text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Die drei Sonnen Roman von Liu, Cixin (eBook)

  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
13,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Die drei Sonnen

Die Science-Fiction-Sensation aus China China, Ende der 1960er-Jahre: Während im ganzen Land die Kulturrevolution tobt, beginnt eine kleine Gruppe von Astrophysikern, Politkommissaren und Ingenieuren ein streng geheimes Forschungsprojekt. Ihre Aufgabe: Signale ins All zu senden und noch vor allen anderen Nationen Kontakt mit Außerirdischen aufzunehmen. Fünfzig Jahre später wird diese Vision Wirklichkeit - auf eine so erschreckende, umwälzende und globale Weise, dass dieser Kontakt das Schicksal der Menschheit für immer verändern wird. Cixin Liu ist einer der erfolgreichsten chinesischen Science-Fiction-Autoren. Er hat lange Zeit als Ingenieur in einem Kraftwerk gearbeitet, bevor er sich ganz seiner Schriftstellerkarriere widmen konnte. Seine Romane und Erzählungen wurden bereits viele Male mit dem Galaxy Award prämiert. Cixin Lius Roman Die drei Sonnen wurde 2015 als erster chinesischer Roman überhaupt mit dem Hugo Award ausgezeichnet und wird international als ein Meilenstein der Science-Fiction gefeiert.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 592
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641173074
    Verlag: Heyne
    Originaltitel: The Three Body Problem Trilogy Book 1 - Sanbuqu Santi
    Größe: 2141 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Die drei Sonnen

2

Der stumme Frühling

Zwei Jahre später, im Großen Hinggan-Gebirge im äußersten Nordosten der Inneren Mongolei, dem nördlichsten Punkt Chinas

"Achtung, Baum fällt!"

Mit diesem weithin hallenden Ruf fiel donnernd eine Dahurische Lärche, die so groß wie eine der Riesensäulen des Parthenon war. Ye Wenjie spürte, wie die Erde erzitterte. Sie griff nach Axt und Baumsäge und begann damit, die Äste von dem riesigen Stamm zu entfernen. Diese Arbeit kam ihr immer so vor, als säuberte sie den Leichnam eines Riesen. Manchmal stellte sie sich sogar vor, dieser Riese wäre ihr Vater. Es war dann das gleiche Gefühl wie vor zwei Jahren an jenem entsetzlichen Abend, an dem sie in der Leichenhalle versucht hatte, den Leichnam ihres Vaters zurechtzumachen. Die aufgeraute und rissige Borke der Lärche glich dem von Verletzungen übersäten Körper ihres Vaters.

In den weiten Steppen und Wäldern verteilten sich mehr als hunderttausend Soldaten. Sie gehörten zum Produktions- und Aufbaukorps der Inneren Mongolei, das aus sechs Divisionen und einundvierzig Regimentern bestand. Viele der Jugendlichen, die gerade von der Stadt in diese fremde Wildnis versetzt worden waren, träumten einen romantischen Traum: Sobald die Panzer des sowjetischen Imperialismus die chinesische Grenze zur Mongolei überrollen würden, wären sie die Ersten, die sich blitzschnell bewaffneten und mit ihrem Fleisch und Blut einen Schutzschild für ihre Volksrepublik bildeten. Tatsächlich war das einer der strategischen Gründe, warum man das Produktions- und Aufbaukorps zusammengestellt hatte.

Aber der Krieg, den sie mit Inbrunst ersehnten, war so weit entfernt wie die Berge am Horizont hinter der Steppe. Auf dem Weg dorthin hätte man mit Leichtigkeit ein Pferd zu Tode gehetzt. Deshalb begnügten sie sich damit, das Grasland urbar zu machen, die Wälder zu roden und das Vieh weiden zu lassen.

Während der Kulturrevolution hatten sie mit brennendem, jugendlichem Eifer in den Städten gekämpft. Doch sie merkten schnell, dass die Städte hier in den weiten Steppen der Inneren Mongolei nicht größer als ein Schafpferch waren. In der Eiseskälte des Graslands und der Wälder war ihre Inbrunst bedeu tungslos. Ein heißblütiger Temperamentsausbruch war da schneller als ein frischer Kuhfladen abgekühlt, mit dem Unterschied, dass der Kuhfladen noch einen reellen Nutzwert besaß. Dennoch war es das Schicksal ihrer Generation, vom Feuer verbrannt zu werden. Und so verwandelten sich unter dem Ansturm ihrer hydraulischen Kettensägen weite Teile der mongolischen Wälder in Ödland und kahle Hügel. Ihre Traktoren und Mähdrescher machten aus großflächigen Graslandschaften zunächst Getreidefelder und dann Wüsten.

Ye Wenjie hielt diesen Kahlschlag für Irrsinn. Große, kerzen gerade gewachsene Dahurische Lärchen aus dem Hinggan, immergrüne mongolische Pinien, grazil gewachsene Weißbir ken, hoch in den Himmel reichende Zitterpappeln, Sibirische Tannen, dann noch Schwarzbirken, Eichen, Ulmen, mandschu rische Eschen, Riesenweiden, mongolische Eichen. Aufs Gerate wohl fällten sie alles, was ihnen in den Weg kam. Hundert Kettensägen waren am Werk, wie ein Schwarm eiserner Heuschrecken. Wo immer ihre Kompanie aufkreuzte, hinterließ sie nur Baumstümpfe.

Die fertig vorbereitete Lärche konnte nun mit dem Kettentraktor weggezogen werden. Ye Wenjie strich sanft über die frische Schnittstelle am Stamm. Sie tat das oft intuitiv, denn es kam ihr vor, als hätte der Baum dort eine große Wunde, und sie meinte, sich in seinen Schmerz einfühlen zu können. Plötzlich bemerkte sie, dass ein paar Meter von ihr entfernt jemand über die Sägestelle am Baumstumpf streichelte. Am Zittern der Hand, die zwar blass war, aber eindeutig einem Mann gehörte, erkannte sie ein Herz, das wie ihres empfand.

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen