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Die Traumknüpfer Roman von Wahl, Carolin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.02.2016
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Die Traumknüpfer

Ein atemberaubendes Fantasy-Epos voller Magie, Liebe und Abenteuer
In einer Welt, in der Frühling, Sommer, Herbst und Winter über die Träume mit den Menschen verbunden sind, liegt das Schicksal der vier Jahreszeitenvölker in den Händen der Traumknüpferin Udinaa. Doch als Udinaa - halb Mensch, halb Göttin - erwacht, zerbricht ihr Traum in Abermillionen magische Splitter. Jeder einzelne dieser Splitter verleiht, einmal gefunden, dem Träger die Macht der Götter. Als die Traumsplitter in die Hände eines Verräters fallen, scheint ein gewaltiger Krieg unausweichlich. Einzig Kanaael, der Prinz der Sommerlande, und Naviia, eine junge Clansfrau aus dem Wintervolk, vermögen den Lauf des Schicksals noch zu wenden ...

Carolin Wahl wurde 1992 in Stuttgart geboren und studiert inzwischen Geschichte und Germanistik. Egal ob als Autorin oder als Leserin, Literatur ist ihre große Leidenschaft, und für ihre Texte wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet. Die Traumknüpfer ist ihr erster Fantasy-Roman. Die Autorin lebt in Edinburgh und München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 720
    Erscheinungsdatum: 08.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641169510
    Verlag: Heyne
    Größe: 2398 kBytes
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Die Traumknüpfer

1

Entdeckungen

Lakoos, Sommerlande

Die düsteren Träume lagen schwer in der Luft. Wie ein Dunstschleier strömten sie aus den Schlafkammern des Kellers und erfüllten den Korridor, durch den Kanaael De'Ar schlich. Er spürte jeden Traum, der sich innerhalb der Mauern des Acteapalasts befand, während er die leeren Gänge im Obergeschoss durchquerte. Von draußen drang Mondlicht durch die verglaste Frontseite des seitlichen Flügels, wo der Westturm begann, und seine nackten Füße trugen ihn schnell seinem Ziel entgegen.

Anders als Träume der Hoffnung, die eine leichte Aura besaßen, mit Versprechungen lockten oder Zuversicht vorgaukelten, umschmeichelten ihn die düsteren Träume auf eine Art, der er sich nur schwer entziehen konnte. Abgründe öffneten sich hier vor Kanaael, denn es waren die Götter selbst, die ihre Hände nach den Träumenden ausstreckten - und er hatte die Gabe, einen Blick auf diese Welt zu erhaschen.

Als er in der Ferne Schritte vernahm, presste er sich gegen eine der zahllosen Marmorsäulen, die den prachtvollen, mit mehreren Wandteppichen und offenen Feuerstellen ausgestatteten Flur säumten. Sein Herz schlug ihm plötzlich bis zum Hals. Er durfte nicht gesehen werden. Nicht nach dem, was heute in den Tiefen des Palasts geschehen war.

Das Feuer in den von der gewölbten Decke hängenden Schalen warf lange Schatten auf die goldenen Wandvorhänge, die das Familienwappen der De'Ars zeigten. Er schloss die Augen und lauschte. Die Menschen im Palast träumten Dinge, die nicht für einen zwölfjährigen Jungen bestimmt waren, doch Kanaael war zu neugierig, um diesem inneren Drang zu widerstehen. Wie von unsichtbaren Fäden gezogen, lockten ihn die Träume an. Es war schwer, dem befriedigenden Gefühl zu widerstehen, das sich jedes Mal einstellte, sobald er in einen Traum eingesogen wurde. Ein Bad in purem Licht. Erfüllung. Danach fühlte er sich stark und unbezwingbar. Sein Gehör war geschärft, jeder zarte Duft brannte sich förmlich in seine Nase, und er konnte die Menschen um sich herum spüren, noch ehe er sie vor sich sah.

Er versteckte seine Gabe, seit er in den Traum einer seiner Ammen eingedrungen war und sie am nächsten Morgen auf den innigen Kuss mit einem der Stallburschen angesprochen hatte. Noch heute erinnerte er sich an ihre Standpauke. Sie hatte geglaubt, er habe die beiden beobachtet. Und er hatte es für klüger befunden, sein kleines Geheimnis für sich zu behalten.

Die Schritte näherten sich, und Kanaael zog sich tiefer in den Schatten der Säule zurück, bis schließlich einer der Diener seines Vaters an ihm vorbeieilte und kurz darauf durch eine silberne Tür in den Ostflügel verschwand.

Die letzten Tage waren aufregend gewesen, die Gesandtschaft aus Syskii hatte Lakoos in eine blühende Stadt verwandelt. In den Gesichtern der Menschen vor den Toren des Palasts hatte man Freude und Zuversicht lesen können. Sie hatten seinen Namen gerufen und den seines Cousins Keedriel. Trotz seiner jungen Jahre wusste Kanaael, dass er einmal über das Sommervolk herrschen würde wie sein Vater und sein Großvater.

Die Schritte des Dieners verklangen hinter der verschlossenen Tür. Trügerische Stille senkte sich über den schlafenden Palast. Um Kanaael herum waberten die Träume. Mit geschlossenen Augen sah er sie fast noch deutlicher vor sich. Wie ein blasser, silberner Nebel hingen sie in der Luft, manche glühten heller, in frühlingshaften Farben, andere schimmerten in einem matten, zartroten Licht. Der Traum, den er suchte, war allerdings nicht dabei.

Er hatte Gerüchte über zwei syskiische Diebe aufgeschnappt, von denen einer in den Bibliothekskatakomben gefangen genommen worden war. Sein Vater machte ein großes Geheimnis um die Bücher, die in den dunklen, kühlen Räumen der Katakomben aufbewahrt wurden. Stets erhielt er ausweichende Antworten von seinen Lehrern, wenn er die Bibliothek zur Sprache brachte, und die Aufzeichnungen und Träume der Mens

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