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Der Monolith - Ein Land für Helden 2 - Roman von Mann, Phillip (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.10.2014
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Der Monolith -

Die Kraft des Menhirs Britannien, 1993: In einer Welt, in der das Römische Weltreich noch besteht und man von Eboracum - York - bis an die Südküste wandern kann, ohne je aus dem Schatten der Wälder herauszukommen, sind drei ganz unterschiedliche Menschen dem Imperium und seinen starren Gesetzen entkommen. Sie haben sich zu den Heiden in die Wälder geflüchtet und dabei ein uraltes, magisches Britannien entdeckt, das sich anschickt, den Römern die Stirn zu bieten. Doch ihr Versteck wurde entdeckt, und erneut sind Miranda, Angus und Viti auf der Flucht. Sie wollen zu Stand Alone Stan, einer Gemeinde, die rund um einen Monolithen im Yorkshire Moor entstanden ist. Doch die Reise ist gefährlich, denn Wildkatzen, Bären und Wölfe lauern in den Wäldern, und die Römer sind ihnen dicht auf den Fersen ... Phillip Mann wurde 1942 in Northallerton, Yorkshire geboren und lebt seit 1969 in Neuseeland. Von 1970 bis 1998 unterrichtete er Theaterwissenschaften an der Victoria University of Wellington, diesen Posten gab er auf, um sich anderen Projekten zu widmen. 1982 erschien sein erster Roman 'Das Auge der Königin', der den Auftakt zu einer Reihe weiterer SF-Romanen bildete (z. B. 'Der Herr von Paxwax', 'Der Fall der Familien', 'Pioniere', 'Wolfsgarn' und die 'Ein Land für Helden'-Tetralogie). Ab Mitte der 1990er Jahre schrieb Mann keine Science Fiction mehr, um sich vor allem dem Theater zu widmen; erst 2013 kehrte er zu diesem Genre zurück.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Erscheinungsdatum: 30.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641116750
    Verlag: Heyne
    Größe: 546 kBytes
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Der Monolith -

2

Auf dem Weg nach Stand Alone Stan

Coll, Angus und Miranda, die den Kopf tief in ihrer Kapuze vergraben hatten, redeten beim Gehen nicht miteinander. Sie wichen dem weichen Schlamm und den Pfützen aus, die sich auf dem Waldpfad unter den Bäumen gebildet hatten. Die einzigen Geräusche waren das Quietschen ihrer Schritte und der plötzliche Wasserguss, wenn der Wind die hohen Bäume durchrüttelte und die Blätter sich neigten.

Jeder von ihnen hatte sich in seine eigene Gedankenwelt verloren, sie achteten kaum auf den dunklen Pfad, auf dem sie entlangstapften. Angesichts der grausigen Erinnerung an den Überfall auf das Dorf hatten sich bei jedem von ihnen Hoffnung, Energie und die Zielbewusstheit, mit der sie am frühen Morgen aufgebrochen waren, nach und nach verflüchtigt. Diese Erinnerung konnten sie nicht ruhen lassen, sie mussten sich mit ihr auseinandersetzen und sie annehmen. Die Gewalt, deren Zeuge sie gewesen waren, hatte jeden der drei auf ganz eigene Weise schockiert: Jeder fühlte sich von ihr verletzt, von ihr beschmutzt, von ihr herausgefordert.

Miranda hielt die Schachtel mit dem Schädel, der ihr freundlich gesonnen war und sie beschützen sollte, eng an die Brust gedrückt. Bella hatte ihr den Schädel geschenkt, ehe das Gasthaus niedergebrannt wurde. Bella hatte richtig erraten, dass Miranda sich ohne die vertraute Routine des Gasthausalltags und ohne die wärmenden Arme von Gwydion einsam und verlassen vorkommen würde. Ihr eigenes, fein ausgeprägtes Einfühlungsvermögen und ihr gesunder Menschenverstand hatten sie dazu veranlasst, trotz der Eile und Hektik, mit der das Gasthaus geräumt wurde, in die Nische über Mirandas Zimmertür zu greifen, den Schädel herauszuholen, ihn abzustauben und ihn Miranda zu reichen. "Nimm ihn. Gwydion wird eine Schachtel dafür finden. Ich schätze, die alte Polly hat dich ins Herz geschlossen. Und in fünf Minuten oder so braucht sie auf dieses Zimmer sowieso nicht mehr aufzupassen. Sie wird dich sicher bewahren - egal, was passiert."

Miranda hatte den Schädel von Bellas Urgroßmutter an sich genommen und Bella dankbar geküsst.

Als sie den Schädel in seiner Schachtel verstaut und auf Rosmarinzweige und zusammengerollte Kügelchen von Zitronenmelisse gebettet hatte, wurde ihr bewusst, wie seltsam sie geworden war. Was war aus dem konventionellen Mädchen geworden, das eine Musterschülerin der polytechnischen Schule von Eburacum gewesen war? Wer war diese Heidin mit den strahlenden Augen, die Trost in dem Schädel einer Frau fand, die schon seit mehr als vierzig Jahren tot war? Es spielte keine Rolle. Miranda, die Realistin, war inzwischen genauso stark wie Miranda, die Romantikerin, und sie suchte Trost, wo sich ihr Trost bot, egal, wie seltsam dieser Trost sein mochte.

Deshalb hielt Miranda jetzt beim Gehen die Schachtel eng an sich gedrückt und versuchte sich vorzustellen, dass die alte Polly mit ihr ging. Trotzdem konnte sie sich nicht gegen das Gefühl von Einsamkeit wehren. "Ist das alles, um was es in diesem Leben geht?", fragte sie sich traurig. "Kaum findet man Trost, ist er auf und davon." Ihr fielen Jungen ein, die sie einmal auf den Straßen von Eburacum beobachtet hatte. Sie ärgerten einen Hund, befestigten einen Knochen an einer Schnur und schlenkerten ihn vor seinem sabbernden Maul hin und her. Sie hatte gesehen, wie der Hund hochgesprungen, gebellt und in die Luft geschnappt hatte.

Miranda zitterte. Ihre Füße fühlten sich feucht an. Der Regen war durch eine Naht in ihre Kapuze gedrungen, das Wasser tropfte ihr in den Nacken. Es juckte sie am Rücken, im Gesicht und an den Oberschenkeln, wo der Nesselausschlag heilte. Ihr wurde fast schwindelig bei der Erinnerung daran, wie die Sturmsoldaten angekommen waren und in Bellas Augen Panik gestanden hatte, als sie Miranda die Brennnesseln ins Gesicht warf. Wieder hörte sie Bella schreien:

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