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Warum ich Angst vor Frauen habe von Vérollet, Mischa-Sarim (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.12.2010
  • Verlag: Carlsen
eBook (ePUB)
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Warum ich Angst vor Frauen habe

Musikalische Früherziehung, die ersten Milchzähne, Paparazzi-Eltern, die Wahrheit über Wrestling, Phobien, Schillers Lied der Glocke, dieses bizarre Phänomen namens Mädchen sowie die erste, zweite und dritte große Liebe. Mit rabenschwarzem Humor und seiner schrägen Sicht auf die Dinge verbindet Mischa-Sarim Vérollet seine skurrilen Geschichten zu einem ebenso witzigen wie sentimentalen Coming-Of-Age-Roman. Das Buch enthält eine CD mit 4-5 Bonus-Texten, live gelesen von Mischa Vérollet. Im Herbst/Winter 2010 absolviert der Autor eine große Lese- und Bühnentour. Mischa Vérollets erstes Carlsen-Buch 'Das Leben ist keine Waldorfschule' war ein großer Erfolg. Auf der Buchmesse 2009 gewann es den Preis 'Kuriosester Buchtitel des Jahres'. Im September 2010 erscheint es gleichzeitig als Ullstein-TB und als Hörbuch (Hörbuch Hamburg - Downtown).

Mischa-Sarim Vérollet wurde 1981 auf Gibraltar geboren, wuchs in Bielefeld auf, versuchte sich an Berlin und lebt mit Frau, Hund und Katze in Wien. Der Österreicher nennt den Stuhl Sessel, das gefällt ihm. Der anglodeutsche Autor und Lesekabarettist ist einer der bekanntesten Poetry Slammer Deutschlands und Mitglied der berühmt-berüchtigten Lesebühne LMBN. Er hat noch keine Literaturpreise gewonnen; führende Verschwörungstheoretiker ermitteln bereits in seinem Auftrag. Mischa schreibt am liebsten im Café und freut sich, dass Bücher keine Lachspur haben, seine Geschichten soll sich jeder selbst schön trinken. Seine Werke tragen Titel wie "Das Leben ist keine Waldorfschule" oder "Warum ich Angst vor Frauen habe" – die Gründe gehen nur seinem Psychotherapeuten etwas an. Die Stelle ist derzeit vakant. Initiativbewerbungen sind möglich auf www.mischa.tv

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 03.12.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783646921366
    Verlag: Carlsen
    Größe: 1554 kBytes
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Warum ich Angst vor Frauen habe

Am Ende eines langen Sommertages, den ich, ausgestattet mit dem Tatendrang eines frisch diplomierten Naturforschers, an der frischen Luft verbracht hatte, griff meine Mutter beim Zusammenlegen meiner wahllos auf dem Kinderzimmerboden verstreuten Kleidungsstücke nichts Böses ahnend in meine linke Hosentasche und förderte eine gallertartige Masse zutage, die sich nach einem umgehend einberufenen Verhör als Schneckenkolonie herausstellte, welche ich zwecks noch durchzuführender wissenschaftlicher Untersuchungen in meiner Hosentasche zwischengelagert und dann dort vergessen hatte. So konnte ich meiner Mutter ihre in der ersten Schrecksekunde gehegte Befürchtung nehmen, es handle sich bei den Götterspeise gewordenen Schnecken-Torsen und den Splittern ihrer Häuser um Hirnmasse und Schädelteile eines Kleinkinds. Mit einem Seufzer und Sagrotan schrubbte sie meine Hose und dachte wehmütig an pränatale Zeiten zurück. Allerdings hätte sie vorgewarnt sein müssen: Am selben Ort hatte sie in unregelmäßigen Abständen bereits Vanilleeis, Milchzähne (nicht eigene) und einen toten Vogel gefunden.

Das Kind ist ein Wunder der Natur. In den ersten Lebensjahren wird es herumgereicht, fallengelassen, wieder aufgehoben und weitergegeben. Später, wenn es laufen kann, verliert man es leichten Herzens aus den Augen, da es dank des Gebrülls im Falle von Stürzen wunderbar zu orten ist. Da kann man vorher noch gemütlich den Kaffee austrinken, ohne sich vom ständigen Hinterherdrehen eine Nackenstarre zu holen. Dann entdeckt es plötzlich seine motorischen Fähigkeiten, beginnt auf Bäume zu klettern, herunterzufallen, Dreck zu essen und herunterzuschlucken, Scharfes, Brennendes, Ätzendes, kurz: gefährliche Fundsachen aller Art zu analysieren und zu katalogisieren, und das am liebsten im Magen-Darm-Trakt. Und so verleibt es sich dann sogar wirbellose Tiere ein. Denn das war natürlich mein Plan für die Schnecken gewesen. Ohne eine Geschmacksprobe war damals keine wissenschaftliche Untersuchung ernstzunehmen. Und trotz dieses aus erwachsener Sicht wie eine systematische Selbstverstümmelung wirkenden Verhaltens kam man in meiner Generation ohne nennenswerte Vergiftungen, Knochenbrüche und überhaupt Unfälle aller Art ins schulpflichtige Alter.

Und dort, in der Schule, ging es dann ja auch erst richtig los. Das System Schule an sich ist ein Wirt für Abscheuliches aller Art, der Seuchenherd schlechthin. Wäre ich das Robert-Koch-Institut, das deutsche Schulsystem stünde auf meiner schwarzen Liste ganz oben. Krankheiten sind das Einzige, was sich an Schulen noch schneller verbreitet als Musik-Sampler der NPD. Kein Wunder, dass Erziehungsberechtigte kaum abwarten können, die ihnen anvertraute Brut mit Serum vollzustopfen, als sei der Impfpass ein Starbucks -Bonusheftchen.

Dabei nahm man in meiner Generation als Kind ja noch dankbar jede Mainstream-Krankheit mit, die im Preis enthalten war. Und ich war an vorderster Front. Es war ein Wunder, dass mein Körper nicht pauschal implodierte. Meine englischen, französischen und deutschen Vorfahren, also die drei Komponenten des Blutes, das durch meine Adern fließt, haben sich jahrhundertelang bis aufs Messer bekämpft und werden heute eigentlich nur durch wirtschaftliche Interessen daran gehindert, sich weiterhin zu zerfleischen. Wie sollte ich denn da ernsthaft erwarten, zu funktionieren? Mein Immunsystem war permanent in einem bürgerkriegsähnlichen Zustand, und ich ein wandelndes Weltkriegsdenkmal. Meine Abwehrkräfte waren so sehr damit beschäftigt, sich selbst den Garaus zu machen, dass es keine Kinderkrankheit gab, die ich ausgelassen hätte. Masern, Windpocken, Röteln, Scharlach, Keuchhusten, selbst eine Vorhautverengung, was auch immer, Hauptsache Vollgas und vorzeigbar. Wer solch eine Krankheit und die entsprechenden Symptome - vor allem die Symptome, egal, ob Ausschlag oder Auswurf - vorzuweisen hatte, war ein T

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