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Das Zeitalter der Helden 1 - Erwachen Roman von Morgan, Richard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.03.2020
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Das Zeitalter der Helden 1 - Erwachen

Ringil Eskiath stammt aus einer alteingesessenen Aristokratenfamilie, die allerdings mit ihm gebrochen hat. Dennoch hat Ringil alles, was er braucht: eine gute Klinge, einen hervorragenden Ruf als Schwertkämpfer und ein gesichertes Einkommen. Dann taucht eines Tages überraschend seine Mutter, die Kaiserin, auf und verlangt von ihm, dass er seine Cousine befreit, die in Gefangenschaft geraten ist. Schnell wird Ringil klar, dass es bei diesem Auftrag nicht nur um das Schicksal seiner jungen Verwandten geht, sondern um das des ganzen Kaiserreiches. Dieser Roman ist bereits unter dem Titel "Glühender Stahl" erschienen und wurde für diese Ausgabe überarbeitet. Richard Morgan wurde 1965 in Norwich geboren. Er studierte Englisch und Geschichte in Cambridge und arbeitete viele Jahre als Englischlehrer im Ausland, bevor er sich entschloss, sein Geld als freier Schriftsteller zu verdienen. Sein Roman "Altered Carbon - Das Unsterblichkeitsprogramm", ausgezeichnet mit dem Philip K. Dick Award, wurde ein internationaler Bestseller. Morgan lebt und arbeitet in Glasgow.

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Das Zeitalter der Helden 1 - Erwachen

2

Inmitten der Wolkenfetzen von der Farbe eines Blutergusses stand eine sterbende Sonne tief an einem scheinbar endlosen Himmel. Aus dem Osten brach die Nacht über die Savanne herein, und die stete Brise kühlte sich ab. Die Abende hier oben haben etwas Schmerzhaftes, hatte Ringil einst gesagt, kurz vor seinem Weggang. Es fühlt sich immer wie ein Verlust an, wenn die Sonne sinkt.

Egar, der Drachentöter, der nie genau gewusst hatte, worauf sein schwuler Freund hinauswollte, wenn ihn eine solche Stimmung überkam, entdeckte auch jetzt, gut zehn Jahre später, keinen rechten Sinn in diesen Worten.

Er wusste auch nicht, weshalb sie ihm gerade jetzt einfielen.

Er schnaubte, bewegte sich leicht im Sattel und schlug den Kragen seines Schaffellmantels nach oben. Es war reiner Reflex, denn die Brise machte ihm eigentlich nichts aus. Er spürte die Kälte der Steppe zu dieser Jahreszeit schon längst nicht mehr - ja, warte nur ab, bis der richtige Winter kommt und es Zeit wird, sich mit Fett einzuschmieren -, aber die einstudierte Bewegung war eine jener Eigenarten, die er aus Yhelteth heimgebracht hatte, und er hatte keine Lust, sie sich wieder abzugewöhnen. Bloß ein Überbleibsel, wie die Erinnerungen an den Süden, die einfach nicht verblassen wollten, und das vage Gefühl von Distanziertheit, das Lara vor Gericht geltend gemacht hatte, als sie ihn verlassen hatte und in die Jurte ihrer Familie zurückgekehrt war.

Verdammt, wie ich dich vermisse, Mädel!

Er gab sich alle Mühe, diesen Gedanken mit echter Melancholie zu unterfüttern, war jedoch nicht mit dem Herzen dabei. Er vermisste sie nicht im Geringsten. In den letzten sechs oder sieben Jahren musste er fast ein Dutzend schreiender Bündel von den Toren Ishlin-ichans bis zu den Außenposten der Tundra von Voronak im Nordosten gezeugt haben, und mindestens die Hälfte der Mütter stand ihm gefühlsmäßig so nahe wie Lara. Die Ehe hatte nie so funktioniert wie die Sommerromanze, die ihr vorausging. Um die Wahrheit zu sagen, war er bei der Anhörung vor der Scheidungskammer vor allem erleichtert gewesen. Er hatte nur pro forma Widerspruch eingelegt, und das auch nur, damit Lara nicht noch wütender wurde, als sie es ohnehin schon war. Er hatte die Abfindung gezahlt und binnen einer Woche mit dem nächstbesten skaranakischen Milchmädchen im Bett gelegen. Sie hatten sich ihm praktisch an den Hals geworfen, als sich die Neuigkeit herumsprach, dass er wieder zu haben war.

Trotzdem. Die hatte schon besonders wenig Anstand.

Er verzog das Gesicht. Anstand war kein Ausdruck, den er benutzte, verdammt! Es war überhaupt nicht sein Ausdruck, aber da lag er in seinem Kopf eingebettet wie alles andere. Lara hatte recht gehabt, er hätte niemals den Eid leisten sollen. Wahrscheinlich hatte er es nur wegen ihrer Augen getan, als sie sich ihm in dem dämmrigen Gras dargeboten hatte, wegen dieser überraschend jadegrünen Pupillen, bei der ihn Erinnerungen an Imrana und ihre musselinbehängte Schlafkammer durchzuckten.

Ja, diese Augen, und diese Titten, mein Sohn. Titten hatte die, für die hätte der alte Urann persönlich seine Seele verkauft.

Das war schon besser. Das waren die Gedanken eines majakischen Reiters.

Hör auf zu brüten, verdammt noch mal. Freu dich lieber an dem, was dir der Himmel geschenkt hat!

Er kratzte sich mit einem harten Fingernagel unter seiner Mütze aus Büffelhaut und beobachtete Runi und Klarn, die in der Dämmerung die Herde zurück ins Lager trieben. Jeder Büffel, den er sah, war sein Eigentum, ganz zu schweigen von den Anteilen, die er an den Herden Ishlinaks weiter westlich hielt. Auf den roten und grauen Klanstandern, die an ihren Fahnenstangen wehten, stand in majakischer Schrift sein Name. Er war in der ganzen Steppe bekannt; in allen Lagern, die er aufsuchte, machten die Frauen für ihn die Beine

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