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Die Lügenmeister Das Namenlose Tal. von Bonerath, Anne C. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.02.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Die Lügenmeister

'Du wirst nie ohne Mitleid sein!', prophezeit Tante Maura dem jungen Léas. Doch ist Mitleid die beste Gabe, wenn man ein mächtiger Zauberer werden will, der die Menschen täuscht und blendet und das Fürchten lehrt? Als Léas dem Lügenmeister Lír begegnet, kann er der Versuchung nicht widerstehen, einer der ihren zu werden. So führt ihn sein Weg ins Namenlose Tal, wo er nebst ein paar anderen Novizen seine Ausbildung beginnt. Doch so schnell die Kräfte des begabten Schülers wachsen, seine Gabe zum Mitleid verlässt ihn so wenig wie sein rebellischer Geist. Und so wird für Léas neben vielen äußeren Gefahren - einem missgünstigen Mitstudenten, einem verführerischen Mädchen und einer früheren Untat, die nie herauskommen darf - auch ein innerer Konflikt zur Zerreißprobe. Die Lügenmeister - Das Namenlose Tal ist der erste Roman einer Trilogie über die mythologisch-phantastische Welt von Maura'an - und über einen jungen Mann, der nicht nur auf der Suche nach seinem Platz in der Welt ist, sondern auch nach seiner Vergangenheit: Denn wer Léas, Kind des Drachenmondes und geächtetes Halbblut, wirklich ist und woher er kommt, bleibt ihm außer in Tagträumen verschlossen. Seine Reise durch eine von eigenwilligen Charakteren und gefährlichen Kreaturen bevölkerte Welt entfaltet sich in einer farbenfrohen und sinnlichen Sprache und fesselt den Leser von der ersten bis zur letzten Seite.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 484
    Erscheinungsdatum: 23.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741215117
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 1152kBytes
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Die Lügenmeister

Kapitel 2

Der lange, heiße Sommer ging seinem Ende entgegen. Es folgten ein überaus stürmischer Herbst und ein lauer Winter. Im Frühjahr erreichten uns beunruhigende Nachrichten aus dem Süden: Auch die alte, schöne Weinstadt am großen Strom, Ambertin, war jetzt fest in SEINER Hand. SEINE Anhänger hatten eine Festung der Sharáfian gestürmt und auf unvorstellbar grausame Weise unter den Getreuen der Chálagast gewütet. Nachdem wir davon erfahren hatten, schlug die Stimmung unter den Bauern in Haseldal schnell um. Selbst die eifrigsten Verfechter SEINER Gebote und auch diejenigen, die noch bis vor Kurzem laut danach gebrüllt hatten, die Chálagast aus dem Land ins Meer und dahin zurückzujagen, woher sie vor fünfhundert Jahren gekommen waren, fragten sich, ob man nicht vom Regen in eine noch üblere Traufe geraten war.

Als zum folgenden Herbst die Steuern drastisch erhöht wurden, weil ER SEINE Armee verstärken musste, um der überall im Land aufflammenden Rebellion Herr zu werden, kam es auch in Irdúan und Irnaes zu ersten Unruhen, was Gunva zu dem Ausspruch verleitete:

"Was soll der Unsinn? Ich dachte, der Krieg wäre aus und vorbei!"

Maura hob die Brauen und sah ihn vielsagend an.

"Das endet nie. Zumindest nicht in den Köpfen der Menschen, die es erlebt haben."

Piérel Ananách, der erst sechzehnjährige Sohn des alten Fürsten, erhielt zu seiner eigenen Verblüffung plötzlich von allen Seiten Zulauf von Unzufriedenen, die ihn im Kampf gegen SEINE Anhänger unterstützen wollten. In den übrigen Landesteilen mochte eine ähnliche Entwicklung eingetreten sein, doch in unseren abgelegenen Tälern bekamen wir davon wenig mit. Die Neuigkeiten, die uns von weitgereisten Gästen zugetragen wurden, waren meist schon Wochen, wenn nicht Monate alt. Darum tangierte uns der Wirrwarr, der im Rest des Landes im Gange war, bislang kaum, abgesehen davon, dass den Gästen das Geld in letzter Zeit vielleicht nicht mehr ganz so locker in der Tasche saß.

Ein weiterer Sommer zog ins Land, dem ein eisiger Winter und ein kurzes Frühjahr folgten. Und dann strahlte die Sonne plötzlich wieder grell und heiß von einem wolkenlosen Himmel, und der alte, riesige Baum in Mauras Garten hing über und über voll mit saftigen, dunkelroten Kirschen.

Ich war jetzt wirklich um die vierzehn, fünfzehn Jahre alt, immer noch ziemlich groß im Vergleich, aber meine Altersgenossen hatten inzwischen ein wenig aufgeholt.

Mein liebster Aufenthaltsort im Haselbusch war die geräumige Küche. Hier schlug das eigentliche Herz von Mauras Gut und Ländereien, hier war immer etwas los. Stets wimmelten und wuselten Knechte und Mägde in fröhlicher Hektik herum, immer gab es etwas zu riechen, zu schmecken oder zumindest zu hören: den neuesten Klatsch, eine gruselige Mordgeschichte oder eine dieser höchst dramatischen Küchenballaden, die stets von unerfüllter Liebe sangen und oft nicht weniger als zwanzig Strophen lang waren.

Stets wurde an der riesigen, gemauerten Feuerstelle mitten im Raum mit Töpfen und Pfannen hantiert. Irgendetwas war immer am Klappern, Zischen, Brutzeln, Dampfen und Brodeln oder köchelte still vor sich hin.

Manchmal stand ich stundenlang schweißüberströmt in unbequemer, halbgebückter Haltung neben dem Feuer und drehte einen gewaltigen Bratspieß, an dem Spanferkel, Hammelkeulen, Wildenten oder Fasane gar brieten. An anderen Tagen putzte ich Gemüse oder mühte mich damit ab, das Weiße von drei Dutzend Eiern zu steifem Schnee zu schlagen, wenn Maura ihre sagenhafte Mandeltorte oder luftig-lockere Omeletts backen wollte.

Am allerliebsten aber half ich meiner Tante bei der Zubereitung wirklich komplizierter, exotischer Gerichte, deren Rezepte vielfach aus dem Ausland, aus Nîm oder Nessedh, stammten und deren Zutaten schwer erhältlich waren. Meine Tante pflegte sich auf jeden Gast zu stürzen, der irgendwie fremdländisch oder weitgereist aussah, um ihn nach neuen, auf

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