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Worte über Orte Die Reisen des FiL von Fil (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.09.2020
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Worte über Orte

Er ist Urberliner, Ex-Punk, Liedermacher, Comic-Zeichner und Bühnenheld: FiL begeistert seit Jahren auf vielen Ebenen - als Erfinder von Sharky, der Haifischpuppe und dem Duo 'Didi & Stulle' (bekannt aus der Zitty) und als Impro-Komiker von wahnsinnig lustigen Bühnenshows, mit denen er erfolgreich durch die Republik tourt, zuletzt mit den Programmen 'Triumph des Chillens' und 'The Fil on the Hill'. In seinem neuen Buch gewährt der Chaos-Comedian einen Einblick in seine Erlebnisse on the road und schildert in ironisch-bissigen Einträgen sein Leben zwischen Aachen und Berlin, zwischen Flensburg und Rosenheim: irgendwie schräg, aber auch schreiend komisch.

Er ist Urberliner, im Märkischen Viertel aufgewachsen, Ex-Punk, und seine Bühnenshow mit SHARKEY, dem Handpuppen-Hai aus Plüsch, ist eine Offenbarung. Bereits mit zehn Jahren gewann FiL den Schreibwettbewerb der Berliner Morgenpost, 1980, mit vierzehn veröffentlichte er seine ersten Comics im Berliner Stadtmagazin Zitty, das seitdem in zweiwöchigem Rhythmus die Abenteuer seiner Helden Didi & Stulle präsentierte. Nach einer abgebrochenen Ausbildung zum Kunstmaler konzentrierte er sich hauptsächlich auf seine Arbeit als Zeichner, ist seit 1992 allerdings mindestens genauso erfolgreich als Bühnen-Entertainer und Sänger tätig. Auch die Bühnenkarriere hatte sich schon früher abgezeichnet, als er - ebenfalls bereits mit vierzehn - als Frontman der Punkband "Kollektiv Antiserum" fungierte. Ständiger Begleiter seiner Bühnenshows ist der Handpuppenhai Sharkey. Dem erfolgreichen One-Pager bei Zitty folgte ein umfangreiches Oeuvre weiterer Comic-Werke wie der Reihe Always Ultra und den kleinformatigen Geschichten Teufel und Pistolen, der Kultheftreihe von Berlin Comix. Im Verlag Reprodukt sowie im Zitty Verlag sind bislang zehn vierfarbige Sammelbände von "Didi & Stulle" erschienen. Seit 2009 gibt es eine DVD von FiL: "Die FiL & Sharkey Show", einen Mitschnitt der gleichnamigen Show aus dem Kölner Wohnzimmertheater. Im Oktober 2013 veröffentlicht Fil seinen neustes Werk "Mädchenworld". Im Oktober 2014 erschien sein esrter autobiographischer Roman "Pullern im Stehen" (rororo) und 2016 sein zweiter Roman "Mitarbeiter des Monats" (Rowohlt Hundert Augen). Seine aktuelle Bühnenshow heißt 'The FiL on the Hill'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 28.09.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843722957
    Verlag: Ullstein
    Serie: Ullstein Taschenbuch 06257
    Größe: 7216 kBytes
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Worte über Orte

Worte über Fulda

Friends! Ich spiel auch in Fulda. Hab ich letztes Jahr schon mal gemacht, und es war eine zweistellige Zahl von Leuten da. Und jetzt komm ich schon wieder zu euch. Vielleicht heißt es ja bald Filda? Hihi, neinnein, das machen die bestimmt nicht, so ne Namensänderung, bloß weil einer mal da auftritt. Das kann ich mir nicht vorstellen.

Da muss man ja auch die ganzen mittelalterlichen Stadtchroniken umschreiben und das neu bei Google Earth eingeben, das ist doch n Riesenaufriss, das machen sie bestimmt nicht.

