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Mein Mann, der Rentner Das geheime Tagebuch einer Ehefrau von Schmidt, Rosa (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.06.2014
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Mein Mann, der Rentner

Jedes Jahr gehen Tausende Männer in Rente. In der Idealvorstellung halten sie sich dann viele Stunden auf dem Golfplatz oder bei gemütlichen Skat-Runden auf. Doch die Realität sieht - wie so oft im Leben - anders aus. Tausende Ehefrauen haben plötzlich einen Mann zu Hause - und zwar in Vollzeit! Frau Schmidt packt nun aus. Und berichtet von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, plötzlich entdeckter Eifersucht und den kleinen bis großen Katastrophen des Alltags.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 286
    Erscheinungsdatum: 13.06.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838725499
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 1455 kBytes
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Mein Mann, der Rentner

Dienstag 1. Januar

13 Uhr

Wusste, dass dieser Tag irgendwann kommen würde. Aber jetzt und heute – musste das sein? Günther ist gerade wieder raus, zur Arbeit. Himmel, ich bin fix und fertig. Beim Spülen wär mir fast ein Teller runtergefallen.

Also, was ist passiert?

Günther kam – wie jeden Tag – zum Mittag nach Hause. Seine Firma ist nur zehn Minuten mit dem Fahrrad entfernt, deswegen verbringt er seine Mittagspause immer zu Hause. Heute hatte ich Geschnetzeltes auf Reis und als Nachtisch Schokoladenpudding vorbereitet. Alles war wie immer. Bis Günther plötzlich den entscheidenden Satz sagte: "Ab Februar bin ich übrigens in Rente."

"Wie bitte?", nuschelte ich mit vollem Mund und glaubte noch hoffnungsvoll, ich hätte mich verhört.

"Ich habe schon alles geklärt. Muss nur einen kleinen Abschlag hinnehmen, wenn ich jetzt schon und nicht erst in einem Jahr aufhöre."

Günther aß zufrieden weiter.

"Und warum gerade jetzt?", stieß ich hervor. (Ich befürchte, meine Stimme hatte einen leicht panischen Klang.)

"Na ja, Ende des Monats sind wir mit der Schule am ZOB durch. Ist doch gut, wenn ich das noch zu Ende bringe und das neue Projekt dann dem Nächsten überlasse."

Beherzt nahm Günther sich noch einen Nachschlag vom Pudding.

Zehn Minuten später schwang er sich wieder aufs Fahrrad, und ich stand paralysiert in der Küche. Es ist ja nicht so, dass ich nicht gerne Zeit mit Günther verbringe. Aber in den letzten 35 Jahren – großer Gott, waren es wirklich schon so viele? – war Günthers Hoheitsgebiet nun einmal tagsüber das Büro und meins das Haus. Nicht, dass ich jedes Mal komplett durchgedreht bin, sobald er das Haus verlassen hat. Nein, ich hatte einfach nur mein eigenes Leben. Mein eigenes, selbstbestimmtes Leben.
17 Uhr

Ist Günther jetzt bald immer zu Hause? Den ganzen Tag???
24 Uhr

Kann nicht schlafen. Muss an Günther denken. Und die Zeit, die vor uns liegt. Weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Herrje, ich fühle mich schlecht. Eine gute Ehefrau, die freut sich doch, wenn ihr Mann in Rente geht, oder etwa nicht? Aber mal im Ernst: Wie stellt er sich das Ganze denn bloß vor?
Donnerstag, 3. Januar

Habe versucht, alles wie immer zu machen. Morgens war ich bei Tante Lotti im Heim, mittags hatte ich Schicht bei der Tafel, wo ich zweimal die Woche bei der Essensausgabe helfe. Nachmittags habe ich eingekauft, die Wohnung geputzt und die Wäsche gemacht. Abends brachte ich meiner Nachbarin Marlies einen Blumenstrauß zum Geburtstag vorbei. Danach noch kurz ferngesehen, und um 23 Uhr lag ich schließlich erschöpft im Bett. Es hätte ein ganz normaler Dienstag werden können, wenn mir nicht zwischendurch immer wieder die Worte "Günther" und "Rente" in den Kopf geschossen wären. Habe neulich bei Markus Lanz einen Lottogewinner gesehen, der von seinen ersten Wochen im Millionenrausch erzählte. Er habe sein ganz normales Leben weitergelebt, aber irgendwie musste er schlagartig immer wieder an die Millionen denken. "Das war kaum zu realisieren", sagte er und guckte dabei selig-verklärt in die Kamera. Mir dagegen schießt regelmäßig mein Ehemann ins Hirn, der bald hauptberuflich auf dem Sofa sitzen wird. Wenn ich daran denke, gucke ich leider nicht selig-verklärt, sondern eher angstvoll-hysterisch.
Freitag, 4. Januar

Ich gebe zu: Es ist nicht so, dass Günther aus heiterem Himmel in Rente geht. Wir hatten schon öfter über das Thema gesprochen, und natürlich ist mir durchaus bewusst, das

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