text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Eiswelt Roman von Fforde, Jasper (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.11.2018
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
11,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Eiswelt

In einer Welt, die der unseren gar nicht so unähnlich ist, hat die Eiszeit nie aufgehört. Jedes Jahr versinkt während der Wintermonate alles in Eis, Schnee und Dunkelheit. Selbst die Menschen ziehen sich zurück und halten Winterschlaf - außer die Winterkonsuln. Sie wachen über den Schlaf der Menschen, denn draußen in der Dunkelheit treiben heulende Bestien ihr Unwesen. Hier tritt der junge Charlie seine erste Arbeitsstelle an, und sie entwickelt sich schon bald zu einem Albtraum. Denn wenn Charlie diesen Winter überleben will, muss er wach bleiben. Um jeden Preis ...

Jasper Fforde, Jahrgang 1961, ist gebürtiger Londoner und war viele Jahre in der Filmindustrie tätig, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Sein erster Roman "Der Fall Jane Eyre" um die Zeitdetektivin Thursday Next war weltweit ein großer Erfolg. Mit "Eiswelt" schlägt Fforde nun ein neues Kapitel in seinem Schreiben auf. Der Autor lebt in seiner Wahlheimat Wales.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 656
    Erscheinungsdatum: 12.11.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641233570
    Verlag: Heyne
    Originaltitel: Early Riser
Weiterlesen weniger lesen

Eiswelt

Mrs. Tiffen spielte Bouzouki

"... Seit dem Bau von Dormitorien, der Entwicklung von effizienten Maßnahmen zur Gewichtszunahme und der Einführung von Morphenox überleben mehr Menschen als früher die Hibernation, aber dennoch sind Angst und Aberglauben weit verbreitet. Bei der Hib geht es nicht nur darum, den schlimmsten Seiten des Winters aus dem Weg zu gehen, sondern ebenso sehr um Ruhe, Schonung und Erneuerung, und wir tun unser Bestes, um dem öligen Teer des Langschlafes einen warmen und freundlichen Zauber zu verleihen ..."

S IEBZEHN W INTER , W INTERKONSUL L A N CE J O N E S

Mrs. Tiffen spielte Bouzouki. Nicht besonders gut allerdings. Und sie beherrschte auch nur eine Melodie: "Help Yourself" von Tom Jones. Sie zupfte die Saiten durchaus meisterlich, ließ aber jegliches Gefühl dabei vermissen, während sie mit leerem Blick aus dem Zugfenster auf das Eis und den Schnee draußen starrte. Sie und ich hatten, seit wir uns vor fünf Stunden das erste Mal begegnet waren, kein vernünftiges Wort gewechselt, und dafür gab es einen einfachen Grund. Mrs. Tiffen war tot, und das schon seit einigen Jahren.

"Es wird ein milder Winter werden", sagte die grauhaarige Frau, die Mrs. Tiffen und mir gegenübersaß, während der Zug aus dem Hauptbahnhof von Cardiff rollte. "Durchschnittlich niedrige Temperaturen von höchstens minus vierzig Grad, würde ich vermuten."

"Geradezu mild also", gab ich zurück, und wir beide lachten, obwohl das gar nicht lustig war - nein, nicht im Geringsten.

Nachdem ich unsere Mitreisende eine Weile studiert hatte, war ich zu dem Schluss gekommen, dass es sich bei der Frau wahrscheinlich um eine Schauspielerin handelte und sie zu denen gehörte, die mit großem Einsatz die Winterspielzeit-Tradition aufrechterhielten. Zu dieser Zeit war das Publikum zwar klein, aber ausgesprochen dankbar. Bei den Sommeraufführungen musste man sich mit dem verwässerten Respekt zahlreicher Zuschauer zufriedengeben, doch im Winter konnte man sich der Begeisterung einer kleinen, aber dafür umso enthusiastischeren Menge sicher sein.

Der Zug hielt kurz an der Queen Street, dann rumpelte er langsam nordwärts. Zwar hätte er theoretisch schneller fahren können, aber in Wales gilt acht Tage vor bis acht Tage nach dem Winter eine Obergrenze von 75 dB 1 für Lärmbelastungen.

1 Warum, weiß niemand so genau. Angeblich hat es irgendwas mit dem St.-David's-Tag zu tun, dem 1. März, wenn man in Wales dem Nationalheiligen, David von Menevia, gedenkt.

"Überwintern Sie schon lange?", fragte ich, um ein bisschen Konversation zu betreiben.

"Ich habe seit drei Jahrzehnten keinen Sommer mehr gesehen", antwortete sie lächelnd. "An meinen ersten Auftritt kann ich mich noch gut erinnern: Das war in Hartlepool, im Winter 76, im Don Hector Playhouse. Wir bildeten das Vorprogramm bei der ersten und einzigen Wintertournee der Chuckle Brothers und gaben König Lear . Es war knackevoll - beinahe dreihundert Leute. So etwas hatte ich vorher noch nie gesehen, außer bei der Bonzo Dog Band oder Val Doonican, aber danach wurde die Winterspielzeit zu einer Art Markenzeichen für sie, wie früher für Mott The Hoople und Richard Stilgoe oder heute für Paul Daniels und Take That."

Nur wenige Sommerkünstler wagten eine Tour in der Kälte - der Winter erwies sich oft als harter Zuchtmeister. Was dabei alles passieren konnte, zeigte beispielsweise die Konzertreise, die Showaddywaddy 1974 durch Wales unternahmen: Erst wurde die Band in ihrem Hotel in Aberystwyth von Nachtwandlern belagert, die vor Hunger halb wahnsinnig waren, danach verloren sie die halbe Besetzung in einem Eissturm. Die nächsten zwei Monate wurde ihr Manager von "Lucky" Ned Farnesworth gefangen gehalten und erst gegen ein Lösege

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen