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Äon Roman von Brandhorst, Andreas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.06.2010
  • Verlag: Random House E-Books
eBook (ePUB)
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Äon

Die Welt am Abgrund 'In einem kleinen Dorf in Kalabrien gibt es offenbar einen Jungen, der Wunderheilungen vollbringt. Schreiben Sie etwas darüber!' Mit diesen Worten wird der Journalist Sebastian Vogler von seinem Chefredakteur in den Süden Italiens geschickt. Fest entschlossen, nicht irgendeinem Aberglauben zu verfallen, beginnt Vogler mit seinen Recherchen. Doch bald muss er erkennen, dass der junge Raffaele tatsächlich in der Lage ist, Menschen zu heilen. Und damit nicht genug: Es scheint eine merkwürdige Verbindung zu anderen Phänomenen dieser Art zu geben. Vogler reist quer durch Europa, um das Rätsel zu lösen. Und er findet heraus, dass sich hinter Raffaele eine Verschwörung verbirgt, die nicht nur weit in die Vergangenheit reicht, sondern sich anschickt, die Zukunft der Menschheit für immer zu verändern. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt ... Eine atemberaubende Mischung aus Mystery und Verschwörungsthriller Andreas Brandhorst, geboren 1956 im norddeutschen Sielhorst, hat mit seinen Romanen die deutsche Science-Fiction-Literatur der letzten Jahre entscheidend geprägt. Spektakuläre Zukunftsvisionen verbunden mit einem atemberaubenden Thrillerplot sind zu seinem Markenzeichen geworden. Etliche seiner Romane wurden preisgekrönt und zu Bestsellern. Andreas Brandhorst hat viele Jahre in Italien gelebt und ist inzwischen in seine alte Heimat in Norddeutschland zurückgekehrt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Erscheinungsdatum: 23.06.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641042301
    Verlag: Random House E-Books
    Größe: 712 kBytes
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Äon

2 Hamburg S ebastian saß beim dritten Bier und dem ersten Whisky, von Kopfschmerzen geplagt, als der Typ in der Ecke ausflippte. Der Kerl schrie seine Begleiterin an - eine Brünette um die dreißig, übertrieben gestylt -, aber leider war die Musik in "Rudis Karussell" so laut, dass Sebastian kein Wort verstand. Sein Instinkt meldete sich und flüsterte ihm zu, dass es hier vielleicht eine interessante Story gab, wenn er aufpasste. "Gregor ist heute spät dran", sagte Steffen und kippte den vierten Wodka. Er trank das Zeug wie Wasser. "Aber er kommt bestimmt, glaub mir." Gregor, das war ein besserer Laufbursche der Russenmafia, die einen Teil von St. Pauli weiter im Süden kontrollierte. Kein großes Licht beim Iwan, eher eine kleine Laterne in einer abgelegenen Seitengasse. Aber Sebastian hatte seine Quellen und wusste, dass in dieser Nacht bei den Landungsbrücken irgendein Ding steigen sollte. Möglich war alles, von Drogen aus Kolumbien oder dem Iran bis hin zu Waffengeschäften mit Afrika, und Sebastian hatte sich extra eine Digitalkamera ausgeliehen, mit der man auch Infrarotaufnahmen machen konnte. "Was tut der Bursche da?", fragte er. "Welcher Bursche?" "Dort hinten in der Ecke. Neben Madame Was-bin-ichschön." Steffen sah am Karussell mit den Go-go-Girls vorbei, das sich neben der Tanzfläche drehte. Sechs oder sieben Meter trennten sie von dem Kerl in der Ecke, aber Sebastian sah deutlich die Sehnen an seinem Hals, und das Gesicht war rot angelaufen. "Streitet mit seiner Freundin", sagte Steffen und zuckte mit den Schultern. "Vielleicht hat sie ihm das Hemd falsch gebügelt." "Sie scheint mir nicht der Bügeltyp zu sein. Sieh dir den Kerl nur an. Steht wie unter Strom. Kennst du ihn?" Steffen sah noch einmal hin. "Nie gesehen. Ein Normalo, wenn du mich fragst. Hat sich mit Pretty Woman hierher verirrt." Sein Blick kehrte zum Eingang zurück, auf der Suche nach Gregor. Steffen konnte andere Menschen gut einschätzen; er verstand es fast immer, sie den richtigen Kategorien zuzuordnen. Aber er legte dabei seine eigenen Maßstäbe an, und die unterschieden sich von denen Sebastians. Der Mann in der Ecke - Mitte dreißig, gepflegt, gut gekleidet - war tatsächlich ein "Normalo", wie Steffen alle nannte, die nichts mit Drogen und Prostitution zu tun hatten, aber er war keineswegs normal. Ob er wirklich unter Strom stand, wusste Sebastian nicht zu sagen - er konnte sich was reingezogen haben, bevor er ins Karussell gekommen war. Aber am Alkohol lag es nicht. Auf dem Tisch standen nur zwei Martini-Gläser, und mehr hatte der Kellner nicht gebracht. Sebastian achtete auf solche Dinge; vielleicht lag es daran, dass die Kellner bei ihm immer mehr Arbeit hatten. "Ich verstehe das nicht", sagte Steffen. "Sonst ist Gregor immer pünktlich. Er wollte um zehn hier sein." Er drehte den kahlen Kopf mit dem Drachen-Tattoo und sah Sebastian an. "Nur zeigen, Kumpel, mehr nicht. Ein persönlicher Gefallen. Wegen der guten alten Zeiten." "Und wegen der zweihundert, die ich dir gegeben habe." "Nur zeigen", wiederholte Steffen und hob sein leeres Wodkaglas, als ein Kellner vorbeikam. "Ich zeige dir, wer Gregor ist, und ich nenne dir den Ort. Der Rest liegt bei dir. Bau keine Scheiße, Bastian. Wir wollen hier keinen Ärger. Und die Russen verstehen keinen Spaß, denk dran." Sebastian beobachtete noch immer das Pärchen in der Ecke. "Sag mal ... Irre ich mich, oder hat der Bursche wirklich ein Messer in der Hand?" Das weckte Steffens Aufmerksamkeit. "Ich kümmere mich darum", sagte er drei Sekunden später und stand auf. "Bin gleich wieder da." Wieselflink huschte er durch die Lücken zwischen den Tischen und an den Tanzenden vorbei, verschwand dann hinter der Theke. Sebastian trank einen Schluck Whisky und spülte mit Bier nach, währen

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