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Mein Mann, der Rentner, und dieses Internet Das geheime Tagebuch einer Ehefrau von Schmidt, Rosa (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.09.2018
  • Verlag: Penguin Verlag
eBook (ePUB)
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Mein Mann, der Rentner, und dieses Internet

Der Ruhestand könnte so friedlich verlaufen für das Ehepaar Schmidt, würden sie von ihrer Tochter Julia nicht einen dieser neuen flachen Computer geschenkt bekommen. Während Rosa dem "Tablett" zunächst skeptisch gegenübersteht, ist ihr Günther sofort Feuer und Flamme. Der umtriebige Rentner erobert das Netz - und ehe Rosa sichs versieht, vertraut er Dr. Google mehr als seiner Ehefrau und schmeißt eine Party, die dank Facebook völlig aus dem Ruder läuft. Nun packt Rosa aus. In ihrem Tagebuch erzählt sie vom Leben mit einem Rentner, der zu viel Zeit hat - und jetzt auch noch WLAN!

Rosa Schmidt gibt es wirklich, auch wenn sie anders heißt. Sie ist seit 42 Jahren mit Günther Schmidt verheiratet und lebt in einer Kleinstadt.
Aufgezeichnet wurde Rosas geheimes Tagebuch von Anne Hansen. Die Journalistin und Schriftstellerin absolvierte die Kölner Journalistenschule und studierte Politik und VWL in Köln und Potsdam. Heute lebt sie in Berlin und schreibt unter anderem für stern, DIE ZEIT, Brigitte Woman und die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Sie hat bereits mehrere Romane veröffentlicht und landete 2014 mit dem Buch Mein Mann, der Rentner einen Spiegel-Bestseller.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 10.09.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641226596
    Verlag: Penguin Verlag
    Serie: Penguin Taschenbuch .10239
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Mein Mann, der Rentner, und dieses Internet

Sonntag, 1. Januar

Himmel, bin ich gerädert. Dabei wurde es gestern doch gar nicht so spät. Wir können auch nichts mehr ab. Wie spät ist es? 15 Uhr? Ach so, das geht ja, ich mach die Augen noch mal zu. Hach, tut das gut.

Eine Sekunde später

15 Uhr???

Montag, 2. Januar

Der Morgen nach dem Morgen danach. Das neue Jahr beginnt so schleppend, wie das alte aufgehört hat. Das Problem ist: Bis Oktober waren Günther und ich im permanenten Freizeitstress. Nachdem er vor zwei Jahren in Rente gegangen ist, haben wir die ersten zwölf Monate noch etwas mit dem neuen Status gefremdelt. Nun, das ist vielleicht etwas untertrieben. (Es war zugegebenermaßen ein Schock für uns alle.) Danach aber war der Knoten geplatzt, und wir verfielen in einen gewissen Aktionismus. Kochkurs "Mediterrane Küche" an der VHS , Discofox-Kurs, Golf-Schnupperkurs, Wochenende in Paris. Kurz: Wir waren eines dieser Rentnerpärchen, die auf dem Fahrrad den Nachbarn "Immer auf Achse" zuriefen und die sogar - jaja, ich geb's zu - Postkarten mit dem Aufdruck "Viele Grüße aus dem Un-Ruhestand" verschickt haben.

Schon im Oktober aber trudelte unser Programm langsam aus.

Im November kam es endgültig zum Erliegen.

Inzwischen habe ich den dummen Verdacht, dass wir unsere Vorhaben hätten einteilen müssen. Ich meine, ich ärgere mich doch auch immer, wenn wir die Crossies während des Tatorts schon aufgegessen haben, bevor das erste Verhör stattfindet. Strecken ist das Stichwort! Bis wir achtzig werden, hätten wir schön im Zweijahrestakt irgendeinen Kurs belegen können. Aber nein, wir mussten ja alles in ein einziges Jahr quetschen.

Als ich zwischen den Jahren Ute (meine beste Freundin) getroffen habe und ihr von Günther erzählte, der mal wieder mit dem Sudoku-Block auf dem Sofa saß und Herrenschokolade futterte, seufzte sie wissend und sagte mit getragener Stimme: "Im ersten Jahr im Ruhestand findet man sich, im zweiten wird man aktiv, und im dritten kommt das große Loch."

"Ist das ein chinesisches Sprichwort?", fragte ich.

"Nein, das ist von mir", sagte Ute. "Erfahrung, meine Liebe. Erfahrung."

Irgendwann, meinte Ute, leben alle Rentner von Feiertag zu Feiertag. Oder von Renovierung zu Renovierung. "Großer Gott, du müsstest das Haus der Schröders sehen. Wie bei Schöner Wohnen ! Aber die sind auch schon acht Jahre in Rente!"

Vielleicht sind die Feiertage für Günther und mich schon einmal ein Anfang. Irgendwas wird kommen. Ist nicht schon bald Ostern? Günther könnte sich doch schon mal in die Vorbereitung stürzen und zum Beispiel diese niedlichen Holzhasen basteln, die sie mal im ARD -Buffet gezeigt haben. Könnte er nicht die ganzen Vorgärten in der Nachbarschaft damit bestücken? Sehe schon vor mir, wie Günther in wochenlanger Heimarbeit Holzhasen aussägt.

18 Uhr

Habe nachgeschaut. Ostern ist dieses Jahr spät. Mitte April. War das nicht manchmal wenigstens schon im März???

Montag, 9. Januar

Das Wetter zermürbt mich. Seit einer Woche haben wir Schneematsch. Und grauen Himmel. Durchgängig. Ich mache mir schon ernsthaft Sorgen um meinen Vitamin-D-Spiegel. Außerdem macht mich Günther in dieser Wetterlage wahnsinnig. Ich meine, einen Sommerrentner lasse ich mir gefallen - gibt es dieses Wort? Nun, es ist klar, was ich meine. Im Sommer gibt es so viel für Günther zu tun (Garten! Vorgarten! Auto putzen! Fahrradtouren!), dass es gar nicht weiter auffällt, dass er keine Fünfzigstundenwoche mehr hat. Aber ein Winterrentner? Das ist die wahre Prüfung! Alles findet drinnen statt. Genauer: in unserem Wohnzimmer. In unserer Küche. Oder in Günthers Arbeitszimmer.

Deswegen beneide ich Leute, die in den Bergen wohnen. Hach, ich stelle mir das herrlich vor. Morgens packen die Rentnermänner dort zeitig ihre Skisachen zusammen, verabreden sich mit anderen Rentnermännern am Sessellift, ve

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