text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Der Bär und die Nachtigall Roman von Arden, Katherine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.10.2019
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
13,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Der Bär und die Nachtigall

Hüte dich vor dem, was in den Wäldern haust ...
In einem Dorf am Rande der Wildnis, weit im Norden Russlands, wo der Wind kalt bläst und der Schnee viele Monate des Jahres fällt, erzählt die alte Dienerin Dunja den Kindern des Grundbesitzers Pjotr Wladimirowitsch Geschichten über Zauberei, Folklore und den Winterkönig mit den frostblauen Augen. Verbotene Geschichten über eine uralte Magie. Doch für die junge, wilde Wasja sind dies weit mehr als Märchen. Sie allein kann die Geister sehen, die ihr Zuhause beschützen. Und sie allein spürt, dass sich in den Wäldern eine dunkle Magie erhebt ...

Katherine Arden, geboren in Austin, Texas, studierte Französische und Russische Literatur am Middlebury College in Vermont und verbrachte ein Auslandssemester in Moskau. Nach ihrem Abschluss lebte sie in Maui auf Hawaii und in Briançon in Frankreich. Während dieser Zeit nahm sie alle möglichen Jobs an, arbeitete auf einer Farm, unterrichtete , und begann ihren ersten Roman "Der Bär und die Nachtigall" zu schreiben. Zurzeit lebt sie in Vermont.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 432
    Erscheinungsdatum: 14.10.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641240745
    Verlag: Heyne
    Serie: Heyne Bücher 32003
    Originaltitel: The Bear and the Nightingale - Winternight Trilogy Book 1
    Größe: 1412 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Der Bär und die Nachtigall

1

Frost

Es war Spätwinter in Nord-Rus und der Himmel düster vom Niederschlag, der weder Regen noch Schnee war. Die strahlende Februarlandschaft war vom trostlosen Grau des Monats März verdrängt worden, die Nasen in Pjotr Wladimirowitschs Haushalt trieften, und alle waren abgemagert nach sechs Wochen mit kargem Schwarzbrot und eingelegtem Kohl. Doch niemand dachte an Frostbeulen oder Schnupfen, ja nicht einmal an Haferbrei und gebratenes Fleisch, denn Dunja würde gleich eine Geschichte erzählen.

Die alte Frau hatte sich den besten Platz dafür ausgesucht: die Holzbank neben dem Ofen in der Küche. Bei dem Ofen handelte es sich um eine riesige Konstruktion aus gebranntem Ton, er war mehr als mannshoch und so groß, dass Pjotr Wladimirowitschs vier Kinder leicht hineingepasst hätten. Die flache Oberseite diente als Schlafgelegenheit; die Hitze im Inneren kochte die Speisen, beheizte die Küche und bereitete Dampfbäder für die Kranken vor.

»Was wollt ihr heute Abend hören?«, erkundigte sich Dunja und genoss die Wärme in ihrem Rücken. Pjotrs Kinder saßen kerzengerade auf ihren Schemeln vor ihr. Sie alle liebten Geschichten, selbst Sascha, der Zweitgeborene. Hätte jemand ihn gefragt, hätte er - ernst und fromm wie er war - zwar vehement behauptet, er würde den Abend lieber mit Gebeten verbringen, doch in der Kirche war es kalt und der Schneeregen draußen war erbarmungslos. Sascha hatte kurz zur Tür hinausgeschaut, sich einen nassen Kopf geholt und sich schließlich mit einer Miene gottesfürchtiger Gleichmut ein Stückchen abseits der kleinen Gruppe auf einen Stuhl gesetzt.

Die anderen riefen auf Dunjas Frage hin alle durcheinander:

»Finist der Falke!«

»Iwan und der graue Wolf!«

»Feuervogel! Feuervogel!«

Der kleine Aljoscha stellte sich auf seinen Schemel und fuchtelte mit den Armen, um sich unter seinen älteren Geschwistern Gehör zu verschaffen. Pjotrs Dogge hob den großen, vernarbten Kopf ob des Tumults.

Noch bevor Dunja etwas sagen konnte, wurde die Eingangstür aufgestoßen, sodass das Brüllen des Sturms hereinfuhr. Eine Frau stand im Türrahmen und schüttelte sich die langen, nassen Haare aus. Ihr Gesicht glühte wegen der Kälte, und sie war sogar noch dünner als ihre eigenen Kinder. Ihre tief liegenden Augen reflektierten den Feuerschein, Schatten tanzten über ihre hohlen Wangen, den kantigen Kehlkopf und die Schläfen. Sie hob Aljoscha hoch und drückte ihn an sich.

Der Kleine quiekte vor Entzücken. »Mutter!«, rief er, »Matjuschka!«

Marina Iwanowna ließ sich mit Aljoscha auf einen Stuhl sinken und rückte näher ans Feuer. Der Kleine grub die Hände in ihren Zopf. Sie zitterte, auch wenn es unter ihrer dicken Kleidung nicht zu sehen war. »Betet, dass die arme Aue heute Nacht lammt«, sagte sie. »Sonst sehen wir euren Vater nie wieder, fürchte ich. Erzählst du gerade eine Geschichte, Dunja?«

»Sobald endlich alle still sind«, antwortete die alte Frau knapp. Sie war auch Marinas Kindermädchen gewesen, vor langer Zeit.

»Ich wüsste eine«, sagte Marina sogleich. Ihr Ton war leicht, ihr Blick jedoch dunkel. Dunja musterte sie, draußen seufzte der Wind. »Erzähl uns die Geschichte von Väterchen Frost, Dunjaschka. Erzähl uns vom Frostdämon, dem Winterkönig Karatschun. Er streift draußen umher und ist wütend über das Tauwetter.«

Dunja zögerte, die älteren Kinder schauten einander an. Der heutige Name für Väterchen Frost lautete Morosko, der Winterdämon. Doch vor langer Zeit nannten die Menschen ihn Karatschun, den Todesgott. Damals war er der König des schwärzesten Winters, der sich nachts die bösen Kinder holte. Der Name stand unter keinem guten Stern. Es brachte Unglück, wenn man ihn aussprach, solange der Dämon das Land noch in seinem eisigen Griff hielt. Marina drückte ihren Sohn so fest, dass er sich wand und an ihrem Zopf zog.

»Na gut«, sagte Dunja schließlich. »Ich erzähle euch die Geschichte von Moros

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen