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Eklipse Roman von Brandhorst, Andreas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.06.2019
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Eklipse

Nach langer Reise kehrt das Raumschiff Eklipse zur Erde zurück. Dort findet die Crew eine völlig veränderte Welt vor, von der fast alle Menschen verschwunden sind. Außerdem stellt sich heraus, dass sich ein blinder Passagier an Bord befand: ein Spike, die gefährlichste bekannte Lebensform der Galaxis, die die Biosphäre eines ganzen Planeten innerhalb weniger Tage infizieren kann. So muss die Crew der Eklipse nicht nur das Geheimnis lüften, was mit den Menschen auf der Erde geschehen ist. Sie muss auch zu einer unmöglichen Mission aufbrechen und das Spike vernichten, bevor es Gelegenheit bekommt, seine Saat auszubringen ... Das neue Science-Fiction-Epos von Andreas Brandhorst. Andreas Brandhorst, geboren 1956 im norddeutschen Sielhorst, schrieb mit seinen futuristischen Thrillern und Science-Fiction-Romanen wie "Das Schiff" und "Omni" zahlreiche Bestseller. Spektakuläre Zukunftsvisionen sind sein Markenzeichen. Der SPIEGEL-Bestseller "Das Erwachen" widmet sich dem Thema Künstliche Intelligenz. Sein aktueller Wissenschaftsthriller "Ewiges Leben" zeigt Chancen und Gefahren der Gentechnik auf.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 04.06.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492993760
    Verlag: Piper
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Eklipse

Prolog

Rebecca

Rebecca hörte, wie sich die Tür öffnete, aber sie sah nicht auf.

"Du liest wieder", erklang eine sanfte Stimme. "Du liest und liest."

Ein Windstoß warf Regentropfen gegen das nahe Fenster. Es prasselte kurz, dann folgte ein Rauschen. Rebecca ließ das Buch sinken und blickte nach draußen. Ein grauer Regenschleier lag über grauem Land. Die Berge im Norden waren nicht mehr zu sehen.

"Es regnet hier nicht oft", sagte sie. Vielleicht hatten es ihr die Steine zugeflüstert.

"Nur zwei- oder dreimal im Jahr", erwiderte Claire. "Wir brauchen den Regen nicht, wir haben den Brunnen. Aber die anderen werden sehr dankbar für ihn sein."

"Sie fangen ihn in Behältern auf, nicht wahr?", fragte Rebecca.

Claire trat näher. Ein Leben harter Arbeit hatte sie vorzeitig altern lassen. Sie war noch nicht ganz sechzig, doch Falten zerfurchten ihr Gesicht, und ihr drahtiges Haar hatte Glanz und Farbe verloren.

"Du bist nicht von hier, und trotzdem weißt du davon."

"Ja. Ich habe darüber gelesen." Rebecca legte das Buch auf den kleinen Tisch. Es stammte aus einem gut gefüllten Bücherschrank.

"Du liest viel."

"Ja."

Claire deutete zum Schrank an der Wand. Das auf dem Tisch liegende Buch hatte eine kleine Lücke darin hinterlassen. "Du liest viel. Und schnell. Ich kenne niemanden, der so schnell liest wie du."

Rebecca nickte und blickte erneut nach draußen. Es wehte kein Wind mehr, der Regen fiel glatt und gerade. Ein Reiter kam aus den grauen Schlieren jenseits der Koppeln und Zäune, eine Gestalt wie aus dem Nichts.

"Und all die Sprachen!" Claire stand direkt vor dem Schrank und strich mit dünnen Fingern über die Buchrücken. "Wie viele sind es?"

"Siebenundneunzig Bücher in sechs Sprachen", antwortete Rebecca sofort.

"Wie viele Sprachen sprichst du?", fragte Claire. "Wie viele kannst du lesen?"

"Alle", sagte Rebecca geistesabwesend. Sie beobachtete, wie der Reiter im Regen abstieg und sein Pferd zur Koppel führte. "Kostas ist aus der Stadt zurück."

Die Stadt lag am Fuß der Berge, die man an einem Tag erreichen konnte, wenn man schnell ging. Einige Hundert Menschen lebten dort bei den Tunneln der alten Verkehrsstation. Früher waren Städte viel größer gewesen, hatte Rebecca gelesen, mit Tausenden und sogar Millionen von Menschen - eine unglaubliche Zahl.

"Er hat den Regen mitgebracht." Claire lächelte. "Er kommt also mit guten Nachrichten. Wasser für uns alle!"

Er kam nicht mit guten Nachrichten, das spürte Rebecca. Vielleicht hatten ihr auch das die Steine geflüstert. Sie stand auf, nahm das Buch und stellte es in den Schrank. Ihre Zeit hier ging zu Ende. Sie ließ den Blick durchs Zimmer wandern, wie um Abschied zu nehmen.

Claire deutete auf die Decke. "Hast du hier geschlafen?"

"Ein bisschen. Ein oder zwei Stunden."

"Das ist nicht viel." Claire wirkte ein wenig hilflos. Sie redete gern, sie war nicht um Worte verlegen, aber oft gebrauchte sie die falschen. Claire benutzte beim Sprechen eine Art Code, den Rebecca inzwischen entschlüsselt hatte. Was sie wirklich hatte sagen wollen, war: Bitte, bleib hier, geh nicht fort .

"Ich brauche nicht viel Schlaf, das weißt du."

"Du könntest mir erklären, worum es in den Büchern geht", sagte Claire schnell. "Du könntest mir beibringen, besser zu lesen."

Die Bücher hatten verstaubt und seit vielen Jahren unberührt in diesem Schrank gestanden, als Claire und Kostas vor mehr als vier Jahrzehnten hergekommen waren und sich auf der herrenlosen kleinen Farm niedergelassen hatten. Ihre Tochter Annabel, deren Grab sich hinter dem Haus befand, hatte die Bücher gehütet und gepflegt, obwohl sie ihren Inhalt ebenso schwer entziffern konnte wie Mutter Claire.

Draußen stapfte Kostas durch den Regen, den Kopf hoch erhoben, und näherte sich dem Haus. Rebecca fühlte den Beutel in ihrer Hosentas

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