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Das Böse Herz von Brunhuber, Walter (eBook)

  • Verlag: neobooks Self-Publishing
eBook (ePUB)
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Das Böse Herz

Eines Tages kommt Janas Mann Konrad mit einem Schlangen-Tattoo auf dem Arm nach Hause. Von diesem Moment an hält Jana die körperliche Erscheinung Konrads nur noch für eine Hülle, in der sich ein Dämon verbirgt. Schreckliche Erfahrungen aus ihrer Kindheit lösen diese Ängste aus. Als Janas Versuch scheitert, ihren Liebhaber Siegfried auf ihre Seite zu ziehen, sieht sie sich gezwungen den Kampf gegen den gefährlichen Dämon alleine aufzunehmen. Walter Brunhuber hat Theaterwissenschaft studiert und arbeitet als Regisseur für freie Theatergruppen. Er hat eine Reihe von Theaterstücken veröffentlicht, von denen eines für den Jakob-Reinhold-Michael-Lenz-Preis nominiert wurde. Brunhuber hat auch einige Erzählungen von Jack London und Ambrose Bierce ins Deutsche übersetzt. Beim AAVAA-Verlag ist bereits ein Kiminalroman von ihm erschienen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 139
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783742731647
    Verlag: neobooks Self-Publishing
    Größe: 675 kBytes
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Das Böse Herz

Die Wächter

Die beiden Schlangen lassen Jana nicht aus den Augen. Die Wächter des Dämons scheinen immer zu wissen, wo sie gerade ist, zumindest solang sich Jana in ihrer Nähe aufhält. Plötzlich gibt der Dämon ein Geräusch von sich, das nach Ärger und Unzufriedenheit klingt. Er schiebt das Kinn nach vorne und verschlingt eine handvoll Kartoffelchips, während er in den Fernseher starrt. Sein Kiefer bewegt sich, als wären seine Zähne Mühlsteine.

Jana steht in der Tür zum Wohnzimmer. Sie gibt sich damit den Blicken der Wächter preis, deren Augenschlitze über ihr Gesicht und ihren Körper gleiten. Die Lichter aus der künstlichen Bilderwelt tanzen um den Dämon herum. Seine Brust bläht sich auf. Der Lärm hüllt den kräftigen Leib ein, eine unsichtbare Blase Hülle aus Musik und Geschrei.

Der Dämon, der in Konrads Ohrensessel sitzt, als wäre diese Wohnung sein Zuhause, war unauffällig in die Welt gekrochen. Seine Geburt hatte Jahre in Anspruch genommen, Jahre, in denen Janas Mann immer mehr verschwand. Konrad wurde von dem dunklen Geist verzehrt, bis er endgültig vertilgt war. Der Tag, an dem der Dämon sich vollendet hatte, ist Jana noch in guter Erinnerung. Eines Nachmittags wurde die Wohnungstür barsch geöffnet. Es war ein regnerischer Nachmittag. Das Tattoo auf dem linken Oberarm war nass und glänzte: Zwei Schlangen mit gespaltenen Zungen. Sie kriechen aus den Augen eines Drachen, reißen ihre Mäuler auf und starren Jana an. Jana hatte damals sofort das Böse gespürt, das von den Schlangen und dem Drachenkopf ausging. Konrad hätte nie zugelassen, dass das Zeichen des Bösen in seine Haut tätowiert wurde.

"Was ist? Gefällt dir das Tattoo nicht? Ich finds geil." Konrad, in dem nun der Dämon hauste, hatte sie kaum eines Blickes gewürdigt, während er sprach, so als hätte er Angst vor ihr. "Du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich dich um Erlaubnis frage, ob ich ein Tattoo haben darf. Soweit kommts noch."

Das war das erste Mal gewesen, dass der Dämon sein Wesen offenbart hatte. Er beherrschte die Kunst der Maskerade noch immer, doch Jana durchschaute ihn. Sie hatte damals sofort erkannt, dass Konrad endgültig vertilgt worden war.

Jana wendet sich von der Tür zum Wohnzimmer ab. Die Schlangenaugen der Wächter lecken über ihren Rücken und sie spürt das Brennen auf ihrer Haut. Doch der Hunger, der sich in ihrem Magen regt, ist nicht mehr zu verscheuchen. Mittags hatte sie nichts gegessen. Tagsüber hat sie keinen Hunger. Sie braucht die Dunkelheit um zu essen. Essen ist gleichbedeutend mit Leben. In der Nähe des Dämons konnte Leben nur im Verborgenen existieren, da es eine Bedrohung war. I hr Arm streift versehentlich eine Jacke, die an der Garderobe hängt. Der Flur ist so eng, dass kaum zwei Menschen nebeneinander stehen können. Dem Dämon in dieser kleinen Wohnung auszuweichen ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Rex hebt den Kopf. In der Dunkelheit sind nur die Umrisse des Schäferhundes zu erkennen. Die Kleiderbügel klappern wie Knochen im Wind. Der Dämon dreht den Kopf. Die Jacke schaukelt. Einer der Bügel kratzt am Holz der Garderobe. Die ganze Aufmerksamkeit des Dämons gilt nun ihr.

Rex gähnt.

"Du hast den Hund wach gemacht. Jetzt hab ich ihn wieder am Hals."

Der Dämon starrt nach diesen ärgerlich klingenden Sätzen wieder regungslos in den Fernseher. Er verbringt viel Zeit vor dem Fernseher. Fast ausschließlich in dem alten Ohrensessel. Diese Angewohnheit hat er, wie vieles andere, von Konrad übernommen. Charakterzüge, Worte, Ansichten, die er wie Raubgut in seinen Besitz gebracht hat. Genauso wie Konrads Kleidung, seine Wohnung, seinen Arbeitsplatz und Jana, Konrads Frau. Jana gehört nun dem Dämon, weil sie zufällig in seinem Umfeld lebt. Der Dämon verbirgt sich geschickt hinter seinen Raubgütern, um die Welt über sein wahres Wesen im Unklaren zu lassen. Doch Jana kann er nicht täuschen. Das Wohnzimmer mit den dunklen Möbeln und dem dicken

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