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Nichts gegen Iren Psychogramm eines komischen Volkes. von Sotscheck, Ralf (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.12.2013
  • Verlag: FUEGO
eBook (ePUB)
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Nichts gegen Iren

Wie hat es dieses rothaarige, sommersprossige und ständig betrunkene Volk am Rande Europas bloß geschafft, zu einer der reichsten Nationen der Welt zu werden? Anfang der neunziger Jahre begann Irlands Wirtschaftsboom, 2008 war es damit wieder vorbei. Irland sei eine Art Schlaraffenland, schrieb die polnische Presse, und das haben mehr als 200.000 Polen geglaubt. Der Schrei des keltischen Tigers, wie das irische Wirtschaftswunder genannt wird, hat sie auf die Grüne Insel gelockt. Dort machen sie nun fünf Prozent der Bevölkerung aus und wundern sich, auf was sie sich eingelassen haben.
Der Dichter G. K. Chesterton schrieb einmal: 'Die großen Gälen von Irland sind die Menschen, die Gott verrückt gemacht hat, denn alle ihre Kriege sind fröhlich und alle ihre Lieder sind traurig.' Und Sigmund Freud hat behauptet, dass die Iren das einzige Volk seien, dem durch Psychoanalyse nicht zu helfen sei. Sie seien voller Widersprüche und immun gegen rationale Denkprozesse.
Während sich die Iren vehement und zu recht dagegen wehren, mit den Briten in einen Hut geworfen zu werden, vereinnahmen sie gerne erfolgreiche Ausländer und machen sie zu Iren wider Willen. Der bisher letzte in dieser Reihe ist der neue US-Präsident Barack Obama: Die Iren haben herausgefunden, dass sein Ur-Ur-Urgroßvater aus dem winzigen Nest Moneygall in der vergessenswerten Grafschaft Offaly stammte und haben ihn prompt adoptiert - ebenso wie 21 seiner Vorgänger.
Es ist Zeit, die Wahrheit über die Iren zu erzählen. Der Autor ist einer von ihnen. Ralf Sotscheck, ein Berliner mit irischen Pass.

Ralf Sotscheck, geboren 1954, lebt seit 1985 in Dublin und ist irischer Staatsbürger. Er arbeitet als Großbritannien- und Irland-Korres pon dent für die taz und schreibt für die Wahrheit-Seite die beliebte Montagskolumne.
Das Buch basiert auf Kolumnen, die seit 2007 in der taz erschienen sind. Sie wurden für diese Ausgabe aktualisiert und erweitert. Für Tips und Hinweise, Anregungen und Widerspruch sowie Verpflegung und Getränke danke ich Áine, Ciara, Fionn, Ruth, Klaus Bittermann, Petra Dubilski, Aribert Weis, Harry Rowohlt, Hans-Christian Oeser, Jürgen Schneider, Michael Ringel, Corinna Stegemann, Dieter Grönling, Tom Körner, Wolfgang Limmer, Astrid Harms, Matthias Matussek, Wiglaf Droste, Friedrich Küppersbusch und meinen irischen Freunden und Bekannten - sowie allen Irinnen und Iren für ihre unfreiwilligen Beiträge.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 140
    Erscheinungsdatum: 16.12.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783862870561
    Verlag: FUEGO
    Serie: Critica Diabolis Bd.164
    Größe: 1371kBytes
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Nichts gegen Iren

Ein komisches Volk

Der Ire an sich

Eine Vorbemerkung

Irland ist eine Insel und liegt westlich von Großbritannien. Soweit sind sich alle einig. Doch die Insel besteht aus dem Staat Irland und aus Nordirland, das zum Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland gehört. Wenn die Nordiren von ihrer Heimat sprechen, weiß man sofort, welcher Religion sie angehören: Unionistische Protestanten, die für den Verbleib bei Großbritannien sind, sprechen von Ulster. Das ist eine der vier irischen Provinzen, aber sie umfasst neben den sechs nordirischen Grafschaften auch drei Grafschaften, die zur Republik Irland gehören. Katholische Nordiren, die für die Wiedervereinigung beider Teile Irlands sind, nennen Nordirland deshalb "die sechs Grafschaften" oder einfach nur "The North".

"Eire" ist der irische Name für die Republik Irland, er steht auch auf den Briefmarken. "Die pro-britische Mehrheit Nordirlands verwendet aus naheliegenden Gründen den Terminus "Irland" für die Republik Irland nicht gerne", schreibt Frank McNally in seinem Xenophobe's Guide To The Irish . "Obwohl sie keine besonderen Sympathien für die irische Sprache hegen, benutzen sie oft den Namen "Eire" im Englischen. Das wird von den Menschen in der Republik Irland als Beleidigung aufgefasst, und als solche ist es von den Unionisten auch gemeint, obwohl beide Seiten große Schwierigkeiten hätten, die Gründe dafür zu erklären." Manchmal sagen die Nordiren auch einfach "The South", wenn sie die Republik Irland meinen, obwohl der nördlichste Punkt des Südens – nämlich die Grafschaft Donegal – nördlicher liegt als der nördlichste Punkt des Nordens.

Möglicherweise hat Sigmund Freud also recht mit seiner Behauptung, dass die Iren das einzige Volk seien, dem durch Psychoanalyse nicht zu helfen sei. Sie seien voller Widersprüche und immun gegen rationale Denkprozesse. Und der englische Dichter G. K. Chesterton schrieb einmal: "Die großen Gälen von Irland sind die Menschen, die Gott verrückt gemacht hat, denn alle ihre Kriege sind fröhlich und alle ihre Lieder sind traurig."

Ob jemand Ire oder Brite ist, hängt manchmal von anderen Dingen als dem Geburtsort ab. Als die Schauspielerin Brenda Fricker mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, war über Nacht vergessen und vergeben, dass sie Irin ist. Sie wurde von den britischen Medien als Britin vereinnahmt. "Wenn du sturzbesoffen auf einem Flughafen herumlümmelst, bist du Ire", stellte sie fest. "Gewinnst du aber einen Oscar, bist du Brite." Und Seamus Heaney fand sich, nachdem er den Literatur-Nobelpreis gewonnen hatte, plötzlich in einer Anthologie britischer Dichtung wieder. Er schrieb prompt ein Protestgedicht.

Noch unverfrorener funktioniert das im Sport. Der englische Sportkommentator Harry Carpenter machte sich über den irischen Golfspieler Christy O'Connor lustig, der nach der ersten Runde bei den britischen Open auf dem vorletzten Platz lag. Nach einer sensationellen letzten Runde war der flugs naturalisierte "britische Golfer O'Connor" plötzlich vorne. Und als die englische Fußball-Nationalmannschaft bei den Europameisterschaften 1988 in Deutschland gegen das irische Team ausschied, wurden die Iren umgehend zur "englischen B-Mannschaft" erklärt.

Andererseits neigt auch der Ire dazu, berühmte Ausländer für sich zu vereinnahmen – zum Beispiel Regierungschefs. Charles de Gaulle war eigentlich Ire, denn er hatte eine irische Urgroßmutter, und die Hälfte aller US-Präsidenten hat ebenfa

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