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Das Kosmotop Roman von Brandhorst, Andreas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.06.2014
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Das Kosmotop

Nur der letzte Mensch kann das Geheimnis lüften Die ferne Zukunft: Die Galaxis wird von intelligenten außerirdischen Zivilisationen regiert - und die Menschheit steht kurz vor dem Aussterben. Einer der letzten Menschen, ein Mann, der sich schon seit Jahrhunderten selbst immer wieder geklont hat, ist inzwischen zum Berater der galaktischen Regierung aufgestiegen. Als auf der alten Erde ein seltsames Artefakt gefunden wird, soll er ermitteln, was es damit auf sich hat. Es birgt, das wird bald klar, das Geheimnis der Zukunft des Universums ... Andreas Brandhorst, geboren 1956 im norddeutschen Sielhorst, hat mit seinen Romanen die deutsche Science-Fiction-Literatur der letzten Jahre entscheidend geprägt. Spektakuläre Zukunftsvisionen verbunden mit einem atemberaubenden Thrillerplot sind zu seinem Markenzeichen geworden. Etliche seiner Romane wurden preisgekrönt und zu Bestsellern. Andreas Brandhorst hat viele Jahre in Italien gelebt und ist inzwischen in seine alte Heimat in Norddeutschland zurückgekehrt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 560
    Erscheinungsdatum: 09.06.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641131401
    Verlag: Heyne
    Größe: 877 kBytes
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Das Kosmotop

SICH SELBST ZU GRABE TRAGEN

1

Es geschah zum siebzehnten Mal, dass Corwain Tallmaster – jetzt Corwain 18 Tallmaster – seiner Bestattung beiwohnte. Mehr noch, er trug seinen Leichnam in den eigenen Armen. Ein kleiner Gravitator reduzierte das Gewicht, damit es für die gerade neu gewachsenen Armmuskeln keine zu große Anstrengung darstellte.

"Ich finde es ein bisschen ... morbid?", zwitscherte Solace.

"Das klingt nach einer Frage. Bist du nicht sicher?"

"Liebst du den Tod?"

Corwain blieb am Rand seines Friedhofs stehen. Wind strich übers violette Gras, und einige Meter weiter vorn wartete die Grube, ausgehoben von zwei Adjus. Dahinter ragten sechzehn Grabsteine auf, der erste von ihnen anderthalbtausend Jahre alt. Er bestand aus echtem Stein, aus dem kalten, toten Leib des Asteroiden gehauen, und Corwain erinnerte sich noch daran, wie er die Inschrift hineingemeißelt hatte, mit seinen eigenen Händen. Jetzt war sie kaum mehr zu lesen.

"Ob ich den Tod liebe? Natürlich nicht." Wie konnte sie so etwas fragen? Wie konnte sie das für möglich halten? Dann fiel ihm ein, dass sie zum ersten Mal dabei war. So lange kannten sie sich noch nicht, nur ... zehn Jahre? Vielleicht elf. Kaum mehr als ein Wimpernschlag. Dort stand sie, schlank und schön, von Kopf bis Fuß in winzige Federn gehüllt, halb Mensch und halb Vogel, aber ganz und gar Frau. Ein leises Knistern kam jetzt vom Federflaum, der an den sichtbaren Stellen einen lehmbraunen Ton zeigte, und Solace schlang die dünnen Arme um sich, als wäre ihr kalt. Zwar neigte sich die künstliche Sonne vor ihnen dem nahen Horizont entgegen, aber hinter ihnen ging die nächste bereits auf – die Temperatur der Gashülle unter dem Schirmfeld sank nie unter zwanzig Grad. Eine kleine Welt, die ganz allein ihnen gehörte, immer warm und immer hell, mit einem Maschinenkern, der alles zur Verfügung stellte, was sie brauchten. Die Tallmaster-Residenz seit vielen Jahrhunderten. Wenn er nicht in der Galaxis unterwegs war, um seine selbst gewählte Aufgabe wahrzunehmen und Frieden zu stiften.

Er blickte auf die Leiche in seinen Armen, einen Mann in den besten Jahren, der die Augen geschlossen hatte und zu schlafen schien. Er hätte noch zehn oder fünfzehn Jahre leben und altern können, aber Corwain hatte beschlossen, vorher in einen neuen Körper umzuziehen, vielleicht weil er sich vor dem Alter fürchtete.

Kurzes Zwielicht setzte ein, als beide Sonnen den Horizont berührten, die eine auf dem Weg nach unten und die andere nach oben.

"Es ist meine Art, das Leben zu ehren", sagte Corwain und ging weiter, zum offenen Grab, wo er den Toten – seine siebzehnte Inkarnation – in den Sarg aus leicht abbaubarem Syntho legte. "Wenn ich mich selbst begrabe, habe ich die Kostbarkeit des Lebens vor Augen."

"Deines Lebens?"

Corwain gab den beiden Adjus ein Zeichen, und sie ließen den Sarg ins Grab hinab. Er griff nach der Schaufel; dies gehörte zum Ritual.

"Auch mein Leben ist kostbar", sagte er, fast so, als müsste er sich rechtfertigen. "Es gehört zu den wenigen, die noch geblieben sind."

"Meinst du deine Spezies?"

Er nahm die Nervosität in Solace' Stimme wahr, und er hörte auch, wie Erde von der Schaufel auf den Sarg fiel, etwas von der zwanzig Meter dicken, biologisch aktiven Krume, die den Asteroiden bedeckte.

"Es ist nicht nur meine, sondern auch deine, das weißt du. Du bist zur Hälfte Mensch, mindestens." Corwain ließ die Schaufel fallen und beobachtete, wie die mechanischen A

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