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Das Buch der gelöschten Wörter - Der erste Federstrich Roman von Garner, Mary E. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.04.2020
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)

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Das Buch der gelöschten Wörter - Der erste Federstrich

Nichts tut die Londonerin Hope Turner lieber, als sich in die Welten ihrer Lieblingsautorin Jane Austen zu träumen. Denn ihr eigenes Leben ist alles andere als spannend und romantisch. Das ändert sich, als sie eines Tages in einer Buchhandlung einen mysteriösen Fremden kennenlernt, der ihr Unglaubliches offenbart: Es gibt eine Welt der Bücher, in der die Romanfiguren ein Eigenleben führen. Doch sie ist in Gefahr, und nur Hope kann sie retten!

Mary E. Garner träumte sich schon immer gern in die Welten ihrer Lieblingsbücher. Bevorzugt jene, die in ihrem geliebten England spielen. Ihrer persönlichen Leidenschaft zur großen Insel und deren literarischen Figuren entsprang die Idee zu Das Buch der gelöschten Wörter, in das sie nun auch ihre Leserschaft in entführt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 414
    Erscheinungsdatum: 30.04.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732586073
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 2696 kBytes
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Das Buch der gelöschten Wörter - Der erste Federstrich

2. Kapitel

Ich entdeckte Mum im Aufenthaltsraum des Pflegeheims, wo sich tagsüber oft einige Patienten zusammenfanden, um sinnfreie Gespräche zu führen, über einfachsten Gesellschaftsspielen zu verzweifeln oder auf den Fernseher zu glotzen. Letzteres übrigens durchaus auch dann, wenn er gar nicht eingeschaltet war.

Im Vergleich mit den Fernsehglotzern war Mum regelrecht gesellschaftsfähig. Sie saß gern in einem großen Lehnstuhl am Fenster und schaute den Vögeln zu, die die Ganzjahres-Futterstationen auf der Terrasse scharenweise in Anspruch nahmen. Neben ihr lag eines ihrer vielen abgegriffenen Notizbücher, die noch aus der Zeit vor ihrer Erkrankung stammten. Darin hatte sie früher Ideen und Konzepte zu Kurzgeschichten festgehalten, die sie hobbymäßig geschrieben und mir stets zu lesen gegeben hatte. Zusammen mit ihrer Erinnerung war jedoch auch dieser kreative Strom vor zwei Jahren versiegt. Seitdem trug Mum mal dieses, mal jenes ihrer Notizhefte mit sich herum, wie Schoßhündchen, auf deren Anwesenheit sie ungern verzichten würde. Hineingeschrieben hatte sie allerdings schon lange nichts mehr.

Wie so oft reagierte sie auch heute zunächst nicht auf mich, als ich mich zu ihr beugte und ihr einen Kuss auf die Wange drückte. »Wie geht's dir heute, Mum? Was gab es zum Mittagessen?«

Die Ärzte waren der Meinung, kleine Erinnerungsleistungen wie die an die letzte Mahlzeit würden meiner Mutter helfen, nicht noch mehr von ihrem Gedächtnis einzubüßen. Ich spielte bei diesem mühseligen Puzzle mit - obwohl ich seine Wirksamkeit anzweifelte. Schließlich wusste ich manchmal am Abend selbst kaum noch, was ich zum Frühstück gegessen hatte.

Mum wandte den Kopf und sah mich munter an. »Ach, du bist es, Hope! Stell dir vor, gerade war ein Buntspecht hier. Direkt da vorn.« Sie deutete zu einer der Futtersäulen.

»Fantastisch!« Wie kam es nur, dass sie die einzelnen Vogelarten immer noch so treffsicher bestimmen konnte, aber nicht mehr wusste, wo wir früher gewohnt hatten?

Wie um mich Lügen zu strafen, sagte Mum: »Liebes, du erzählst gar nichts mehr von Christian. Wie geht es ihm? Ist er inzwischen Bibliotheksleiter?«

Ich unterdrückte ein Seufzen. »Ich weiß nicht, wie es Christian geht, Mum. Er und ich sind nicht mehr zusammen. Genau genommen schon seit zwei Jahren nicht mehr. Erinnerst du dich?«

»Nicht mehr?«, wiederholte Mum enttäuscht. »Och. Der war immer so nett.«

In Wahrheit hatte sie ihn nicht ausstehen können. In den drei Jahren unserer Beziehung hatte sie ihn zu spießig gefunden mit seinem seriösen Auftreten und der randlosen Brille, durch die er seinerseits ihre bunten Kleider stets kritisch gemustert hatte. Ein paarmal hatte sie sogar behauptet, er benähme sich ausgesprochen merkwürdig, und warnte mich, nur ja mein Herz nicht komplett an ihn zu vergeuden. Wahrscheinlich erwähnte sie ihn deswegen ab und zu auch heute noch, weil ihre plötzliche Erkrankung genau in die Zeit fiel, als Christian mich verließ. Ihre wahren Gefühle für meinen Ex wie auch die Umstände unserer Trennung schien Mum jedoch tief in ihrem Kopf verloren zu haben.

Ich wollte sie schon an mich ziehen, um meine Arme um sie zu schlingen, als Mums Augen sich plötzlich verengten und sie mich eingehend musterte.

»Weißt du, es ist kein Wunder, dass du keinen Partner hast. Wie siehst du wieder aus?«, beschwerte sie sich und schüttelte missbilligend den Kopf. »Kannst du dich nicht mal etwas mehr in Schale werfen?«

Aha, heute war also einer dieser Tage. Gute, klare Tage für Mum, die meine Besuche bei ihr auf eine eigene Weise anstrengend machten.

Ich sah an mir herunter. Meine Jeans war in der Tat schon ziemlich abgewetzt und das T-Shirt verwaschen. Die bequemen Schuhe wirkten sportlich und legten den Verdacht nahe, ich würde hin und wieder locker meine Runden durch die Parks der Stadt ziehen, was mir in Wahrheit jedoch fernlag. Normalerweise mach

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