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Die vollkommene Leere von Lem, Stanislaw (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.04.2013
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Die vollkommene Leere

Die vollkommene Leere legt den Snobismus und den Glauben an einen alles erleichternden Fortschritt bloß. Die "vollkommene Leere" bezeichnet ein quälendes Gefühl der Schwerelosigkeit. Es ist dem Handeln und Schaffen im höchsten Maße feindlich, denn es tötet auch die Hoffnung. Stanis?aw Lem wurde am 12. September 1921 in Lwó;w (Lemberg) geboren, lebte zuletzt in Krakau, wo er am 27. März 2006 starb. Er studierte von 1939 bis 1941 Medizin. Während des Zweiten Weltkrieges musste er sein Studium unterbrechen und arbeitete als Automechaniker. Von 1945 bis 1948 setze er sein Medizinstudium fort, nach dem Absolutorium erwarb Lem jedoch nicht den Doktorgrad und übte den Arztberuf nicht aus. Er übersetzte Fachliteratur aus dem Russischen und ab den fünfziger Jahren arbeitete Lem als freier Schriftsteller in Krákow. Er wandte sich früh dem Genre Science-fiction zu, schrieb aber auch gewichtige theoretische Abhandlungen und Essays zu Kybernetik, Literaturtheorie und Futurologie. Stanis?aw Lem zählt heute zu den erfolgreichsten und meist übersetzten Autoren Polens. Viele seiner Werke wurden verfilmt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 258
    Erscheinungsdatum: 15.04.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518743430
    Verlag: Suhrkamp
    Größe: 1232 kBytes
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Die vollkommene Leere

Les Robinsonades par Marcel Coscat

(Ed. du Seuil - Paris)

Nach Defoes Robinson kam, für Kinder zurechtgeschnitten, der schweizerische Robinson und eine Menge derartiger infantil gemachter Versionen vom Leben ohne Mitmenschen; vor ein paar Jahren nun hat die Pariser "Olimpia", mit dem Geist der Zeit gehend, "Robinson Crusoes sexuelles Leben" publiziert, ein triviales Machwerk, bei dem es sich nicht einmal lohnte, den Namen des Autors zu nennen, er versteckte sich nämlich hinter einem jener Pseudonyme, die der Verleger selbst benutzt, wenn er zu bekannten Zwecken einen Tagelöhner der Feder engagiert. Auf die "Robinsonaden" Marcel Coscats dagegen lohnte es sich zu warten. Hier haben wir Robinson Crusoes gesellschaftliches Leben, seine sozial-charitative Arbeit, seinen mühevollen, schwierigen, bedrängten Lebenslauf, denn es handelt sich hier um die Soziologie der Einsamkeit, um die Massenkultur einer menschenleeren Insel, die gegen Ende des Romans vor Gedränge geradezu aus den Nähten platzt.

Coscat hat, wie der Leser bald bemerkt, kein Werk plagiatorischen oder kommerziellen Charakters geschrieben. Es geht ihm weder um die Sensation noch um die Pornografie der Menschenleere, indem er etwa die sinnliche Begierde des Schiffbrüchigen auf die Palmbäume mit ihren behaarten Kokosnüssen, auf die Fische, Ziegen, Äxte, Pilze und Fleischwaren lenkt, die aus dem zerschellten Schiff gerettet wurden. Der "Olimpia" zum Trotz ist Robinson in diesem Buch kein rasendes Mannstier, das, wie das phallische Einhorn Sträucher, Zuckerrohr- und Bambussaaten zertretend, den Sandstrand, die Berggipfel, das Wasser der Buchten, das Schreien der Möwen, die erhabenen Schatten der Albatrosse oder die vom Sturm ans Land getriebenen Haifische vergewaltigt. Wer nach solchem Inhalt giert, findet in diesem Buch keine Nahrung für seine entfesselte Phantasie. Marcel Coscats Robinson ist Logiker in Reinkultur, extremer Konventionalist, Philosoph, der aus seiner Doktrin die letzten möglichen Schlüsse gezogen hat, und das Zerschellen des Schiffes, des Dreimasters "Patricia", war für ihn nur ein Öffnen des Tors, ein Sprengen der Fesseln, ein Bereitstellen der Laborapparatur für das Experiment, es war ein Akt, der ihm den Zugang zu seinem eigenen, von den anderen nicht befleckten Sein öffnete.

Nachdem Serge N. seine Lage erkannt hat, nimmt er sie nicht fügsam an, sondern beschließt, der echte Robinson zu werden, und beginnt mit der freiwilligen Annahme gerade dieses Namens, was insofern rational ist, als er aus seinem bisherigen Leben keinen Nutzen mehr wird ziehen können.

Das Los des Schiffbrüchigen im Gesamtrahmen der Unbequemlichkeiten des Seins ist hinreichend unerfreulich, man braucht es nicht mit von vornherein vergeblichen Bemühungen der dem Verlorenen nachtrauernden Erinnerung zu würzen. Die Welt, die man antrifft, muß man auf menschliche Weise ordnen; der ehemalige Serge N. beschließt deshalb, sowohl die Insel als auch sich selbst vom Nullpunkt an zu gestalten. Coscats neuer Robinson gibt sich keinen Illusionen hin; er weiß, Defoes Held war eine Fiktion, sein lebendiges Vorbild aber, der Matrose Selkirk, wie sich herausstellte, als eine Brigg ihn nach Jahren zufällig fand, ein so völlig vertiertes Wesen, daß er sogar die Sprache verloren hatte. Defoes Robinson rettete sich nicht durch Freitag - der traf zu spät ein - , sondern weil er gewissenhaft mit einem strengen, für den Puritaner aber besten aller möglichen Gefährten rechnete, nämlich mit dem Herrgott selbst. Dieser Gefährte zwang ihm das strikt pedantische Verhalten, die hartnäckige Arbeitsamkeit, die Gewissenserforschung und besonders die reinliche Bescheidenheit auf, die den Aut

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