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Mäh! Geschichten aus intelligenten Schwärmen und anderen Krisenherden von Reuter, Matthias (eBook)

  • Verlag: Satyr Verlag
eBook (ePUB)
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Mäh!

'Es gibt Leute, die vermuten, dass der Mensch die Krone der Schöpfung ist. Es gibt andere, die befürchten, dass das stimmt.' Mit diesem Gedanken schaut sich der Oberhausener Autor und Kabarettist Matthias Reuter an, was die Menschen so machen, und versucht, sie trotzdem zu mögen. 'Strukturwandel im Ruhrgebiet: das ist, wenn man aus Zechen alles, was mit Arbeit zu tun hat, rausräumt und die entstehenden Freiräume mit Komikern auffüllt.' Auf diese Weise ist Matthias Reuter zu seinem Job gekommen. Seine Geschichten, dargeboten in Prosa, Reimform oder kurzen Cartoons, handeln von schauspielbegabten Hausmeistern, Europameisterschafts-Autokorsos im Leichenwagen, anzudübelnden Himmelsleitern sowie intelligenten Schwärmen und Krisenherden aus dem Ruhrgebiet und dem Rest der Welt. Ein Buch, das man am liebsten seinen Freunden brennen möchte ...

Matthias Reuter ist Ruhrgebietssatiriker, Liederschreiber, Cartoonist und skurriler Geschichtenerzähler. Er tourt mit seinen Kabarettprogrammen durch die Republik und gewann 2011 den Jurypreis 'Tegtmeiers Erben'. 'Mit souveräner Gelassenheit greift Reuter Themen von der Straße auf und steht damit in bester Tradition eines Jürgen von Manger', begründete die Jury ihre Entscheidung. 2012 gewann Reuter ein Bügeleisen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783944035239
    Verlag: Satyr Verlag
    Größe: 4208kBytes
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Mäh!

Korso

"Ja, parkt eure Kack-Karren am besten noch enger zusammen, damit hier überhaupt keiner mehr durchkommt!"

Es war eigentlich nicht ihre Art, im Leichenwagen zu fluchen, aber zum einen hatte sie ja noch keinen Fahrgast, weil sie sich auf der Hinfahrt zum Trauerfall befand, zum anderen standen die hier wirklich zu nah zusammen, und zum Dritten war sie sauer, denn man hatte sie vom Grillen weggeholt. Sicher, als Bestattungsunternehmer ist man praktisch immer im Dienst. Man kann ja den Leuten schlecht sagen: "Lasst den Oppa noch bis zum Ende von Waldis EM-Club liegen. Ich hab gerade 'n Hähnchenschnitzel auf dem Grill." Aber heute hätte sie wirklich gerne mal komplett freigehabt.

EM-Viertelfinale Deutschland - Griechenland. Bombenwetter. Alle Nachbarn eingeladen. Extra die Leinwand im Garten aufgebaut. In der neununddreißigsten Minute schießt Lahm dann das erste Tor. Superstimmung! Mannmannmann. Den Lahm fand sie immer schon gut. Weil der so klein und so niedlich ist. Und ganz bestimmt auch total leicht. Weil der nämlich auf sein Gewicht achtet und Sport treibt, der Lahm. Und mal 'ne Möhre isst statt 'nem Kotelett. Ganz im Gegensatz zu den bierbäuchigen Wildecker Herzbuben, die sie manchmal in ihren Wagen laden musste.

So was geht ja auch in die Arme. Meistens machte das dann ihr Mann Werner. Aber der hätte heute eben nicht mehr fahren können, denn der hatte ja Bier getrunken. Mit dem, und daran würde sie ihn in den nächsten Wochen bei jeder Gelegenheit auch noch mal erinnern, also mit dem vollkommen blödsinnigen Argument: "Wenn Deutschland spielt, dann stirbt keiner."

Ja. Hömma! Wenn ich die Fenster putz, dann regnet's nicht, oder was? Schwachsinn. Dem Jogi Löw traute sie ja eigentlich eine Menge zu. Nee, auf den ließ sie nichts kommen. Über fünfzig Jahre alt. Gewicht höchstens fünfundsiebzig Kilo. Der hatte dem Podolski ein paar verständliche Vokabeln beigebracht und mal 'nen Anzug angezogen. Alles sehr gut. Aber neunzig Minuten lang die bundesdeutsche Sterblichkeit aufhalten? Ohne Ballack? Und mit einem angeknacksten Schweinsteiger im Mittelfeld? Das konnte man auch vom Löw nicht verlangen. Jürgen Klinsmann - der hätte das gekonnt. Aber der war ja jetzt bei den Amis. Und da ist es ja noch schwerer, die Sterblichkeit aufzuhalten, weil die da ein schlechteres Gesundheitssystem haben. Der Jürgen Klinsmann, der sucht halt immer die maximale Herausforderung, dachte sie sich. Aber zum Glück hatte sich der Oppa ja zumindest zum Ende des Spiels verabschiedet. Alle deutschen Tore hatte sie wenigstens noch mitgekriegt. 4:2 Endstand, hörte sie den Radiomoderator sagen. Einen Handelfmeter hatten die Griechen noch reingemacht. Mensch, dachte sie, das sei ihnen gegönnt. Die haben so viele Schulden, da sollen sie doch wenigstens noch den einen Elfmeter haben. Sonst geht doch bei denen die Stimmung völlig den Bach runter.

Langsam fuhr sie mit dem Leichenwagen auf den Hof der Familie Schuster.

BUMM!

Ein lauter Knall vorne auf der Motorhaube. Sie erschreckte sich fast zu Tode. Und dachte im selben Moment daran, wie dämlich das klang: "Die Bestatterin erschreckt sich zu Tode." Das ist ja was für's Witzbuch. Oder noch besser als Zeitungsmeldung: "In ihrem Leichenwagen erschreckte sich die Bestatterin Ingrid Sasselfeld, 47 Jahre alt, nach dem Fußballspiel Deutschland gegen Griechenland zu Tode." Das ist 'ne Meldung, die sich Leute gegenseitig beim Frühstück vorlesen.

"Deutschland is der geilste Club der Welt!", sang es von der Motorhaube. Ingrid war beruhigt. Sie hatte befürchtet, sie hätte einen Hund überfahren.

"Sagen Sie mal, wissen Sie, wo ich die Familie Schuster finden kann?", rief sie aus dem Fenster.

"Fußball is unser Leben, denn König Fußball regiert die Welt. Wir kämpfen und geben alles, bis das ein

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