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Armageddon Die Nephilim von Hohlbein, Wolfgang (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2019
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
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Armageddon

Jericho ist gefallen, und Beka hat alle Freunde verloren, die mit ihr in den zerstörten Städten des gelobten Landes gegen die Engel gekämpft haben. Als Beka auf die exzentrische Nonne Uriella trifft, schöpft sie neue Hoffnung. Doch in einem Weltuntergangs-Tornado gerät Beka zwischen die Fronten entfesselter Engelsgewalt und verzweifelt kämpfender Elitesoldaten. Schwer verletzt erwacht sie im atomar verwüsteten Rom - und sieht sich der Inquisitorin Alexa gegenüber, die sie kreuzigen will. Wolfgang Hohlbein, Jahrgang 1953, war Industriekaufmann, bevor er 1982 mit seinem Debüt 'Märchenmond' einen Autorenwettbewerb gewann. Seitdem schreibt er einen Erfolgsroman nach dem anderen und gilt als der Großmeister der deutschen Phantastik. Titel wie 'Die Tochter der Himmelsscheibe', 'Das Avalon-Projekt' sowie der 'Enwor'-Zyklus wurden bei Piper zu Bestsellern. Zuletzt erschienen 'Die Kriegerin der Himmelsscheibe' sowie sein Schlüsselwerk 'Infinity. Der Turm'. Wolfgang Hohlbein lebt mit seiner Familie und vielen Haustieren in der Nähe von Düsseldorf.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 656
    Erscheinungsdatum: 01.10.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492992299
    Verlag: Piper Verlag
    Größe: 4781 kBytes
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Armageddon

1

Der Wind war eisig, aber er fühlte sich trotzdem wie Säure auf ihrem Gesicht an, denn er brachte die Asche einer verbrannten Welt mit sich. Alles unter ihr war schwarz, braun oder grau oder kaminaschefarben in allen nur vorstellbaren Schattierungen von Schmutz. Der Himmel hatte die Konsistenz und Farbe von klumpig geronnenem Blei und hing so tief, dass sie sich schon ein paarmal dabei ertappt hatte, den Arm heben und ihn berühren zu wollen. Es roch scharf und brandig, nach ausgeglühtem Stein und Stahl und geschmolzenem Fleisch und zu Glas gesintertem Sand, und es war ihr unmöglich zu sagen, ob mit dem Wind nun das Wehklagen einhundert Milliarden gepeinigter Seelen oder das Schmirgelpapier-Geräusch ebenso vieler Sandkörner heranwehte, die sich längst mit der stoischen Geduld einer Naturgewalt darangemacht hatten, jegliche Spur des Menschen vom Antlitz der Erde zu tilgen.

Beka fror. Ihr war schon kalt gewesen, als sie hierhergekommen war, und in der Zeit, in der sie jetzt hier stand und auf die verheerte Ebene hinabsah, war die Kälte zuerst unangenehm geworden, dann quälend und schließlich schier unerträglich. Sie zitterte am ganzen Leib, und ihre Finger und Zehen schmerzten, als würden ihr Nadeln unter die Nägel getrieben. Trotzdem war es ihr nicht möglich, den Blick von der geschändeten Stadt unter sich loszureißen, aus deren Ruinen immer noch Rauch aufstieg und zwischen deren Trümmern winzige rote und gelbe und orangefarbene Glutnester und Funken blitzten, unentwegt erlöschend und an anderer Stelle wieder aufflammend, wie dem Taktstock eines unsichtbaren Dirigenten gehorchend, der eine Melodie direkt aus der Hölle intonierte.

Ein greller Blitz zerriss das braunrote Flickenteppich-Muster aus Rauch und tanzenden Aschefunken weit unter ihr, gleich darauf ein zweites, noch intensiveres Gleißen. Erst danach wehte der doppelte Knall der Explosionen zu ihr herauf, seltsamerweise in einem Abstand, der nicht zu dem der beiden Lichtblitze zuvor passte. Etwas Dunkles flog davon und löste sich in einem Funkenschauer auf. Beka zog ganz instinktiv den Kopf zwischen die Schultern, als eine dritte und noch einmal ungleich stärkere Explosion das Stadtzentrum unter ihr zusätzlich verheerte. Ganz kurz ergriff Zorn von ihr Besitz, als sie begriff, dass es pure Zerstörungswut war, deren Zeugin sie wurde, denn dort unten hatte es schon nichts mehr zu erobern gegeben, als Yoram und sie aus der Stadt geflohen waren. Trotzdem wurde immer noch gekämpft und getötet. Manchmal meinte sie, verzweifelt rennende Bewegungen wahrzunehmen und Schreie zu hören. Dass ihr Verstand darauf beharrte, dass die Entfernung viel zu groß und Flammen und Rauch viel zu dicht waren, um irgendetwas davon wirklich erkennen zu können, nahm dem Anblick rein gar nichts von seinem Schrecken.

Etwas raschelte hinter ihr. Beka spürte die Nähe eines anderen schlagenden Herzens, noch bevor sie sich halb umdrehte und Lukas als schwarzen Scherenschnitt über sich aufragen sah. Sein Gesicht war konturlose Dunkelheit, wie alles an ihm. Trotzdem spürte sie seinen Blick; wie die Berührung einer unsichtbaren Hand.

Ihr eigener Blick löste sich von der Finsternis, die von dort auf sie herabsah, wo sein Gesicht sein sollte, und suchte den geschmolzenen Himmel über und hinter seinen Schultern ab, doch da war nichts. Zumindest keine Flügel. Hatte sie überhaupt jemals Flügel an ihm gesehen? Ganz gewiss nicht im Flugzeug und auch nicht später, während ihrer Odyssee durch das unterirdische Tempellabyrinth, und da hatte sie alles an ihm gesehen.

Und danach, während der Schlacht gegen Zadkiel und seine Tefillin-gebrandmarkten Ephraimiten? Sie wusste es nicht. Sie wusste auch nicht, warum sie ihn nicht einfach gefragt hatte. Eigentlich spielte es gar keine Rolle, weil ...

Erneut regte sich Unmut in ihr, als ihr aufging, dass er sie nicht nur schon wieder manipulierte, sondern sich noch nicht einmal mehr die Mühe machte,

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