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Oben ist auch nur unten, aber halt von oben von Liegl, Alexander (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.06.2014
  • Verlag: hey! publishing
eBook (ePUB)
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Oben ist auch nur unten, aber halt von oben

Ist das ein Roman? Keine Ahnung. Ein Ratgeber ist es zum Glück nicht. In kleinen und größeren Katastrophen wird komisch, böse oder verzweifelt fröhlich die Lebensunfähigkeit des Max Lentner ausgebreitet. Wenn er jungen Frauen imponieren will, Arbeitsplätze belegen oder nur Straßenbahn fahren - immer wieder stößt Max wuchtig an seine Grenzen. Oder die Grenzen an ihn. Und das tut erst recht weh. Nicht weil er rebellisch sein will, sondern weil er einfach nicht anders kann. Und wenn sich ein Fettnapf bietet, dann wird der auch noch mitgenommen. An diesem Scheitern würde er nun persönlich gern und in aller Ruhe verzweifeln, aber da gibt es ja noch Karl und Melanie. Karl ist den Anforderungen des Lebens mindestens so wenig gewachsen wie unser Erzähler. Doch verhält er sich grundlegend anders: Seine Unfähigkeit ist ihm einfach egal. Mehr noch: Er hat die Fähigkeit, seine Unfähigkeit als Unfähigkeit Anderer aussehen zu lassen und damit sehr gut zu leben. Seit seiner frühesten Jugend setzt Karl auf Mitleid: Er wickelt alles um den Finger, was wickelbar ist. Wie Donald Duck und Gustav Gans begegnen sich die beiden unweigerlich immer wieder. Und genau wie in Entenhausen ist Karl erfolgreich und Max nicht. Gar nicht. Melanie ist der wunderschöne Rest des Dreiecks. Sie treibt Max immer wieder zu Höchstleistungen. Die bringen nichts, sind aber sehr spektakulär. Und nach vielen Jahren gerät Max wieder an Karl. Zum letzten Mal. Einer der beiden könnte diese Begegnung nicht überleben. Am 21. Februar 1964 in Kirchseeon geboren, ging er dort zur Schule und machte am Gymnasium Grafing sein Abitur. Er studierte Theaterwissenschaft an der Universität München. Lebt und arbeitet seit rund 20 Jahren in München. Schon früh zog es ihn zum Film und zur Bühne. Seine Karriere als Kabarettist startete er 1989 im als Mitglied der Gruppo di Valtorta. Unter seiner künstlerischen Leitung gewann das Ensemble mehrere bedeutende Auszeichnungen, darunter das Passauer ScharfrichterBeil (1990), den Salzburger Stier (1993) und den Deutschen Kleinkunstpreis (1995). Liegl wirkte hierbei auch als Autor des Ensembles.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 17.06.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783942822503
    Verlag: hey! publishing
    Größe: 436 kBytes
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Oben ist auch nur unten, aber halt von oben

Und diese Biene, die ich meine

Oder warum Namen, vor allem die eigenen Namen, ein Leben ganz woanders hinlenken können, manchmal sogar nach Hildesheim, und was eine Fahrerlaubnis Klasse drei damit zu tun hat

Karl hieß eigentlich gar nicht Karl. Seine Eltern hatten ihn Karel taufen lassen. Dieses kleine E fiel damals auf, denn noch waren Namen selten Ausdruck eines Konzepts, noch war ein Kind keine elterliche Marotte, die aggressiv individuell benannt werden musste. Karls Eltern waren ihrer Zeit jedoch voraus. Und sie waren große Karel-Gott-Fans.

Gotts Konzerte waren für die beiden Pflicht. Gott war ihre Religion, könnte man sagen. Sie hatten natürlich alle Platten, viele Autogramme, und waren ihm überallhin hinterhergereist. Texte waren für sie kein Problem, sogar Tschechischkurse hatten die Eltern belegt, um ihr Idol bei der nächsten Autogrammstunde zu beeindrucken. Ihr Sohn musste einfach so heißen.

Karl wuchs also mit der goldenen Stimme von Prag auf und die Lieder des elterlichen Heilsbringers sang er immerzu vor sich hin. Er ahmte ganz von selbst die Färbung Karel Gotts nach und hatte auch beim Sprechen einen böhmischen Akzent.

Es lag eigentlich an den Lehrern der Grundschule, dass er sein E verlor, denn die konnten sich in jenen Tagen nur einfache Namen merken. Nur einmal soll der Vater zum Rektor Einbrunner gegangen sein, die vollständige Namensnennung seines Sohnes verlangt und dem verblüfften Schulleiter fünf Langspielplatten des Prager Stars überreicht haben. Einbrunner, der 1942 vor el Alamein gelegen hatte, aber seine Kriegsgeschichten an jenem Tag noch gar niemandem erzählen hatte können und deshalb wieder Sodbrennen hatte, blickte Karls Vater lange nach, warf die Platten in den Abfalleimer und nannte Karl nie wieder beim Namen. Aber das E war weg. Karl war Karl.

In der Pubertät, die bei mir sehr langsam, bei Karl aber schlagartig einsetzte, mussten die Eltern alles aufgeben, was sie in ihren Sohn gesetzt hatten. Denn es kam, wie es kommen musste: Gerade am Samstag hatte Karl dem lieben Onkel Hansherbert noch ein "Gottpourri" vorgesungen - so nannten das seine Eltern und lachten über ihren Wortwitz - und am Montagmorgen begann er plötzlich, Karel Gott zu hassen. Wahrscheinlich in dem Moment, als der erste Milliliter pubertären Testosterons ausgeschüttet wurde. Noch vor dem eigenen Stimmbruch brach er mit der goldenen Stimme.

Es war ein radikaler Bruch. Wenn er nur einen Ton Gott hörte, und den hörte man oft im elterlichen Haus, dann begann er zu weinen. Wieder war es dieses Weinen, jetzt gemischt mit einer unheimlichen Wut. Eine Abscheu vor allem, was mit diesem Sänger zu tun hatte.

Und das blieb auch so. Quer durch Karls Pubertät. Karl genoss seine Wut und sein Leiden unter dem Namensgeber. Mehr noch: So oft es ging, erzählte er von Prag, der Moldau, den Konzerten und was er Schreckliches mit dem Sänger, dem Publikum, ja mit der ganzen damals noch existierenden Tschechoslowakei machen würde. In seinen fröhlichen Ausführungen wimmelte es von Sprengstoff, Präzisionsgewehren und Splitterbomben. Er rührte keine Knödel mehr an und warf grundsätzlich den Honig vom Frühstückstisch, denn der war von Biene Maya. Selbstverständlich meinte er damit in Wirklichkeit seine Eltern. Aber erspürte auch deutlich, dass gerade seine spektakulären Ausbrüche ihnen zwar äußerlich Sorgenfalten ins Gesicht trieben, er sich aber ihrer ungeheuren Anerkennung sicher sein konnte. Jene Anerkennung, die ihm von allen Seiten zuflog und die ihn nie wieder verlassen sollte.

Karl war fast fünfzehn, als eine Meldung ganz Niedermeitting aufschreckte: Karel Gott war auf e

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