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Die Wächter - Nacht der Inquisition Roman von Lukianenko, Sergej (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.07.2016
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Die Wächter - Nacht der Inquisition

Der jahrhundertealte Kampf der lichten und dunklen Anderen hat sich bis in die entlegensten Winkel Russlands ausgebreitet: In den großen Städten Sibiriens sind die Wächter des Tages und die Wächter der Nacht penibel darauf bedacht, das Gleichgewicht zwischen den Mächten zu halten. Dazwischen jedoch liegt die Taiga, endlose Kilometer einsamer Steppe voll düsterer Bäume, pfeifenden Windes und eiskalten Schnees. Hier haust im Verborgenen eine dritte Macht, so uralt und böse, dass sie sowohl die Wächter der Nacht als auch die Wächter des Tages zu vernichten droht ...

Sergej Lukianenko, 1968 in Kasachstan geboren, studierte in Alma-Ata Medizin, war als Psychiater tätig und lebt nun als freier Schriftsteller in Moskau. Er ist der populärste russische Fantasy- und Science-Fiction-Autor der Gegenwart, seine Romane und Erzählungen wurden mehrfach preisgekrönt. Die Verfilmung von 'Wächter der Nacht' war der erfolgreichste russische Film aller Zeiten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 592
    Erscheinungsdatum: 11.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641184278
    Verlag: Heyne
    Originaltitel: Soviet Watch - The Watch Series Book 3
    Größe: 2681 kBytes
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Die Wächter - Nacht der Inquisition


Prolog

Seit letzter Woche hatte der Schnee die Gegend fest im Griff. Die soliden Häuser im Dorf Lichter Keil trugen nun alle eine weiße Mütze, waren bis auf das letzte unter die große pulvrige Decke geschlüpft, sodass sie vom Gipfel des Walzbergs aus zu einer langen Lichterkette verschmolzen, die jemand in den Schnee geworfen hatte. Allerdings wussten diese Lichter nicht so recht, was sie wollten: Mal leuchteten sie strahlend hell, mal gar nicht, mal spendete die Birne nur ein trübes Licht, mal drohte sie durchzubrennen. Besonders spät war es noch nicht, doch auf dem Lande ging man nun einmal früh zu Bett.

Im Tal links vom Berg sprengte der Frost mit dumpfem Knacken einen Baum. Nikolajs Blick wanderte kurz in die Richtung, aus der das Geräusch gekommen war. Als er anschließend seine eisigen Finger behauchte, meinte er, durch die über seinem Handteller aufsteigende Dampfwolke einen Vogel auszumachen, der durch die Nacht flatterte. Vielleicht war aber auch nur einer der vom Schnee niedergedrückten Tannenzweige in die Höhe geschnellt ... Angespannt lauschte Nikolaj. Nach einer Weile schüttelte er energisch den Kopf und behauchte seine Finger noch einmal. Wie hatte er nur so idiotisch sein können, seine Handschuhe zu vergessen? Wollte er Katjuscha etwa mit diesen Eisfingern in die Arme nehmen?

Jetzt hast du aber lange genug hier rumgestanden!, rief er sich selbst zur Ordnung. Vorwärts!

Er umfasste seine Skistöcke und stieß sich ab. Zu allem Überfluss stand er nicht mal auf Abfahrt-, sondern auf Jagdskiern. Na ja, wenigstens ging es geradewegs bergab.

Katjuscha würde ihm natürlich eine Standpauke halten, die sich gewaschen hatte. Dieser Abend bedeutete ihr so viel, dieser Auftritt war so wichtig - und wo war er?! Warum musste der Traktor aber auch ausgerechnet heute absaufen?! Und warum musste er dann ausgerechnet an Mitritsch geraten, diesen nichtsnutzigen Mechaniker?! Sicher, er würde Katja alles erklären, und bestimmt würde sie ihn verstehen. Retten tat das den Abend aber nicht. Denn er, Kolja Krjukow, sollte längst im Dorfklub sitzen, wo die Kolchosjugend einen bunten Abend veranstaltete, und Katjuscha die Daumen drücken, dass sie bei dem langen Monolog der Marguerite aus der Kameliendame auch ja nicht stecken blieb. Stattdessen schlug er sich hier durch den Schnee. Und alles nur wegen dem blöden Traktor und dem kreuzdämlichen Mitritsch!

Über den Kiefern prangte der Vollmond und sorgte für gute Sicht, rückte jedoch die Lichter in den Häusern am Dorfrand in noch weitere Ferne. Wenigstens stand er in Krjukows Rücken, sonst hätte sein Licht diesen nämlich auch noch geblendet. So hell war es bei Nacht eigentlich nur in den mobilen Forstbasen, wo für die entsprechende Schicht Tausendwattstrahler an den Baumstämmen befestigt wurden, wo die Taigaluft durch das elektrische Licht geradezu fahl und dick wirkte, wo jeder Schatten zu einem winzigen Punkt zusammenschrumpfte und aufgewühlt durch die heulenden Kettensägen und die Forsttraktoren ängstlich zitterte. Bei dieser Abfahrt dagegen gab es einen Schatten. Und was für einen! Er kroch aus Koljas Skiern heraus, zog sich die Piste hinunter und schlug im Dorfladen ein. Zusammen mit Kolja ging er in die Knie, fuchtelte er unbeholfen mit riesigen Pranken. Der bestimmt zehn Meter lange Kopf zuckte über die Stufen vor der Tür des Ladens, als wollte er an die abgeschlossene Tür klopfen - oder diese gleich ganz einschlagen, fast als wäre er ein Rammbock.

Doch obwohl dieser Schatten furchterregend aussah, konnte sich Nikolaj ein Grinsen nicht verkneifen. Das erzähl ich Katjuscha, nahm er sich vor. Dass ich zwar noch weit weg war - aber trotzdem schon bei ihr!

Je näher er dem Klub kam, desto nervöser wurde er allerdings. Nicht weil er befürchtete, Katja könnte ihm in ihrer Wut ordentlich die Leviten lesen, und auch nicht, weil er sich fragte, wie sie ihren Auftritt gemeistert hatte, sondern weil er sich ausmalte, w

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