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Der Oktobermann Kurzroman von Aaronovitch, Ben (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.09.2019
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
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Der Oktobermann

"Die Flüsse von London" fließen nach Deutschland ... ... denn auch hierzulande gibt es magische Vorkommnisse! Das deutsche Pendant zu Peter Grant heißt Tobi Winter und arbeitet beim BKA (Abteilung fu r komplexe und diffuse Angelegenheiten, sprich: Magie). Tobi bekommt es mit seltsamen Bräuchen in den Weinbergen rund um Trier zu tun – und mit einem u bernatu rlichen Rätsel, das schon Hunderte von Jahren alt ist. Selbstverständlich hat in dieser Gegend auch die Mosel ein Wörtchen mitzureden, wenn es magisch wird. Ben Aaronovitch wurde in London geboren und lebt auch heute noch dort. Wenn er gerade keine Romane oder Fernsehdrehbücher schreibt (er hat u. a. Drehbücher zu der englischen TV-Kultserie 'Doctor Who' verfasst), arbeitet er als Buchhändler. Seine Fantasy-Reihe um den Londoner Polizisten Peter Grant mit übersinnlichen Kräften eroberte die internationalen Bestsellerlisten im Sturm.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 20.09.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423436007
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Originaltitel: The October Man
    Größe: 1072 kBytes
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Der Oktobermann

1 Kartoffelfeuer

Immer Ende September, Anfang Oktober, wenn die Tage schon ziemlich kurz werden, überkommt meinen Vater ein sonderbarer Wahn. Zum allgemeinen Missfallen unserer Nachbarn errichtet er mitten in unserem Garten ein großes Lagerfeuer und lädt Freunde, Kollegen und - ja - auch die Nachbarn zu Bier und im Feuer gebackenen Kartoffeln ein. Auf Privatgelände in Mannheim-Gartenstadt ein Feuer zu machen, ist vielleicht nicht direkt illegal, aber auch nicht gerade rücksichtsvoll. Anzeige hat trotzdem noch kein Nachbar erstattet.

Was daran liegen mag, dass mein Vater der städtische Polizeipräsident ist, vielleicht aber auch an seinen legendären Grillsteaks und der Tatsache, dass er mit dem Bier nicht knauserig ist. Im Geiste ist mein Vater so was wie ein kraftstrotzender Naturbursche aus den Weiten Niedersachsens, mit erfreulichen Erinnerungen an die wohlgestalten Kartoffelköniginnen seiner Jugend. Tatsächlich kommt er aus Ludwigshafen und ist ein schmales Hemd von einem Mann, der die Versuche, sich einen zünftigen Schnurrbart stehen zu lassen, schon Mitte der Siebziger erfolglos einstellen musste.

"Onkel" Stefan, seit dreißig Jahren engster Mitarbeiter und Vertrauter meines Vaters, sagte mir einmal, dieser sei der bemerkenswerteste unscheinbare Mensch, der je auf der Erde wandelte. Meine Mutter sagt, sie hätte meinen Vater damals nur geheiratet, weil er so viel erwachsener war als alle anderen Männer, die sie kannte, und wenn er einmal im Jahr einen Biergarten hinterm Haus aufziehen wollte, könnte sie damit sehr gut leben.

Mir hat unser jährliches Kartoffelfeuer schon immer gefallen, besonders, seit ich erwachsen bin und auch was vom Bier abbekomme. Und seit ich erwachsen und selbst bei der Polizei bin, darf ich bei den Großen sitzen, wo die richtig guten Abenteuergeschichten erzählt werden. Nicht dass ich selbst welche auf Lager hätte - also, jedenfalls keine, die jemand außerhalb der Abteilung KDA hören dürfte. Die besten Geschichten erzählt Stefan, zum Beispiel die von dem Holländer und dem Gürteltier. Oder als er mal eine Nonne wegen Ruhestörung und groben Unfugs verhaften musste.

Oder als er die zwei halb verwesten Kinderleichen im Schrank fand - ein Mädchen und einen Jungen.

"Unser Job", sagte er und sah mich über sein Bier hinweg an, "ist zu neunzig Prozent Papierkram, zu neun Prozent Ärger und zu einem Prozent der pure Horror." Er hatte ein grob geschnittenes Gesicht mit kleinen grauen Augen, deren Blick erschreckend schnell von leutselig in bedrohlich funkelnd umschlagen konnte. Musste ziemlich praktisch bei Vernehmungen gewesen sein, damals, als er sich noch selbst die Hände schmutzig machte.

Ich muss einigermaßen beeindruckt gewirkt haben, denn mein Vater fing sofort mit den Belehrungen an. "Polizist ist ein nobler Beruf, Tobi", sagte er, "aber trotz allem ist es nur ein Beruf, und nach Feierabend sollte man das alles beiseiteschieben und sich den wichtigen Dingen des Lebens zuwenden können."

"Und die wären?", fragte ich.

"Familie. Freunde. Haus, Herd und Hund."

"Er hofft nur, dass du endlich mal was Dauerhaftes mit einem Mädel anfängst", bemerkte Stefan. "Er hat Angst, dass dir der falsche Fall vor der richtigen Frau begegnet."

Papa schnaubte, aber ich spürte, dass er Stefan dankbar für die direkten Worte war.

"Du hast Angst, dass mir was passiert?"

Papa schüttelte den Kopf.

"Der falsche Fall hat nichts unbedingt was mit Lebensgefahr zu tun. Dass jeder jeden Moment abkratzen kann, sieht man schon, wenn man ein paar Tage mit den Kollegen von der Verkehrspolizei verbringt", sagte Stefan und bestätigte mal wieder eindrucksvoll seinen Ruf als Stimmungskanone auf jeder Party.

"Wie wahr", murmelte mein Vater in sein Bier.

"Was ist der falsche Fall dann?", fragte ich.

"Der, bei dem du den Abstand verlierst", sagte Stefan. "In de

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