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Das Tor Roman von Abdel Aziz, Basma (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.04.2020
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Das Tor

Im post-revolutionären Orient bestimmt das Tor über das Schicksal der Menschen Ein nicht näher benanntes Land im Nahen Osten: Seit der Niederschlagung der Revolution brauchen die Bürger für jede noch so kleine Kleinigkeit in ihrem Leben - sei es die Überweisung zum Arzt oder die Erlaubnis, Brot zu kaufen - die Genehmigung des Staates. Um die zu erhalten, müssen sie sich vor einem riesigen Tor anstellen, das angeblich jeden Tag nur einer gewissen Anzahl an Anträgen stattgibt. In Wirklichkeit aber öffnet sich das Tor niemals, und die Schlange der Menschen, die in der glühenden Hitze warten, wird länger und länger, ihre Verzweiflung immer größer. Und doch will keiner von ihnen die Hoffnung aufgeben, dass das Tor eines Tages aufgehen wird ... Basma Abdel Aziz wurde 1976 in Kairo, Ägypten, geboren. Sie arbeitet als Künstlerin, Schriftstellerin und Psychiaterin, wobei sie auf die Behandlung von Folteropfern spezialisiert ist. In ihrer Heimat setzt sie sich unermüdlich für den Kampf gegen Unterdrückung und Verletzung der Menschenrechte ein. Für ihr literarisches Schaffen wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet. Die Autorin lebt in Kairo.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 13.04.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641250393
    Verlag: Heyne
    Serie: Heyne Bücher 32046
    Originaltitel: (The Queue)
    Größe: 1601 kBytes
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Das Tor

Als Tarik am Morgen ins Krankenhaus kam, bat er als Erstes die Oberschwester um die Akte. Sie brachte ihm eine Klarsichthülle, die an allen vier Seiten zugeklebt war. Darauf stand: "Ausstehend bis zum Eintreffen der Genehmigung durch das Tor". Tarik starrte auf die großen, schräg in eine Ecke gesetzten tiefroten Wörter. Genau in der Mitte der Akte stand auf einer rechteckigen weißen Karte der Name "Yahya Gad al-Rabb Said" und ganz unten eine siebenstellige Zahl. Die eine Hälfte war Teil der Ausweisnummer des Patienten, die andere Hälfte ein Code, der auf die Kategorie der Akte schließen ließ und den nur die Mitarbeiter der Verwaltung verstanden, die für die Klassifizierung zuständig waren. Am Ende war dort noch der Name des behandelnden Arztes zu lesen: "Dr. Tarik Fahmi", sein Name, von dem er sich schon Hunderte Male gewünscht hatte, ihn von dieser Akte löschen zu können. Aber es war nichts zu machen, er würde dort bleiben und ihm, Tarik, das Leben vergällen, solange es Gott gefiel.

Die Akte in der Hand ging er in sein Büro; Schwester Sabah folgte ihm mit einer Tasse Kaffee. Sie stellte die Tasse auf den alten Holzschreibtisch, wie sie es jeden Morgen tat, dann verschränkte sie die Finger vor ihrem dicken Bauch und gähnte. Ihre Trägheit war unübersehbar:

"Kann ich noch etwas für Sie tun, Doktor?"

"Bleiben Sie heute in der Nähe, Sabah, ich brauche Sie vielleicht noch", entgegnete er in seiner ihm eigenen freundlichen und ruhigen Art, auch wenn er ihr heute unnatürlich ernst vorkam.

"Wie Sie wünschen, Doktor."

Sie ging hinaus und schloss die Tür.

Tarik, ein Mann mittleren Alters, gehörte im Krankenhaus zu jener Gruppe von Ärzten, die für die Notaufnahme verantwortlich waren und ihre Arbeit ernst nahmen. Sabah kannte ihn schon, als er noch ein junger Arzt im Schichtdienst gewesen war, der die meiste Zeit bei den Patienten verbrachte und nur selten nach Hause ging. Er hatte nicht viele Freunde und ging auch nicht mit Kollegen aus. Und niemals hatte er sich wie die anderen vor einer Schicht gedrückt. Er war schweigsam und ein wenig sonderbar, schloss seine Bürotür sogar in den Pausen ab, plauderte nicht mit den Schwestern im Schwesternzimmer und sprach weder über sich noch über seine Familie. Aber alle wussten, dass er seine Arbeit gut machte und - vor allem - dass er ein gutes Herz hatte.

Tarik nahm einen Schluck Kaffee und begann, im Zimmer auf und ab zu gehen. Er sah auf die Klarsichthülle, setzte sich schließlich auf seinen Lederstuhl, öffnete die Hülle an einer Seite, zog die Akte ein Stück heraus und schob sie wieder zurück.

Es war eines der seltenen Male, dass er überhaupt eine Patientenakte in der Hand hielt. Ein Pfleger hatte alle Patientendaten vollständig notiert, was ungewöhnlich war. Alle Spalten waren komplett ausgefüllt, es gab keinen Platz mehr, um noch etwas hinzuzufügen, keine Frage war ohne Antwort geblieben, und sogar die Fragen, die den Arzt meist gar nicht interessierten und die in einer Patientenakte eher nicht gestellt wurden, waren beantwortet.

"Yahya Gad al-Rabb Said, achtunddreißig Jahre, ledig, wohnhaft im Neunten Bezirk, Gebäude Nr. 1, Beruf: Handelsvertreter ..." Diese persönlichen Angaben interessierten ihn nicht besonders, auch wenn er sie schon so oft gelesen hatte, dass er sie auswendig kannte und sich mühelos ins Gedächtnis rufen konnte. Meistens enthielten diese Dokumente nur Informationen, die routinemäßig von allen Patienten abgefragt und mit großer Gleichgültigkeit notiert wurden, weil Ärzte und Pflegepersonal zu nachlässig waren, so viele Spalten auszufüllen. Gewöhnlich begnügten sie sich deshalb mit der Nennung des Namens und des Alters des Patienten.

Tarik schob das erste Blatt Papier zur Seite und zog das zweite heraus, bereit, sich auf die Informationen zu konzentrieren, doch ein mehrmaliges Klopfen an der Tür ließ ihn die beiden Blätter wieder zurückstecken. Er verschloss die Hülle u

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