text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Das Schiff Roman von Brandhorst, Andreas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.12.2018
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Das Schiff

NEU mit exklusiver Bonus-Erzählung "All die Jahrtausende"! Der mehrfach preisgekrönte Erfolgsroman erstmals im Taschenbuch: Seit tausend Jahren schicken die intelligenten Maschinen der Erde lichtschnelle Sonden zu den Sternen. Sie sind auf der Suche nach den Hinterlassenschaften der Muriah, der einzigen bekannten und längst untergegangenen Hochkultur in der Milchstraße. Bei der Suche helfen die Mindtalker, die letzten sterblichen Menschen auf der Erde. Doch sie finden nicht nur das technologische Vermächtnis der Muriah, sondern auch einen alten Feind, der seit einer Million Jahren schlief und jetzt wieder erwacht ... Andreas Brandhorst, geboren 1956 im norddeutschen Sielhorst, schrieb mit seinen futuristischen Thrillern und Science-Fiction-Romanen wie "Das Schiff" und "Omni" zahlreiche Bestseller. Spektakuläre Zukunftsvisionen sind sein Markenzeichen. Der SPIEGEL-Bestseller "Das Erwachen" widmet sich dem Thema Künstliche Intelligenz. Sein aktueller Wissenschaftsthriller "Ewiges Leben" zeigt Chancen und Gefahren der Gentechnik auf.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 592
    Erscheinungsdatum: 11.12.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492994026
    Verlag: Piper Verlag
    Größe: 4267 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Das Schiff

Ein Sturm

1

Die Wolken hingen tief und schwer über dem grauen, aufgewühlten Ozean. Vom Wind gepeitscht türmten sich die Wellen höher, als wollten sie sich gegenseitig übertreffen, schmetterten gegen die Klippe und zerstoben an hartem Fels. Böen nahmen die Gischt und warfen sie nach oben, dorthin, wo Adam stand, drei Dutzend Meter weiter oben, sein schwacher Körper gehalten von seinem Mobilisator, der ihn wie ein Exoskelett umhüllte. Er hatte darauf verzichtet, den Schild zu aktivieren; nichts schützte ihn vor Wind und Regen.

"Oh, hier bist du, Adam", erklang eine Stimme hinter ihm. Es war eine ruhige Stimme, aber sie übertönte mühelos das Donnern der Brandung. "Ich habe dich gesucht."

"Wie kannst du mich gesucht haben, wenn ihr doch immer genau wisst, wo ich bin?"

Der Mobilisator half Adam, den Kopf zu drehen. Ein Mann stand neben der Kapsel, die ihn hierher gebracht hatte. Er sah anders aus als bei ihrer letzten Begegnung, die nur wenige Tage zurücklag, aber das war bei den Avataren der Maschinen oft der Fall. Trotzdem erkannte er ihn: Bartholomäus, sein Mentor und Mittler, der Mann, dessen ruhige Weisheit ihn all die Jahre begleitet hatte. Er war mit einem MFV des Clusters gekommen, einem Multifunktionsvehikel, silbern wie er selbst: ein käferartiges Gebilde, das wie ein zum Sprung bereites Insekt neben Adams Kapsel stand.

Dahinter erstreckte sich eine Ebene, die einst - vor der großen Flut, von der ihm Bartholomäus vor einigen Wochen erzählt hatte, oder vielleicht vor Jahren, er wusste es nicht mehr genau - ein Hochplateau gebildet hatte. Bäume duckten sich dort im Wind, und für einen Moment erschien zwischen ihnen etwas Unerwartetes: eine Gestalt, die cremefarbene Kleidung trug. Adam blinzelte überrascht und sah genauer hin, doch zwischen den Bäumen gab es nur die dichter werdenden Schatten des Abends.

Bartholomäus kam näher. "Warum benutzt du einen Mobilisator und kein Faktotum?"

"Ich wollte das Meer erleben", sagte Adam und richtete den Blick wieder nach vorn. "Ich wollte es sehen, hören und fühlen."

"An diesem Ort ist es kalt und nass, und du bist nicht mehr jung", sagte Bartholomäus. "Du könntest krank werden."

"Ihr könntet mich heilen. Es wäre nicht das erste Mal."

"Auch unsere Möglichkeiten sind begrenzt, Adam. Du bist nicht wie die anderen Menschen. Du bist alt."

Ein hässliches Wort, alt . Adam rang sich ein Lächeln ab und spürte, wie ihm Regen ins Gesicht schlug. "Die anderen sind viel älter als ich, manche von ihnen sogar älter als du." Neugier erwachte in ihm. "Wie alt bist du, Bartho?"

"Tausend Jahre", sagte Bartholomäus. Er stand jetzt neben Adam vor dem Rand der Klippe. "Ich habe gesehen, wie die erste Sonde zu den Sternen aufbrach."

"Na bitte. Einige der Unsterblichen sind viel älter. Manche von ihnen stammen aus der Zeit der großen Flut, als alles auf der Erde überschwemmt wurde. Wie lange ist das her?"

"Fast sechstausend Jahre."

Unterstützt vom Mobilisator hob Adam die Hand, wischte sich Regen aus den Augen und schaute wieder übers Meer. In der Ferne flackerte ein Blitz, grell und schön, und in seinem Licht rollten Hunderte, Tausende von Wellen heran. Er verglich sie mit den Gedanken, die ihm durch den Kopf gingen, Wellen eines geistigen Ozeans, die meisten flach, vom Alter müde. Manchmal versuchte er sie festzuhalten, doch sie entglitten ihm wie Wasser den Fingern, die es zu ergreifen trachteten. Es erstaunte ihn ein bisschen, mit welcher Klarheit er jetzt darüber nachdachte. Vielleicht lag es an Ozean, Wind und Regen, dachte er. Vielleicht hatten sie den Nebel aus seinem Schädel vertrieben.

"Warum kann ich nicht sein wie die anderen?", fragte er. "Warum musste ich alt werden? Warum muss ich schließlich sterben?"

"Wir haben oft darüber gesprochen, Adam. Ich habe es dir erklärt."

Hatte er das? In seinem Gedäc

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen