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Der Vampir von Melaten von Buslau, Oliver (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.02.2016
  • Verlag: Emons Verlag
eBook (ePUB)
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Der Vampir von Melaten

Als der legendäre Pianist Luc D'Auber in Köln ein Konzert gibt, sieht die Journalistin Gardis Schönborn ihre Chance: Niemand hat je ein Interview mit ihm gemacht, und niemand weiß genau, wer er ist. Nur eins ist sicher: Seine Musik verzaubert eine eingeschworene Fangemeinde. Nach dem Konzert sucht D'Auber überraschend Gardis' Hilfe - und eine dramatische Verfolgungsjagd beginnt. Gardis gerät ins Fadenkreuz eines geheimen Vampirjägerordens und steht vor einer schweren Entscheidung. Ist D'Auber der gesuchte Vampir von Melaten? Oliver Buslau, 1962 geboren, schrieb acht Kriminalromane um den Wuppertaler Privatdetektiv Remigius Rott sowie die Rheintal-Krimis 'Schängels Schatten' und 'Das Gift der Engel'. 2000 gründete er die Zeitschrift 'TextArt - Magazin für kreatives Schreiben', die er als Chefredakteur leitet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 300
    Erscheinungsdatum: 29.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863586492
    Verlag: Emons Verlag
    Größe: 2823 kBytes
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Der Vampir von Melaten

2

Gardis fehlte die Geduld, auf den Aufzug zu warten, und sie wollte auch nicht in der engen Kabine nach oben fahren. Der Arzt hatte ihr nach dem Unfall Bewegung verordnet, und es war sicher gut für sie, die zwei Stockwerke zu Fuß über die Treppe hinaufzugehen. Vielleicht versorgte sie das sogar mit der nötigen Power, die sie für das Gespräch mit Paul unbedingt brauchte.

Sie fühlte sich müde und schlapp. Seit einiger Zeit schlief sie schlecht. Das war kein Wunder, wenn sie bedachte, was sie erlebt hatte. Und wenn sie endlich Schlaf fand, quälten sie seltsame Träume.

Egal, dachte sie, während sie Stufe um Stufe nahm. Konzentriere dich auf die Zukunft. Und die liegt oben im Büro des Chefredakteurs.

Sie hatte die erste Etage hinter sich gelassen, da erregte eine Bewegung ihre Aufmerksamkeit. Die Treppe führte an einem breiten Fenster vorbei, das einen Blick über die verschachtelten Dächer der näheren Umgebung bot. Auf Fensterfronten, Backsteine, schmutziges Metall, angerostete Notleitern, angegraute Kamine. Gardis zuckte zusammen, als ein Schatten vom grauen Himmel herniederraste und etwas packte, das sich hilflos auf den Dachziegeln wand. Selbst durch die dicke Scheibe hindurch war erbärmliches Geschrei zu hören.

Eine Amsel in den Klauen eines Raubvogels. Mitten in der Stadt!

In schnellem Rhythmus öffnete und schloss sich der gelbe Schnabel des gefangenen Tieres. Die glänzenden schwarzen Augen starrten Gardis direkt an und schienen sie um Rettung anzuflehen. Der riesige Raubvogel hatte sie ebenfalls bemerkt und hielt sie wohl für eine Konkurrentin. Heftiges Flügelschlagen, weitere Sekunden dieses schrecklichen Geschreis, das Gardis bis in die Seele drang - und Beute und Jäger verschwanden in den Himmel. Auf den Dachziegeln blieb nichts zurück als ein paar kleine Federn.

Sie griff an das Geländer neben der Treppe. Der Schweiß stand ihr auf der Stirn, ihr Herz raste. Sie schnappte nach Luft und zwang sich, weiterzugehen.

Ihr Verstand versuchte, die Oberhand zu gewinnen und ihr auszureden, was ihr Unterbewusstsein in ihr Denken drücken wollte.

Dass das Erlebnis mit dem Vogel ein Zeichen gewesen war. Ein Symbol für ihre Situation. Gardis in den Fängen eines seltsamen Schicksals, einer unsichtbaren Macht, die sie in ihren Klauen hielt und eine Pechsträhne auslöste.

Aber es liegt zum großen Teil an dir, ob du Glück oder Pech hast, dachte sie, und wie deine beruflichen Chancen stehen. Sicher, die letzten Wochen waren schlimm, du hast viel gegrübelt, und dabei haben sich viele schlechte Gedanken angehäuft. Aber das muss jetzt vorbei sein. Nutze deine Möglichkeiten und sieh zu, dass du wieder ans Arbeiten kommst.

Sie betrat den Flur, und sofort umgab sie ein Mief aus Gerüchen nach Plastik, Teppichboden und Putzmitteln. Hinter dem Empfangstresen stand diese Frau, deren Namen sie sich einfach nicht merken konnte.

"Frau Schönborn! Wie geht es Ihnen? Sind Sie wieder gesund? Wir haben gehört, dass Sie eine Weile ... weg waren."

Weiße Bluse und Jeansrock, die Haare streng zurückgekämmt. Die große Brille hätte zu einer Lehrerin gepasst. Gardis hatte sich oft gefragt, wie alt sie sein mochte. Allerhöchstens Anfang dreißig. Wenn man sie von Weitem sah, wirkte sie wie fünfzig.

"Danke, gut", sagte Gardis. "Ich möchte zu Paul."

Sie kam sich vor wie eine Bittstellerin. Unbeholfen und fremd. Klinik und Reha hatten ihr wohl ausgetrieben, wie man es anging, einen Job zu bekommen. Man tauchte nicht einfach in Redaktionen auf. Man rief vorher an. Man schrieb eine Mail.

Die Frau reagierte, wie Gardis es befürchtet hatte. Sie blätterte in einem Kalender, der vor ihr auf dem Tresen lag. Als wäre Paul Breuer, der Chefredakteur, ein Arzt, der zehnminutenweise seine Patienten behandelte. "Ich kann mich nicht erinnern, dass Sie heute einen Termin haben?"

War da ein kleines Naserümpfen in ihrem Gesicht?

Sei

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