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Tacho-Man 1 Mann, 1 Porsche, 1 Krise und 33 x Tanken von Eisert, Christian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.12.2015
  • Verlag: Blanvalet
eBook (ePUB)
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Tacho-Man

Wenn einer einen Porsche kauft, dann wird er was erleben ... Schon lange vor seiner Midlife-Crisis erfüllt sich Christian Eisert den Traum vom eigenen Porsche. Plötzlich passieren wundersame Dinge: Männer solidarisieren sich mit ihm und dem Porsche oder nicht. Frauen wollen mit ihm schlafen. Oder nicht. Er lernt, wo man im Porsche die Schmutzwäsche unterbringt, wie man mit einem Porsche Zug fährt und worauf Porschebesitzer beim Grillen auf dem Zeltplatz achten sollten. Nach zwei Reisen durch Deutschland, 12000 Kilometern Fahrt, 33 Mal Tanken und einer Leistenzerrung vom Ein- und Aussteigen weiß Christian Eisert, wofür es sich zu leben lohnt - als Mann und als Mensch. Christian Eisert, geboren 1976 in Berlin, ist TV-Autor, Satiriker und Comedy-Coach. Er schreibt Gags und Drehbücher u. a. für die Fernsehshows "Alfons und Gäste" und "Grünwald Freitagscomedy", sowie für "Löwenzahn" und "Shopping Queen". Seine Bücher über Nordkorea und die Schweiz wurden Bestseller und mehrfach übersetzt. Christian Eisert lebt in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 21.12.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641171599
    Verlag: Blanvalet
    Größe: 5242 kBytes
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Tacho-Man

1. TANK

Berlin - Bamberg

402 km, 2,5 l/ 100 km (umgerechneter Energieverbrauch

des ICE )

Aufgeregt warte ich am frühen Morgen an Gleis 11 im Untergeschoss des Berliner Hauptbahnhofs auf meinen Zug. Aus meiner Umhängetasche ragen zwei Nummernschilder.

Trotz seiner beeindruckenden Höhe und der Vielzahl hell erleuchteter Bahnsteige strahlt das Untergeschoss etwas Unheimliches aus. An beiden Enden klaffen - riesigen Mäulern gleich - die dunklen Öffnungen der vier Tunnelröhren. In wenigen Minuten werde ich erst im Bauch einer weißen ICE -Schlange verschwinden, dann in einem der schwarzen Schlünde.

Vor mir liegt ein neuer Lebensabschnitt.

"Entschuldigung, würden Sie mir einen Gefallen tun? Das wäre mir fünf Euro wert!"

Sehe ich etwa bedürftig aus? Oder gutmütig?

Andererseits bedeuten fünf Euro 3,5 Liter Super Plus, also etwa 30 Kilometer Stadtfahrt. Soll ich da Nein sagen?

Der Mann, der mich auf dem Bahnsteig angesprochen hat, ist in meinem Alter. Er sieht harmlos aus.

In diesen Zeiten des Terrors wird man dennoch vorsichtig. Wenn es um ein Päckchen geht oder einen Koffer, den ich mitnehmen oder übergeben sollte, dann werde ich mich nicht darauf einlassen.

Zögernd antworte ich deshalb: " Mein Zug kommt gleich."

"Es geht ganz schnell", kontert er.

Jaja, so was sagt man auch zu Selbstmordattentätern. Geht ganz schnell.

"Ich heiße Thomas und möchte eine Freundin überraschen", gibt der Terrorist ein wenig mehr preis, im Wissen, damit meine Neugier zu wecken.

Mir erscheint es unwahrscheinlich, dass er ausgerechnet mit meiner Hilfe seine Freundin sprengen will. Er ist etwa eins fünfundsiebzig groß, hat braune Haare, ist nicht dick, nicht dünn, ohne auffällige Merkmale. Spätestens die Polizei wird mich für diese Täterbeschreibung in die Luft jagen. Vielleicht sollte ich einfach schnell weglaufen.

"Worum geht es denn?", erkundige ich mich stattdessen bei dem mit einem Fünf-Euro-Schein winkenden Attentäter.

Ich nehme eine weniger abwehrende Haltung ein. Er schildert seine Bitte. Was fällt mir ein Stein vom Herzen. Es geht um etwas ganz Harmloses. Nichts, vor dem man sich fürchten muss oder was gar peinlich sein könnte. Ich soll nur seine Freundin, die ein paar Meter von uns entfernt auf einer Bank sitzt, zu ihm führen. Die Parole lautet: Hallo, Prachtstück.

Er zieht sich zurück, und ich gehe todesmutig auf die Bank zu. Kein langer Weg bis dahin, aber lang genug, um darüber nachzudenken, an was für einem Spiel ich teilnehme. Helfe ich bei einem Blind Date? Peppe ich das Paarungsverhalten eines passiv gewordenen Pärchens auf? Was, wenn der Mann ein Perverser ist, der in einen Hinterhalt gelockt wurde, in den ich nun tappe?

Da sitzt sie. Anfang zwanzig, dunkelblondes langes Haar. In einer grünen Studentenkutte. Die Augen hält sie geschlossen. In gespannter Erwartung: der Parole "Prachtstück".

Links neben ihr sitzt eine ältere Dame, rechts ein etwa zwölfjähriger Junge.

Ich murmle: "Hallo ..."

Die ältere Dame schaut auf, der Junge drangsaliert seinen Gameboy, nur sie rührt sich nicht. Ich blende alle Jungen und Damen aus.

"Hallo, Prachtstück ..."

Ein Ruck geht durch ihren Körper, sie hebt den Kopf, die Augen weiter geschlossen. Die ältere Dame dagegen reißt die Augen weit auf, der Junge arbeitet sich ungerührt ins nächste Level vor.

Ich konzentriere mich auf meinen Auftrag.

"Ich soll dich zu Thomas begleiten."

Die junge Frau lächelt, erhebt sich. Jetzt muss ich ihr eine Richtung vorgeben. Ich traue mich nicht, sie anzufassen.

"Wir müssen einen Meter geradeaus und dann nach links."

Ohne die Augen zu öffnen, folgt sie meinen Anweisungen. Setzt vorsichtig ein Bein vors andere. Dank meiner umsichtigen Führung kommen wir gut voran.

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