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Die Leiche von King, Stephen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.05.2020
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Die Leiche

"Liebe ist nicht, was diese Arschlöcher von Poeten einen glauben machen wollen. Die Liebe hat Zähne; sie beißen; die Wunden schließen sich nie."
Die vier besten Freunde Gordon, Chris, Teddy und Vern aus Castle Rock hören von der Leiche eines gleichaltrigen Jungen, die in der Gegend an den Bahngleisen liegen soll. Sie wagen sich auf einer abenteuerlichen Suche tief in die Wälder Maines, wo sie bei Sonnenschein und Blitz und Donner mehr über die Liebe, den Tod und die eigene Sterblichkeit erfahren, als ihnen lieb ist.
"Herbst"-Geschichte aus dem Erzählband "Frühling, Sommer, Herbst und Tod".
Großartig verfilmt unter dem Titel "Stand By Me" mit Kiefer Sutherland und River Phoenix.

Stephen King, 1947 in Portland, Maine, geboren, ist einer der erfolgreichsten amerikanischen Schriftsteller. Bislang haben sich seine Bücher weltweit über 400 Millionen Mal in mehr als 50 Sprachen verkauft. Für sein Werk bekam er zahlreiche Preise, darunter 2003 den Sonderpreis der National Book Foundation für sein Lebenswerk und 2015 mit dem Edgar Allan Poe Award den bedeutendsten kriminalliterarischen Preis für Mr. Mercedes. 2015 ehrte Präsident Barack Obama ihn zudem mit der National Medal of Arts. 2018 erhielt er den PEN America Literary Service Award für sein Wirken, gegen jedwede Art von Unterdrückung aufzubegehren und die hohen Werte der Humanität zu verteidigen.
Seine Werke erscheinen im Heyne-Verlag.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 11.05.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641263539
    Verlag: Heyne
    Serie: Heyne Bücher 44031
    Größe: 3442 kBytes
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Die Leiche

2

Wir hatten ein Baumhaus in einer großen Ulme, die auf einem unbebauten Grundstück in Castle Rock stand. Heute befindet sich dort eine Spedition, und die Ulme ist verschwunden. Der Fortschritt halt. Es war eine Art geselliger Club, auch wenn er keinen Namen hatte. Fünf, vielleicht sechs Jungs kamen ständig, und ein paar Versager hingen gelegentlich auch dort herum. Wir ließen sie rauf, wenn wir Karten spielten und frisches Blut brauchten. Gewöhnlich spielten wir Blackjack, und es ging um Cents, fünf Cent waren die Obergrenze. Bei fünf blind gekauften Karten gab es doppeltes Geld ... bei sechs dreifaches, aber Teddy war als Einziger so verrückt, sich darauf einzulassen.

Die Wände bestanden aus Brettern, die wir aus dem Abfallhaufen hinter Mackeys Holzhandlung und Baubedarf in der Carbine Road geholt hatten - sie waren voller Splitter und Astlöcher, in die wir Toilettenpapier oder Papierhandtücher stopften. Als Dach diente ein großes Stück Wellblech von der Mülldeponie. Wir mussten beim Wegschleppen ziemlich auf der Hut sein, der Aufseher galt nämlich als kinderfressendes Ungeheuer. Am selben Tag fanden wir dort auch eine Verandatür. Der Fliegendraht hielt zwar die Fliegen ab, aber er war wirklich verrostet - extrem verrostet. Ganz gleich, um welche Tageszeit man nach draußen sah, man dachte immer, es sei gerade Sonnenuntergang.

Im Club konnte man außer Karten spielen auch rauchen oder Hefte mit nackten Weibern angucken. Wir hatten ein halbes Dutzend zerbeulte Blechaschenbecher, auf denen unten CAMEL stand, zwanzig oder dreißig Kartenspiele mit Eselsohren, einen Satz Pokerchips aus Plastik und einen Haufen alte Master-Detective-Mordgeschichten, die wir durchblätterten, wenn sonst nichts lief. Die Kartenspiele hatte Teddy von seinem Onkel bekommen, der das Papierwarengeschäft von Castle Rock betrieb. Als Teddys Onkel ihn fragte, welche Kartenspiele wir spielten, sagte Teddy, wir hätten öfter Cribbage-Turniere, und das fand der Onkel gut. Wir bauten auch ein schuhkartongroßes Geheimfach in den Fußboden ein, um die Sachen verstecken zu können, falls irgendein Vater auf den Gedanken kam, uns mit der Wir-sind-doch-Kumpels-Masche zu beglücken. Wenn es regnete, hockte man im Club wie in einem Stahlfass aus Jamaika ... aber in jenem Sommer hatte es keinen Regen gegeben.

Es war der trockenste und heißeste seit 1907 gewesen - das schrieben wenigstens die Zeitungen, und an dem Freitag vor dem Labor Day und dem Schuljahresbeginn sahen selbst die Goldrauten auf den Feldern und an den Gräben neben den Wegen vertrocknet und armselig aus. In keinem Garten war etwas Rechtes gewachsen, und die Einmachutensilien im Castle Rock Red & White standen immer noch in den Regalen und setzten Staub an. Niemand hatte etwas einzumachen, außer vielleicht Löwenzahnwein.

Teddy und Chris und ich saßen oben im Club und ärgerten uns gemeinsam darüber, dass die Schule schon so bald wieder anfangen sollte. Wir spielten Karten und erzählten uns die alten Handelsvertreter- und Franzosenwitze. Woran erkennst du, dass ein Franzose auf deinem Hof war? Ganz einfach: Der Abfalleimer ist leer und der Hund schwanger. Teddy gab sich dann immer gekränkt, war aber der Erste, der den Witz weitererzählte. Allerdings verwandelten sich Franzosenwitze dabei immer in Polackenwitze.

Die Ulme bot zwar Schatten, aber wir hatten uns trotzdem die Hemden ausgezogen, um sie nicht zu sehr durchzuschwitzen. Wir spielten Einunddreißig, das langweiligste Kartenspiel, das je erfunden wurde, aber es war zu heiß, an etwas Komplizierteres zu denken. Bis Mitte August hatten wir eine recht gute Baseballmannschaft gehabt, aber dann blieben immer mehr Jungs weg. Es war zu heiß.

Ich war an der Reihe und versuchte es mit Pik. Ich hatte mit dreizehn angefangen und eine Acht bekommen, sodass ich einundzwanzig hatte. Seitdem hatte sich nichts mehr getan. Chris winkte

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