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Die Bibliothek der flüsternden Schatten - Bücherkrieg Roman von El-Bahay, Akram (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.09.2019
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
10,99 €
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Die Bibliothek der flüsternden Schatten - Bücherkrieg

Der ehemalige Dieb Sam und die Gelehrtentochter Kani sind erleichtert: Die Fabelwesen konnten erfolgreich aus ihrem Gefängnis - der unterirdischen Bibliothek von Mythia - befreit werden! Doch sie wissen auch, dass sich die dunkle Wüstenhexe Layl nicht so leicht geschlagen gibt. Mit dem Buch der geheimen Namen der Fabelwesen könnte sie ein neues Gefängnis bauen. So schmieden Sam und seine Gefährten einen Plan: Während der Flügelmann Nusar mit seiner Armee die Stadt angreift, soll Sam das Buch stehlen. Doch niemand weiß, wo die Wüstenhexe es versteckt hat ... Akram El-Bahay hat seine Leidenschaft, das Schreiben, zum Beruf gemacht: Er arbeitet als Journalist und Autor. Als Kind eines ägyptischen Vaters und einer deutschen Mutter ist er mit Einflüssen aus zwei Kulturen aufgewachsen und lässt sich ebenso von der Mythenwelt des Orients wie von westlichen Fantasytraditionen inspirieren. Er lebt mit seiner Familie in Nordrhein-Westfalen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 367
    Erscheinungsdatum: 30.09.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732573967
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Die Bibliothek der flüsternden Schatten - Bücherkrieg (Band 3)
    Größe: 1171 kBytes
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Die Bibliothek der flüsternden Schatten - Bücherkrieg

BESUCH DES NACHTBOTEN

S am wusste nicht, wie lange er geschlafen hatte. Oder ob er überhaupt richtig geschlafen hatte. Er fühlte sich so erschöpft, als hätte er kaum einige Minuten die Augen zugemacht. Doch Kani, die er an sich gedrückt hatte, als sie sich gemeinsam auf den Boden eines der seltsamen Häuser auf der Bergspitze gelegt hatten, war fort, ohne dass er es bemerkt hatte. Er fuhr sich über das Gesicht, drückte sich dann mühsam hoch und trat aus der Tür des Hauses. Tief sog er die frische Luft ein. Es war schneidend kalt hier oben. Sam hatte nicht mehr am Leib als die Sachen, die er in seiner letzten Nacht als Dieb getragen hatte. Schuhe mit einer so dünnen Sohle, dass man besonders gut in ihnen klettern konnte. Eine Hose und ein Gewand in einer Farbe, die irgendwie mit allem verschmolz und ihren Träger ein klein wenig unsichtbar machen konnte.

Die Nacht, in der er seinem Leben als Mitglied der berühmtesten Diebesgesellschaft Mythias entflohen war, schien Jahre zurückzuliegen. Sein letzter Raubzug. Der Wunsch, in die Wache des Weißen Königs aufgenommen zu werden, um allem davonzulaufen, was ihn an den Tod seines Bruders Jamal erinnerte. Seine erste Schicht als Wächter im gigantischen Bibliothekslabyrinth von Paramythia. Das Aufeinandertreffen mit den Asfura, den Flügelmenschen, die mordend einen Weg aus der Bücherstadt gesucht hatten. Und der Kuss, den Kani ihm unvermittelt auf die Lippen gedrückt hatte. Seit jener Nacht war sein Leben so sehr auf den Kopf gestellt worden, als hätte er sich in die Figur einer Geschichte verwandelt. Zusammen mit Kani und ihrem Vater, dem großen Gelehrten Hakim ed-Din, der sein Leben in den endlosen Gängen der Bücherstadt verloren hatte, war er auf die Suche nach dem Grund dafür gegangen, weshalb Fabelwesen zwischen den Büchern Paramythias zum Leben erwachten. Das Ausmaß der Verschwörung, die hinter all den kaum fassbaren Ereignissen steckte, verblüffte ihn noch immer. Sabah, die Beraterin des Weißen Königs: eine Wüstenhexe. Die maskierten Wächter der Bücherstadt: mörderische Iblise. Und der Weiße König selbst: ein Asfur, der seltsamerweise keine Schwingen auf dem Rücken trug. Das gefährlichste Geschöpf aber war Layl, die dunkle Seite der geheimnisvollen Sabah. Die beiden Sahiras teilten sich einen Leib, und Layl zeigte sich stets nur in der Nacht und wob dann ihre finsteren Pläne.

Sam sah Kani bei den steinernen Hexen stehen, doch als er zu ihr gehen wollte, legte sich eine Hand mit fünf langen Krallen auf seine Schulter.

"Wir haben das gleiche Ziel." Nusar. Seine Stimme war so dunkel wie die Nacht, die nun in der Dämmerung verging. Die schwarzen Flügel, die ihm aus dem Rücken wuchsen, hatte er angelegt, und das Muster, das seinen Leib zierte, schimmerte im Licht der aufgehenden Morgensonne. Der Asfur trug nicht mehr am Leib als eine Hose. Offenbar war seine Haut weit weniger empfindlich gegen die Kälte als Sams.

"Sieht so aus", erwiderte Sam. Wie vertraut Nusar ihm schon war. Als Layl ihn aus Paramythia befreit hatte, war Nusar nicht mehr als ein Tier gewesen. Und nun? Ein Freund. Ausgerechnet er, den die dunkle Layl mehr als alles andere begehrte. Ihre Schwester Sabah und der Weiße König hatten die Fabelwesen einst in Geschichten gesperrt, um sie nach einem verlorenen Krieg vor dem Tod zu bewahren. Doch Layl hatte heimlich nach einem Weg gesucht, ihren Geliebten Nusar aus den Worten zu befreien, die ihn wie Ketten gebunden hatten. Nusar, der sich einst Schwarzer König genannt hatte. Anführer eines Heeres, das vor vielen Generationen gegen Mythia gekämpft und verloren hatte. Nusar, der keine Erinnerung mehr an diese Zeit besaß und der nach den Jahren der Gefangenschaft zwischen den Seiten eines Buches auch seine Dunkelheit verloren hatte. Wer wäre Nusar, wenn er sie noch immer in sich spüren würde? Frag lieber nicht, Sam. Er war einst der Schwarze König. Der geflügelte Tod.

Der Morgen mischte schmutz

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