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Nachtwachen oder: Die Nachtwachen des Bonaventura. Ein satirischer Roman von Klingemann, August (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.02.2014
  • Verlag: e-artnow
eBook (ePUB)
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Nachtwachen

Dieses eBook: 'Nachtwachen' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Nachtwachen ist ein satirischer Roman, der August Klingemann zugeschrieben wird und 1804 in Penig bei Ferdinand Dienemann mit dem Zusatz 'Von Bonaventura' erschien. Er war Teil des Journals von neuen deutschen Original Romanen, in dem unter anderem auch Sophie Brentano und Christian August Vulpius publizierten. In der Forschung galt die Autorschaft des von der Kritik sehr hochgeschätzten Romans lange Zeit als ungeklärt, bis 1987 der Fund einer Handschrift in der Universitätsbibliothek von Amsterdam den Braunschweiger Dichter und Theaterdirektor August Klingemann als Verfasser bestätigte. Der Roman gliedert sich in 16 Episoden, die als 'Nachtwachen' bezeichnet werden. Unterschiedliche Textformen (Rede, Prolog, Briefwechsel, Gedicht, Essay oder Bildbeschreibung), die nicht zwingend der Handlung angehören, durchbrechen die erzählende Struktur des Textes und lassen ihn insgesamt unzusammenhängend und fragmentarisch erscheinen. Damit lehnt er sich an romantische Vorbilder wie Friedrich Schlegels Lucinde oder Clemens Brentanos Godwi an.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 127
    Erscheinungsdatum: 19.02.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026805991
    Verlag: e-artnow
    Größe: 422 kBytes
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Nachtwachen

Dritte Nachtwache

Inhaltsverzeichnis

Wir Nachtwächter und Poeten kümmern uns um das Treiben der Menschen am Tage, in der That wenig; denn es gehört zur Zeit zu den ausgemachten Wahrheiten: Die Menschen sind wenn sie handeln höchst alltäglich und man mag ihnen höchstens wenn sie träumen einiges Interesse abgewinnen.

Aus diesem Grunde erfuhr ich denn auch von dem Ausgange jener Begebenheit nur Unzusammenhängendes, das ich eben so unzusammenhängend mittheilen will.

Über den Kopf zerbrach man sich am meisten die Köpfe, war es doch kein gewöhnlicher, sondern ein wahrhaftes Teufelshaupt. Die Justiz, der es vorgelegt wurde, wies die Sache von sich, indem sie äußerte, daß die Köpfe eben nicht in ihr Fach schlügen. Es war in der That ein böser Handel und man gerieth sogar in Streit darüber, ob man gegen den Soldat criminaliter verfahren, indem er einen Todschlag begangen, oder ihn vielmehr kanonisiren müße, weil der Erschlagene der Teufel. Aus dem leztern entsprang wieder ein neues Übel; es wurde nemlich in mehreren Monaten keine Absolution mehr begehrt, weil man den Teufel jezt geradezu läugnete und sich auf den in Verwahrung genommenen Kopf berief. Die Pfaffen schrien sich von den Kanzeln heiser und behaupteten ohne weiteres, daß ein Teufel auch ohne Kopf bestehen könne, wovon sie Beweisgründe, aus ihren eigenen Mitteln, anzuführen, erböthig wären.

Aus dem Kopfe selbst konnte man in der That nicht ganz klug werden. Die Physiognomie war von Eisen; doch ein Schloß, das sich an der Seite befand, führte fast auf die Vermuthung, daß der Teufel noch ein zweites Gesicht unter dem ersten verborgen hätte, welches er vielleicht nur für besondere Festtage aufsparte. Das Schlimmste war, daß zu dem Schlosse, und also auch zu diesem zweiten Gesichte, der Schlüssel fehlte. Wer weiß was sonst für fruchtbare Bemerkungen über Teufelsphysiognomien hätten gemacht werden können, da hingegen das erste nur ein bloßes Alltagsgesicht war, das der Teufel auf jedem Holzschnitte führt.

In dieser allgemeinen Verwirrung und bei der Ungewißheit, ob man ein ächtes Teufelshaupt vor sich habe, wurde beschlossen, daß der Kopf dem Doktor Gall in Wien zugesandt würde, damit er die untrüglichen satanischen Protuberanzen an ihm aufsuchen möchte; jezt mischte sich plötzlich die Kirche ins Spiel, und erklärte daß sie bei solchen Entscheidungen als die erste und lezte Instanz anzusehen sei, sie ließ sich den Schädel ausliefern, und wie es bald darauf hieß, war er verschwunden, und mehrere der geistlichen Herren wollten in der Nachtstunde den Teufel selbst gesehen haben, wie er den ihm fehlenden Kopf wieder mit sich nahm.

Somit blieb die ganze Sache so gut, wie unaufgeklärt, um so mehr, da der einzige, der allenfalls noch einiges Licht hätte geben können, jener Pfaff nemlich, der das Anathema über den Freigeist aussprach, an einem Schlagflusse plötzlich Todes verfahren war. So sagte es wenigstens das Gerücht und die Klosterherren; denn den Leichnam selbst hatte kein Profaner gesehen, weil er, der warmen Jahrszeit wegen, schnell beigesetzt werden mußte.

Die Geschichte ging mir während meiner Nachtwache sehr im Kopfe herum, denn ich hatte bis jezt nur an einen poetischen Teufel geglaubt, keinesweges aber an den wirklichen. Was den poetischen anbetrifft, so ist es gewiß sehr schade, daß man ihn jezt so äußerst vernachlässiget, und statt eines absolut bösen Prinzips, lieber die tugendhaften Bösewichter, in Ifland-und Kotzebuescher Manier, vorzieht, in denen der Teufel vermenschlicht, und der Mensch verteu

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