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Die Bewegung Roman von Lindqvist, John Ajvide (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.07.2018
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Die Bewegung

Stockholm 1985: In der Nähe des Brunkebergstunnels, dort, wo später Olof Palme ermordet werden wird, zieht ein Mann namens John in eine Hinterhofwohnung ein. Er ist 19 Jahre alt und versucht als Zauberer seinen Lebensunterhalt zu verdienen - so wie der Autor John Ajvide Lindqvist es einmal selbst tat. Nach und nach bemerkt der fiktive John, dass in dem Wohnhaus merkwürdige Dinge geschehen und die Mitbewohner sich zu einer unheimlichen Bewegung zusammenfinden, die mit Blut Träume wahr werden lässt ...

John Ajvide Lindqvist ist aufgewachsen in Blackeberg, einem Vorort von Stockholm. Dort leben auch die Helden seines weltweit erfolgreichen Romandebüts So finster die Nacht, das für das internationale Kino verfilmt wurde. Der 'schwedische Stephen King' (Dagens Nyheter) begann seine Karriere als Zauberkünstler und widmet sich inzwischen jedoch ganz dem Schreiben. Mit großem Erfolg. Er wurde 2008 mit dem Selma-Lagerlöf-Preis ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 332
    Erscheinungsdatum: 27.07.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732556748
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Rörelsen
    Größe: 612 kBytes
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Die Bewegung

Als ich am Hötorget ausstieg, stellte sich heraus, dass der Ausgang zur Tunnelgatan gesperrt war, also nahm ich die Rolltreppe zur Centralhallen, wo ich wie immer kurz die Orientierung verlor, bevor ich den Ausgang zur Kungsgatan fand.

Es herrschte Weihnachtsstimmung. Zwischen den Fassaden waren Lichterketten aufgespannt, und weil es Mittagszeit war, nahmen viele Menschen die Pause wahr, um Geschenke zu kaufen. Abgesehen von dem Eimer mit dem Rosenstrauch passte ich mit meinen vielen Tüten gut ins Straßenbild, als ich bei Ströms Modegeschäft abbog und den Sveavägen hinunterging.

Der Schnee war so üppig gefallen, von so vielen Füßen festgetreten und so oft gesandet worden, dass er sich wie ein zusätzlicher Straßenbelag unter meinen Schuhsohlen anfühlte. Alles war vertraut und doch gleichzeitig fremd, die Straßen waren wie alte Bekannte, die man lange nicht gesehen hat und die plötzlich neue Kleider tragen und sich neue Frisuren zugelegt haben. Sie waren dieselben und doch auch wieder nicht.

Auch bei Dekorima war das Schaufenster weihnachtlich geschmückt. Eine Weihnachtsmannpuppe stand mit einem Pinsel in der einen und einer Palette in der anderen Hand vor einer Staffelei und malte eine Schale mit Apfelsinen mit hineingesteckten Nelken ab. Ich begann eine Gedankenkette zu spinnen, wie all das mit Jesu Geburt in Zusammenhang stehen könnte, aber sie wurde unterbrochen, als ich in die Tunnelgatan abbog.

Die Straße, die früher wie eine leere Verbindung zwischen dem Sveavägen und dem Tunneleingang gewirkt hatte, wurde plötzlich von vier Baubaracken dominiert, die in zwei Stockwerken übereinandergestapelt waren. Das Schild des Restaurants an der Ecke war nicht mehr zu sehen, und um das zu kompensieren, hatte man eine Plane an der Wand der Baracke aufgehängt, die vom Sveavägen aus zu lesen war: "Bohemia Bar und Restaurant".

Als ich die Baracken passiert hatte, entdeckte ich den Grund für die Errichtung der Bauarbeiterunterkünfte. Die Seite meines Hauses, die Wand an Wand mit dem Tunnel lag, war komplett eingerüstet und mit Planen abgehängt worden, sodass einige meiner Nachbarn, darunter Elsa, es jetzt ziemlich dunkel in ihrer Wohnung haben mussten.

An diesem Tag waren keine Bauarbeiter zu sehen, vielleicht sollte das Projekt ja über die Weihnachtstage ruhen. Es schien sich um Renovierungsmaßnahmen zu handeln, aber warum nur auf der Seite zum Tunnel? Ich konnte gar nicht anders, als es mit dem zu verknüpfen, was ich bereits wusste. Es hatte eine Bewegung gegeben, und vielleicht war etwas zerbrochen.

Die Arme taten mir weh, als ich meine Tüten und den Eimer abstellte, um den Türcode einzugeben. Das Frauenwahlrecht funktionierte immer noch. Ich schleppte mich und meine Sachen weiter durch das Treppenhaus und in den Hof. Alles sah aus wie immer, abgesehen von der Schneedecke, die alle Oberflächen verbarg. Zwischen der Feuertreppe, der Hoftür und der Waschküche waren Pfade ausgetreten, aber auf dem Weg zu meinem Haus lag der Schnee mehrere Handbreit hoch und war unberührt. Ich ließ meinen Blick über die Fassaden gleiten, über die Fenster, aber es waren keine Gesichter zu sehen, und niemand bemerkte meine Ankunft. Irgendwie enttäuschte mich das. Schließlich kam ich doch jetzt.

Ich stapfte die Treppe hinauf und fegte den Absatz mit den Füßen einigermaßen sauber, bevor ich meinen Schlüssel herausfischte und die Tür aufschloss. Ein widerlicher Gestank schlug mir entgegen, und ich wich auf den Treppenabsatz zurück und wedelte mit der Hand vor meiner Nase.

Man kann es als Zeichen meiner Entschlossenheit deuten, dass ich den Gestank nicht, wie es sonst meine Art war, als Sabotage deutete oder als Zeichen dafür, dass etwas Schreckliches passieren würde, sondern ihn als das nahm, was er war: vergammelter Müll in meinem - wie ich mich jetzt erinnerte - vollen Mülleimer im Küchenschrank.

Ich holte draußen einmal tief Luft, hielt den Atem an und nahm das Prob

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