Am nächsten Tag

Ich hab mir jetzt überlegt: Es ist mir EGAL, ob sie es in Filda umbenennen. Ich hab da eh keinen Einfluss drauf, also warum soll ich mich verrückt machen? Nö. Mach ich nicht. Ich hab meine Gesundheit und mein Talent, das weiß ich, dass ich die hab und das ist mir wichtiger.

Zwei Tage später

Heute ist dieser Tag: Fulda, Alta. Filda werden sie es ja SOWIESO nicht nennen, ich will da auch gar nicht mehr drüber nachdenken, das macht mich nur traurig. Klar wärs nur ein zu tauschender Buchstabe und klar würds mich freun, aber es gibt auch wichtigere Sachen.

Ich find zum Beispiel wichtiger, dass meine Freunde, dass die zu mir stehn. Und - hey! - ich bin gesund.

Aber ich bin nicht sauer, gar nicht. Vielleicht ... ernüchtert. Ernüchtert ist, glaub ich, das richtige Wort. Manchmal sieht man kurz die Welt, so wie sie wirklich ist, und das ist kein schöner Anblick. Aber is egal, komm, lasst uns nicht mehr drüber reden.

Ist doch egal, gibt so viel wichtigere Sachen. Pff.

Nur weil manche mich trösten wollen und meinen, es gibt ja noch Filderstadt: Ich finde da haben sie es eben nicht so toll gemacht. Lieb gemeint, aber herausgekommen ist ein grammatikalisch bedenkliches Wortungetüm des Jahres. Filda wär halt kurz, sexy und direkt, Attribute, die ich und Leute, die mich kennen, auch mit mir verbinde/n. Aber soll anscheinend nicht sein.

Ich weiß ja nicht mal, obs da jetzt n Kommitee für gibt oder wie das behördlich vor sich gehn müsste und was für Schwierigkeiten es da rechtlich gebe. Wär halt schön, wenn wir Deutschen mal n bisschen spontaner wärn bei den Städtebenennungen. Aber wir sind halt doch unterm Strich eher deutsch. Schade. Jammerschade. Aber so isses eben, hat kein Sinn zu lamentiern.

Sorry, aber die Welt stinkt. Schön, dass wir wenigstens alle in einem Boot sitzen. In dem Boot der Ungebrauchten und Verhassten. Am liebsten würden sie uns doch alle absaufen lassen, dann brauchen sie ihre hochheiligen Fickstädte nich umbenennen. Könn sie alles schön lassen wie es is, am besten noch wiedern Führer und Deckel drauf. Hör uff, ey.

Am nächsten Tag

Es ist vorbei. Sie habens nicht umbenannt, war mir eh klar. Und wisst ihr was? Es macht mir gar nichts aus. Heut morgen hab ich aus dem Fenster geschaut, und es war Frühling. Es gab Kaffee, Hundegebell, kleine Leute gingen ihren Besorgungen nach - DAS sind die wichtigen Dinge des Lebens. Und schlagartig wurde mir klar, wie glücklich und frei ich bin und wie viel ich noch vor mir habe, und da musste ich so schallend lachen, dass die Leute am Nebentisch zusammenzuckten. Armselige Spießer, ich hätte sie umarmen können.

Dass sie ihr bescheuertes Fulda nicht nach mir benannt haben, ist wirklich das Beste, was mir passieren konnte. Ich geh seitdem so viel gelassener durchs Leben, freu mich an den Blumen, spiele mit meinen Kindern. Ich hab sogar wieder mit Nordic Walking angefangen. Und morgen pflanz ich einen Baum. Aber ich sag keinem, wo. Und einen Namen geb ich ihm auch nicht. Wozu braucht ein Baum einen Namen? Wozu eine Stadt, wozu ein Mensch? Nennt mich doch einfach Mensch, so will ich euch ab heute auch nennen. Verbeißt euch nicht in die Dinge, wir leben die ganze Zeit im Paradies, nur auf der Überholspur unserer Gedanken haben wir dieses Wissen vergessen. Ich bin Mensch. Ich schicke euch volltönend lachen

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