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Die Mars-Chroniken von Bradbury, Ray (eBook)

  • Verlag: Diogenes
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Die Mars-Chroniken

Die Mars-Chroniken Fahrenheit 451 Moby Dick

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783257607505
    Verlag: Diogenes
    Größe: 1477 kBytes
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Die Mars-Chroniken

[13] Green Town, irgendwo auf dem Mars;
Mars, irgendwo in Ägypten

Eine Einführung

"Sagen Sie mir nicht, was ich tue; ich will's nicht wissen!"

Das sind nicht meine Worte. Sondern die meines Freundes, des italienischen Filmregisseurs Federico Fellini. Als dieser Szene um Szene seine Drehbücher verfilmte, weigerte er sich, die neuen Aufnahmen anzuschauen, die von der Kamera eingefangen und am Ende eines jeden Drehtags im Labor entwickelt wurden. Er wollte, dass seine Szenen mysteriöse provocateurs blieben, die ihn zur Weiterarbeit verführten.

So verhielt es sich auch, für den Großteil meines Lebens, mit meinen Erzählungen, Theaterstücken und Gedichten. Und so verhielt es sich mit den Mars-Chroniken in den Jahren kurz vor meiner Heirat 1947. Sie gipfelten in der Überraschung des rasant fertiggestellten Werkes im Sommer 1949. Was als Gelegenheitsarbeit, als "Asides" oder als innerer Monolog über den Roten Planeten begonnen hatte, glich im Juli und August jenes Jahres dem Aufplatzen eines überreifen Granatapfels: Jeden Morgen hastete ich an meine Schreibmaschine, um herauszufinden, welche ungewöhnlichen neuen Dinge meine Muse zu liefern gewillt war.

[14] Hatte ich eine solche Muse? Und habe ich schon immer an dieses mythische Geschöpf geglaubt? Nein. Am Anfang, in der High School, und nachher, als ich an einer Straßenecke stand und Zeitungen verkaufte, tat ich, was die meisten Schriftsteller zu Beginn ihrer Laufbahn tun: Ich eiferte meinen Vorgängern nach, ich imitierte meine Zeitgenossen und beraubte mich so jeder Möglichkeit, Wahrheiten zu entdecken, die unter meiner Haut und hinter meinen Augen schlummerten.

Obwohl ich eine Reihe sehr guter unheimlicher oder phantastischer Geschichten geschrieben habe, die veröffentlicht wurden, als ich Mitte zwanzig war, habe ich nichts daraus gelernt. Ich wollte nicht wahrhaben, dass ich eine Menge guter Dinge in meinem Kopf aufwirbelte und sie auf dem Papier eingefangen hatte. Meine eigenartigen Geschichten waren lebendig und wirklich. Meine Zukunftsgeschichten waren leblose Roboter, mechanisch und unbeweglich.

Was mich befreite, war Winesburg, Ohio von Sherwood Anderson. In meinem vierundzwanzigsten Jahr ließ ich mich irgendwann von diesen Figuren überwältigen, die ihr Leben auf halberleuchteten Veranden und in düsteren Dachstuben jener immerzu herbstlichen Stadt zubrachten. "Guter Gott", rief ich. "Wenn ich ein Buch schreiben könnte, das nur halb so gut ist wie dieses, aber auf dem Mars spielt - wie unglaublich wäre das!"

Ich stellte eine Liste möglicher Schauplätze und Charaktere in jener fernen Welt zusammen, dachte mir Titel aus, begann ein Dutzend Geschichten und brach sie wieder ab, dann legte ich sie zu den Akten und vergaß sie. Oder bildete mir ein, sie vergessen zu haben.

[15] Denn die Muse ist hartnäckig. Sie lebt fort, auch wenn man sie vernachlässigt; sie wartet darauf, dass man ihr Luft verschafft oder dass man stirbt, ohne ihr zum Ausdruck verholfen zu haben. Ich hatte die Aufgabe, mich selbst davon zu überzeugen, dass die Geschichten nicht nur ein Mythos waren, sondern eine intuitive Wesenheit, die ich wachrütteln musste, damit sie in Zungen sprach und aus meinen Fingerspitzen quoll.

Während der nächsten paar Jahre schrieb ich eine Reihe marsianischer pensées, eine Art shakespearesches "Asides", mäandernde Gedanken, ausgedehnte Nachtvisionen, Halbträume vor der Morgendämmerung. Die Franzosen, so etwa Saint-John Perse, praktizieren dies meisterhaft. Es handelt sich um jeweils einen Absatz - halb Poesie, halb Prosa -, der sich auf nicht mehr als hundert Wörter beläuft oder aber eine ganze Seite einnimmt, und zwar zu jedem Thema, heraufbeschworen vom Wetter, von der Zeit, einer architektonischen Fassade, gutem We

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