjahr für meinen Vater war. Opa Heinrich war schon lange bettlägerig und für alle Erwachsenen war abzusehen, dass er nicht mehr gesund werden und demnächst sterben würde. Für meinen Bruder und mich natürlich nicht. Ich war zehn Jahre alt, für mich kam der Tod meines Opas aus heiterem Himmel. Zehnjährige Kinder denken sich nichts dabei, wenn der Opa schon seit zwei Jahren im Bett liegt und es zum Waschen und Kacken nur mithilfe der pflegenden Mitmenschen und eines selbst geschweißten Haltegriffes über dem Bett verlassen kann. Denn natürlich hatte mein Vater als begeisterter Bastler dem Opa einen tipptopp Haltegriff gebaut, dessen dreieckiges Handstück nicht einfach mit einem Seil an einem verchromten Metallausleger über dem Kopfteil angebracht war. Nein, das Seil klemmte an einem kleinen Schlitten mit Kugellagern, welcher auf einem etwa drei Meter langen Querträger nach links und rechts rutschen konnte. Ähnlich wie die großen Containerkräne im Hamburger Hafen ihre Container absetzen, brauchte sich mein Opa lediglich am Griff festzuhalten und meine Mutter oder die Oma konnten den Opa seitlich aus dem Bett bugsieren. Für mich und meinen Bruder hatte die geniale Konstruktion meines Vaters einen weiteren großen Vorteil: Mit etwas Übung konnten wir auf der einen Seite des Bettes Anlauf nehmen, an den Griff springen, uns über den Opa hinwegschwingen und auf der anderen Seite des Bettes in einer perfekten "Ich-spring-jetzt-mal-von-meiner-Liane-runter"-Pose landen. Tarzan war nichts dagegen.

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