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Der König und die Gärtnerin Geschichten über ein ungleiches Paar - Märchen für Erwachsene von Winter, Carmen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.07.2010
  • Verlag: Drachenmond Verlag
eBook (ePUB)
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Der König und die Gärtnerin

Als der König in seinem Schlossgarten der Gärtnerin begegnet, fordert er sie auf, mit ihm zu leben und ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen. Carmen Winter portraitiert mit poetischen Bildern ein ungleiches Paar, das das Schöne und das Schwere in der Liebe erfährt und daran wächst. Die Geschichten verzaubern dabei durch eine kluge und lebendige Erzählweise, die das Mittel des märchenhaften Umfeldes geschickt als Sinnbild für alltägliche Situationen einer Beziehung nutzt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 106
    Erscheinungsdatum: 02.07.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783959910088
    Verlag: Drachenmond Verlag
    Größe: 734kBytes
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Der König und die Gärtnerin

Kapitel 1

In dem der König seine Gärtnerin entdeckt, sie zu sich holt, wieder davon schickt, lange nach ihr sucht und sie schließlich wieder findet

Als der König am Morgen aufwachte, war noch alles normal. Aber schon beim Frühstück spürte er, dass eine kleine Traurigkeit in ihm aufkeimte. Der Morgenkaffee war ausgezeichnet, sein Pfeifchen schmeckte ihm, aber die Traurigkeit wollte nicht verschwinden. Im Gegenteil, langsam machte sie sich breit in ihm, wuchs und wuchs. Gut, dass ich ordentlich gegessen habe, dachte der König, da wo Rühreier mit Speck und drei Scheiben Brot liegen, hat die Traurigkeit keinen Platz.

Dennoch, es gefiel ihm nicht, dieses traurige Gefühl im Bauch, also ging er in den Garten. Der Garten hatte ihm in solchen Fällen immer geholfen. Die Freitreppe hinab, dann den ersten Querweg nach rechts eingebogen und schon stand er in einem Meer von Blüten, Blüten in allen Rottönen, die das Auge widerzuspiegeln vermochte. Vögel sangen ihr Lied. Der König beugte sich über eine Rose und sog ihren Duft ein. Schon merkte er, wie die Traurigkeit sich langsam zurückzog. Zuerst verschwand sie hinter seinen Augen, dann hinter der Nase und hinter den Ohren. Sie kroch den Hals hinab und wurde kleiner und kleiner.

Plötzlich bewegte sich etwas Großes im Garten. Der König war ein wenig erschrocken, dann erkannte er den Rücken eines Menschen. "Heda", rief er, "was machst du in meinem Garten?" Der Mensch drehte sich um und antwortete mit heller Stimme: "Ich bin deine Gärtnerin - Herr König."

Der König kam näher, noch näher, so nahe, dass er in den Augen der Gärtnerin das Spiegelbild seines rotblühenden Gartens sehen konnte. "Du bist schön", sagte er. Und in seinem Bauch machte sich schon wieder so ein Gefühl breit. War das schon wieder diese Traurigkeit?

Die Gärtnerin antwortete zuerst gar nichts. Dann sagte sie schnell: "Soll ich dir deinen Garten zeigen - Herr König?"

"Nein", sagte der König, "ich will, dass du zu mir ins Schloss kommst und bei mir lebst. Um den Garten kann sich auch jemand anders kümmern. Aber, du darfst nichts aus deiner Vergangenheit mitbringen. Nichts, gar nichts. Verabschiede dich von allem und komme so zu mir, wie du einst zu deiner Mutter kamst." Sprach's, drehte sich um und ging zurück ins Schloss.

Wie ich zu meiner Mutter kam, dachte die Gärtnerin. Nackt und bloß, mit nichts also. Na ja, ein König kann sich so was leisten, der braucht keine Braut mit großer Mitgift. Die Gärtnerin ging also nach Hause, um sich von ihren Eltern zu verabschieden. Was der König nicht wusste, sie hatte auch ein Kind, auch von dem musste sie sich verabschieden. Aber vielleicht würde er ihrer ja schon bald überdrüssig sein und sie wieder frei lassen. Man erzählte sich im einfachen Volk so manches von den reichen Leuten und eben auch die Geschichten vom immer neuen Spielzeug, dass sie brauchten. Es war also besser, sich nicht zu widersetzen, nicht zu riskieren, dass man ins Verlies gesperrt wurde und Schaden an der Gesundheit nahm, sondern zu gehorchen und zu hoffen. Die Eltern gaben ihr noch manchen guten Rat mit auf den Weg, versprachen auch, sich liebevoll um das Kind zu kümmern, dann ging sie.

Sie trug nur einen weiten alten Mantel, den würde sie vor dem Schloss zurücklassen. Das Barfußgehen war sie gewohnt, die Gräser kitzelten sie zwischen ihren Zehen. Ihr Weg führte sie durch den Garten mit den roten Blüten. Da sah sie, dass der Hibiskus aufgeblüht war. Sie pflückte eine Blüte und steckte sie sich ins Haar.

Vor dem Schloss angekommen ließ sie den Mantel fallen und trat ein. Alle Kerzen leuchteten. Rosenblätter waren gestreut. Der König stand mit klopfendem Herzen direkt hinter der Tür und wartete auf sie. Er schaute sie an, wieder blieb sein Blick am Spiegel ihrer Augen hängen. Und die Gärtnerin tat einen tiefen Blick in seine Seele. Da sah sie seine Sehnsucht und eine kleine Hoffnung, winzig klein noch, aber vielleicht, vielleich

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