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Die Tiefe der Zeit Roman von Brandhorst, Andreas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.03.2018
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
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Die Tiefe der Zeit

Seit vielen Tausend Jahren führt die Menschheit Krieg gegen die geheimnisvollen Crul. Und seit ebenso langer Zeit erzählt man sich Geschichten von der Hauptstreitmacht des Feindes, die seit Ewigkeiten durch die endlosen Weiten des interstellaren Raums unterwegs ist, um eines Tages die Kernwelten der menschlichen Zivilisation zu vernichten. Der ehemalige Soldat Jarl, dem man Verrat und Mord zur Last legt, ist auf der Flucht vor den eigenen Verbündeten. Als Gejagter muss er die legendäre Erde finden, jenen mythischen Ursprungsplaneten der Menschen. Denn dort soll die größte aller Waffen lagern, eine Waffe, die den Krieg beenden und Frieden bringen kann. Jarls Suche führt ihn durch die Tiefe der Zeit. Doch er ahnt nicht, dass er nur ein Werkzeug in einem viel größeren Plan ist ... Andreas Brandhorst, geboren 1956 im norddeutschen Sielhorst, schrieb mit seinen futuristischen Thrillern und Science-Fiction-Romanen wie 'Das Schiff' und 'Omni' zahlreiche Bestseller. Spektakuläre Zukunftsvisionen sind sein Markenzeichen. Der SPIEGEL-Bestseller 'Das Erwachen' widmet sich dem Thema Künstliche Intelligenz. Sein aktueller Wissenschaftsthriller 'Ewiges Leben' zeigt Chancen und Gefahren der Gentechnik auf.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 544
    Erscheinungsdatum: 01.03.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492990813
    Verlag: Piper Verlag
    Größe: 871 kBytes
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Die Tiefe der Zeit

Wir töten keine Kinder

1

Prizilla

Der Wind wirbelte Staub auf, kalt und tot. Im kraftlosen Schein einer blassen Sonne ragten Ruinen wie bleiche Knochen aus der Ebene.

"Wie lange ist es her?", fragte Prizilla. Der Atemfilter dämpfte ihre Stimme ein wenig.

"Was glauben Sie?" Ewora, eine der Großen Mütter, die man auch "die Große Ewora" nannte, trug nicht wie sonst ein buntes Amtsgewand, sondern einen kobaltblauen Schutzanzug. Ihr Leib war kostbar - in den vergangenen vierhundert Jahren hatte er mehr als siebzigtausendmal Leben geschaffen. Keine der anderen Großen Mütter konnte von sich behaupten, mehr Kinder zu haben als Ewora.

Die junge Prizilla, kaum fünfzig Jahre alt, ging in die Hocke, berührte den Staub mit bloßen Händen und fühlte seine trockene Kälte. Sie schloss kurz die Augen und lauschte dem Flüstern ihrer Adapter. Konstantin, dachte sie plötzlich und fragte sich, woher der Name kam und was er bedeutete.

"Drei Tage, nicht mehr", sagte sie und richtete sich wieder auf. Mehrere Waffenplattformen summten über sie hinweg, gelenkt von wachsamen Soldaten. Weiter hinten ragte das Landeschiff wie ein kleiner grauer Berg auf. Licht viel aus Hangars und geöffneten Schleusen in die beginnende Dämmerung. "Es sieht alt aus, aber so fühlt es sich nicht an."

"Welche Waffe wurde eingesetzt?"

Gibt es Überlebende?, wollte Prizilla fragen, hielt die Worte jedoch zurück. "Kalter Brand."

Ewora nickte. "Ja." Die mehr als vierhundert Jahre alte Mutter hob die Arme und sprach wie zu einer großen Menge. "Der Feind hat erneut zugeschlagen. Vergessen wir nie die Gefahr. Nie!"

"Nie", wiederholte Prizilla automatisch und beobachtete mit der Zoomlinse in ihrem linken Auge die Soldaten zwischen den Ruinen.

"Nie", sagte auch die dritte Frau, Nadala, dreißig Jahre älter als Prizilla und Taktikerin von Ewora der Großen. Seit kurzer Zeit leitete sie die Abteilung Acht, die Informationen über den Feind sammelte. "Wenn der Angriff erst drei Tage zurückliegt ... Wo ist der Feind?"

"Sollte das nicht Ihre Abteilung wissen?", fragte Ewora mit sanfter Kritik. "Vielleicht befindet er sich noch in der Nähe. Vielleicht versteckt er sich irgendwo. Suchen Sie ihn!"

"Gehört und verstanden." Nadala aktivierte ihren Kommunikator und benutzte die Kampfsprache, um knappe, präzise Anweisungen zu erteilen.

Prizilla fühlte den Blick der Mutter.

"Sie möchten wissen, ob es Überlebende gibt", sagte Ewora. "Ja. Sieben." Sie zögerte kurz. "Sieben Kinder."

Zwei Stunden später befanden sie sich wieder an Bord von Eworas Flaggschiff, der Speerspitze , die den Planeten Nimmwa wie ein neuer Mond in einer Höhe von zehntausend Kilometern umkreiste. Prizilla, Nadala und mehrere Berater und Adjutanten hatten sich im Meditationszimmer der Großen Mutter eingefunden, die wieder ein buntes Gewand trug. Prizilla beobachtete Ewora: Sie stand vor dem Wandschirm, der nicht nur den Planeten und die Schiffe der Eskorte zeigte, sondern auch die Transitstation mehrere Hundert Millionen Kilometer oberhalb der Ekliptik. Die entsprechenden Bilder waren fast zwanzig Minuten alt - so lange dauerte die Signalübertragung.

"Ein Zufall?", fragte Ewora. "Bei meiner Rundreise durch die Peripherie war ein Besuch von Nimmwa nicht vorgesehen. Der Flug hierher ..." Sie bewegte die linke Hand, eine knappe Geste. "Ich habe aus dem Stegreif entschieden. Eine Kolonie, die ich noch nicht kannte. Eine Welt, besiedelt von einem kleinen Kolonieschiff, ausgesandt vor ..." Sie zögerte.

"Vor neunundsiebzig Jahren", sagte Prizilla.

"Ja." Ein kurzes Lächeln huschte über das schwammig wirkende Gesicht. "Dreißig Jahre vor Ihrer Geburt."

"Ich glaube nicht an solche Zufälle", warf Coridian ein. Er saß bei den anderen Beratern, groß und kräftig, mit dreihundert Jahren an der Grenze des männlichen Greisenalter

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