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Das Lied des Blutes Rabenschatten 1 von Ryan, Anthony (eBook)

  • Verlag: Klett-Cotta
eBook (ePUB)
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Das Lied des Blutes

Vaelin Al Sorna, der berühmteste Gefangene des Reichs und sein größter Kämpfer, erzählt die atemberaubende Geschichte seines Lebens. Er ist an Bord eines Schiffes, das ihn zu dem Ort bringen soll, an dem es für ihn um Leben und Tod geht. Einst war er von seinem Vater als Zögling in das Kloster des Sechsten Ordens gebracht worden, wo er zum Krieger ausgebildet wurde. Nun sind die Namen, die er sich im Kampf verdient hat, über alle Grenzen hin bekannt: Schwert des Königs, Dunkelklinge, Rabenschatten und am gefürchtetsten: Hoffnungstöter. Anthony Ryan, 1970 in Schottland geboren, verbrachte er die meiste Zeit seines Lebens in London. Seit seinem großen Erfolg von "Das Lied des Blutes" arbeitet er als Schriftsteller.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 800
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783608107524
    Verlag: Klett-Cotta
    Serie: Rabenschatten 1
    Originaltitel: Blood Song
    Größe: 5055 kBytes
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Das Lied des Blutes

ERSTES KAPITEL

A n jenem Morgen, als Vaelins Vater ihn zum Haus des sechsten Ordens brachte, lag der Nebel in dichten Schwaden über dem Land. Vaelin saß vergnügt vorne im Sattel und hielt sich am Knauf fest. Sein Vater nahm ihn nur selten auf einen Ausritt mit.

"Wohin reiten wir, Herr?", hatte er gefragt, als sein Vater ihn zum Stall führte.

Der hochgewachsene Mann hatte ihm keine Antwort gegeben, doch er hatte einen Augenblick gezögert, bevor er eines seiner Streitrosse sattelte. Dass Vaelins Vater auf eine Frage hin schwieg, war nichts Ungewöhnliches, und der Junge hatte sich nichts weiter dabei gedacht.

Sie ritten fort vom Haus; die Hufeisen des Streitrosses klapperten über das Kopfsteinpflaster. Nach einer Weile durchquerten sie das Nordtor, wo die Leichen in Käfigen von der Stadtmauer herabhingen und üblen Verwesungsgestank verbreiteten. Vaelin hatte gelernt, nicht danach zu fragen, was die nun Toten einst getan hatten, um eine solche Strafe verdient zu haben; es war eine der wenigen Fragen, auf die sein Vater stets bereitwillig antwortete. Und die Geschichten, die er erzählte, ließen Vaelin nachts wach liegen und bei jedem Geräusch vor dem Fenster leise wimmern, aus Furcht vor Dieben, Aufständischen oder Leugnern, die vom Dunklen besessen waren.

Das Kopfsteinpflaster ging alsbald in die Wiesen jenseits der Stadtmauer über. Sein Vater trieb das Streitross zum Trab und schließlich zum Galopp an, und Vaelin lachte vor Aufregung. Einen Moment lang schämte er sich seiner Freude. Seine Mutter war vor zwei Monaten gestorben, und die Trauer seines Vaters lag wie eine dunkle Wolke über dem gesamten Haus, flößte den Dienern Angst ein und hielt Besucher fern. Aber Vaelin war erst zehn Jahre alt und betrachtete den Tod mit den Augen eines Kindes: Natürlich vermisste er seine Mutter, aber ihr Fortgehen war für ihn ein Rätsel, das eigentliche Geheimnis der Erwachsenenwelt. Obwohl auch er manchmal weinte, wusste er im Grunde gar nicht so recht, weshalb, und weiterhin stahl er dem Koch Pasteten und spielte mit seinen Holzschwertern im Hof wie eh und je.

Sie galoppierten ein Stück, bis sein Vater das Pferd zügelte. Vaelin war ein wenig enttäuscht – er hätte noch ewig so weiterreiten können. Sie hielten vor einem großen Eisentor an. Die Gitterstäbe des Tors besaßen dreifache Mannesgröße und endeten in spitzen Zacken. Oben auf dem Torbogen erhob sich eine eiserne Figur, ein Krieger, der das Schwert mit der Spitze nach unten vor der Brust hielt, sein Gesicht war das eines eingefallenen Totenschädels. Die Mauern zu beiden Seiten waren beinahe so hoch wie das Tor. Linker Hand hing an einem hölzernen Balken eine Messingglocke.

Vaelins Vater stieg ab und hob den Jungen aus dem Sattel.

"Was ist das für ein Ort?", fragte Vaelin. Seine Stimme klang unwirklich laut, obwohl er im Flüsterton sprach. Die Stille und der Nebel waren ihm unheimlich; das Tor und die Figur darauf gefielen ihm nicht. Mit kindlicher Gewissheit wusste er, dass die leeren Augenhöhlen nur eine Täuschung waren. Die Figur beobachtete sie abwartend.

Sein Vater antwortete nicht, sondern ging zu der Glocke, zog seinen Dolch aus dem Gürtel und schlug mit dem Knauf dagegen. Das Läuten der Glocke durchbrach schrill die Stille. Vaelin legte sich die Hände auf die Ohren, bis das Geräusch verklungen war. Als er hochschaute, sah er seinen Vater über sich aufragen.

"Vaelin", sagte dieser mit der rauhen Stimme eines Kriegers. "Erinnerst du dich noch an den Leitspruch, den ich dich gelehrt habe? Den Grundsatz unserer Familie?"

"Ja, Vater."

"Wie lautet er?"

"L

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