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Straße & Weg von Manns, Juri (eBook)

  • Verlag: neobooks Self-Publishing
eBook (ePUB)
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Straße & Weg

Die Straße ist hart, der Weg weit und rational verstehen kann man das eine ebenso wenig, wie das andere. Glücklicherweise gibt es als Alternative zum rationalen Verstehen das Fühlen, das Begreifen auf einer persönlichen, sehr unmittelbaren Ebene. Der Tanz vom Menschen mit seinen Geistern wird in sechzehn Kurzgeschichten in der rasanten Geschwindigkeit der Postmoderne aufgeführt. Seien es sanftmütige Verrückte in der Berliner U-bahn, seien es eine böse Vogelscheuche und ein Psychopath auf einer Farm in den Südstaaten der USA oder zwei Riesen, die der Apokalypse entgegensehen, da sind immer Fragen und Gefühle, die die Welt auffressen. Das Kunststück des Buches besteht darin, diese Gefühle und Fragen durch den Subtext zu übertragen, während die Erzählung eine ganz eigene Kraft und Spannung entwickelt. Sprache und Ton sind dabei ehrlich und gerade diese Authentizität entblößt gesellschaftliche und menschliche Absurditäten und lädt zum Lachen ein. Juri Manns hat sich nach eigenen Angaben von den Werken moderner Autoren wie Charles Bukowski, Hunter S. Thompson und Christian Kracht, aber ebenso von klassischen Schriftstellern wie den Mann Brüdern, Döblin und Dostojewski beeinflussen lassen. In seinen Texten möchte er die Beobachtung von Menschen und Lebenswegen in Deutschland in authentischer Sprache verarbeiten und die Kunst aufzeigen, die jeder Mensch, sei er von anderen noch so gering geschätzt, durch sein Sein schafft.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 182
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783742775375
    Verlag: neobooks Self-Publishing
    Größe: 789 kBytes
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Straße & Weg

Dionysos Tanz

Der Bass dröhnte. Aus den Boxen drang in ohrenbetäubender Lautstärke Elektromukke. Es war, als gäbe es nur die Musik, alles andere, die sich im Takt bewegenden Gestalten, der spärlich beleuchtete Partybunker, er selbst, fühlte sich völlig irreal an. Wie ein Hammer gingen die Akkorde nieder, wie ein Befehl. Rastet aus, lasst alles raus, tanzt, Menschen, tanzt, das ist eure wahre Bestimmung! Der Befehl wurde ausgeführt. Es war reine Ekstase und Jerome musste lächeln. Er wusste es, im Alter von 21 Jahren wusste er es und alle um ihn herum ebenfalls. Das war sie wirklich. Thesen und Formeln waren nicht nötig, das Gefühl schrie es. Das war die Erfüllung. Die Spitze des Individualismus, die sich in der Menge zu einem Gebirgsmassiv, zu einem aufgewühlten Meer gemeinschaftlichen Strebens vervollkommnete. Liebe und Egoismus gingen ein Bündnis ein und die Impulse, die sie an Arme, Beine, Oberkörper und Kopf sendeten, waren natürlicher und kraftvoller als jeder angeborene Reflex, jeder Instinkt des Körpers.

Der Rausch dauerte an. Man war erst spät in der Nacht gekommen und würde erst spät am Morgen wieder gehen. In Berlin gab es keine Sperrstunde, dahinter steckte irgendeine alte Ost-West-Geschichte, aber wen kümmerte das heute noch. Seine Generation war über die Kleinlichkeiten immer gleicher Politik, immer gleicher alter Säcke erhaben.

Irgendwann war es vorbei und sie standen alle draußen.

" Das war der Hammer, oder?" Jerome strahlte über beide Backen. Seine Pupillen waren riesig.

" ICH KANN NICHTS HÖREN!", schrie Mareike laut lachend.

" Wo sind meine Beine, die sind mir irgendwie weggelaufen!" Lars hielt sich an Xerxes' Hals fest, sodass dieser mit ihm zu Boden gezogen wurde.

" Lars, Alter, mit dir geh ich nie wieder in den Club." Xerxes versuchte sich aus dem Würgegriff zu befreien.

" Ohh, lass mal nächstes Wochenende noch mal gehen!" Der Vorschlag kam von Nathalie.

" Auf jeden!" Jerome schlug mit Nathalie ein. "Aber vorher", er schwenkte seinen Arm, um auf einen hell erleuchteten Laden zu deuten, "Späätii! Was meint ihr? Kleiner Absacker?"

Der Vorschlag erntete von Xerxes und Nathalie Zustimmung, während Mareike und Lars in ein Gespräch vertieft schienen.

" Ey, ihr beiden. Kommt mal mit zum Späti jetzt. Absacker trinken!"

Sie zogen allesamt über die Straße, ein bisschen wie Soldaten oder Revolutionäre, und Jerome, man konnte es nicht anders sagen, fühlte sich einfach gut. Nur dass Lars und Mareike sich so intensiv unterhielten, gefiel ihm nicht. Er war ein bisschen in Mareike verknallt und fürchtete, dass es sich bei Lars genauso verhielt. Deshalb ließ er die Gesprächspartner nicht aus den Augen.

Es sollte sich zeigen, dass seine eifersüchtige Wachsamkeit nicht fehl am Platz gewesen war. Nur einen Moment hatte Jerome sie beim Betreten des Ladens und der Auswahl seiner zwei Wegbiere aus den Augen gelassen, da waren sie auch schon zusammen verschwunden.

" Scheiße, wo sind Lars und Mareike hin?"

" Die sind schon gegangen." Xerxes legte ihm eine Hand auf die Schulter. Er schien etwas zu ahnen. Gekränkt wandte Jerome sich ab. Die drei verbliebenen Nachtschwärmer tranken das Bier auf der Straße aus. Im Morgenlicht wirkten ihre Gesichter bleich und verbraucht. Der Zauber vom Schwarzlicht und dem abenteuerlichen Beginn und Fortschreiten der Nacht war verflogen. Die Realität sah kümmerlich aus. In der trockenen Kälte wurden Jeromes Hände rau. Nathalie hatte rote Flecken auf den Wangen und auf Xerxes' Stirn prangte eine tiefe Falte, die, Jerome konnte es schwören, gestern Abend noch nicht da gewesen war.

Sie verabschiedeten sich von Nathalie und gingen zu Xerxes nach Hause. Er wohnte in der Nähe und Jerome hatte keine Lust auf einen einsamen Heimweg. Das U-Bahn-Fahren, das er normalerweise so liebt

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