text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Grimscribe - Sein Leben und Werk von Ligotti, Thomas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.06.2015
  • Verlag: Festa Verlag
eBook (ePUB)
4,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Grimscribe - Sein Leben und Werk

Seit Thomas Ligotti seine erste Erzählung veröffentlichte, sind die Literaturkritiker verblüfft, mit welcher Konsequenz, aber auch mit welch kunstvoller Rhetorik er seine dunklen Albträume inszeniert. Inhalt: Einleitung Das letzte Fest des Harlekin Die Brille im Geheimfach Blumen des Abgrunds Nethescurial Träumen in Nortown Die Mystiker von Mülenburg Im Schatten einer anderen Welt Die Kokons Die Abendschule Der Zauber Die Bibliothek von Byzanz Miss Plarr Der Schatten am Grund der Welt Steven J. Mariconda:"Grimscribe erreicht geradezu Klassiker-Status." S. T. Joshi: "Die Novelle ?Das letzte Fest des Harlekin? ist vielleicht die beste Hommage an Lovecraft, die je geschrieben wurde." The Washington Post: "Thomas Ligotti ist die überraschendste und ungewöhnlichste literarische Entdeckung seit Clive Barker" Amazon.de: "Ligotti löscht den klaren Sinn. Irrsinn ist sein Thema, aber auch Blickwinkel und Mittler der Darstellung. (...) Ligottis Stil ist eine Mischung zwischen Kafka und Lovecraft." Grimscribe erscheint in der überarbeiteten, endgültigen Fassung des Autors, wie sie in den USA bei Subterranean Press erschien. Frühere Übersetzungen wurden bearbeitet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 321
    Erscheinungsdatum: 30.06.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783865523211
    Verlag: Festa Verlag
    Größe: 632 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Grimscribe - Sein Leben und Werk

TAG EINS

Das blaue Dreieck

Candice Walker starrte auf den winzigen Kegel der zischenden blauen Flamme.

Sie konnte es nicht tun.

Aber sie musste es tun.

Ihre Brust zitterte unter den zurückgehaltenen Schluchzern. Keine ... keine Schmerzen mehr ... bitte Gott, keine Schmerzen mehr ...

Schmerzen hielten sie nicht auf, nicht jetzt. Das durfte sie nicht zulassen. Sie musste raus, musste es an die Oberfläche schaffen.

Sie musste Amy wiedersehen.

Candice betrachtete ihren rechten Arm und konnte immer noch nicht ganz glauben, was sich dort befand – oder vielmehr, was sich dort nicht befand. Keine Hand, kein Unterarm ... nur ein kakifarbener Gürtel aus Nylon, eng um einen zerklüfteten Stumpf geknotet, der wenige Zentimeter unterhalb des Ellbogens endete.

Durch den Druck des Knotens fühlte sich der Arm fast taub an. Fast. Das Ende des Gürtels stand nach oben wie die vor Leichenstarre steife, stummelige Zunge eines Tierkadavers und schlenkerte jedes Mal hin und her, wenn sie sich bewegte.

Erneut betrachtete sie die stete Flamme des Acetylenschneidbrenners: ein durchscheinendes, blaues Dreieck, gefüllt mit einem wunderschönen Licht, das reine Höllenqualen versprach.

Ich darf nicht zulassen, dass sie mich noch mal erwischen ... tu es, Candy ... tu es sofort oder stirb ...

Wenn die Schmerzen einsetzten, durfte sie sich nicht gestatten zu schreien, sonst fand man sie definitiv.

Candice senkte die Flamme auf ihr Fleisch.

Das blaue Juwel flammte auf und spritzte, schwärzte die herabbaumelnden Hautfetzen und Fleischlappen des Arms, schrumpfte sie zu einem brüchigen Nichts. Mit in den Nacken gelegtem Kopf presste sie die Augenlider zusammen – ihre Welt bündelte sich zu einer konzentrierten, winzigen Supernova aus blankem Leid.

Bevor sie richtig begriff, was sie da tat, schwenkte sie die Flamme zur Seite.

Candice blinzelte wie wild und mühte sich ab, in die Realität zurückzukehren und die Tränen aus den Augen zu bekommen. Der blubbernde Stumpf kreischte weiter.

Tu es, damit du deine Frau wiedersehen kannst ...

Ihr Mund füllte sich mit Blut – sie hatte sich in die Wange gebissen. Candice blickte auf ihren zerfetzten Arm und kratzte die letzten Quäntchen Kraft zusammen, die noch in ihrer Seele übrig waren. Sie musste die Augen offen halten, musste den Arm beobachten, sonst verblutete sie an Ort und Stelle.

Erkenne deine Aufgabe und erledige sie, Lieutenant. TU ES!

Candice hob den Armstumpf an, öffnete den Mund und biss kräftig auf das schlackernde Ende des Gürtels. Ein Geschmack von Nylon und Blut breitete sich in ihrem Rachen aus. Sie zog den Gürtel fest und bewegte das blaue Juwel erneut vorwärts. Die Flamme tänzelte und schien in seltsamen, scharfkantigen Winkeln abzuprallen. Das Geräusch von brutzelndem Gewebe ertönte und verbündete sich mit dem abscheulichen Gestank von verbranntem Schweinefleisch. Es brachte sie zum Würgen und verkrampfte ihr den Magen wie ein ausgewrungenes Handtuch.

Diesmal wandte sie die Augen nicht ab. Blut brodelte und zischte. Ihre Haut schlug Blasen und schwärzte sich. Knochen verkohlten. Und der Gestank, oh Gott, dieser Gestank ... Sie konnte den Rauch förmlich schmecken.

Und sie hörte Grunzlaute. Candice vernahm ein stetes, tiefes Knurren, das Geräusch eines Tiers, das sich abmüht, den Fuß aus einer Falle mit Eisenklauen freizunagen.

Der Schneidbrenner rutschte ihr aus der Hand und landete klirrend auf dem Metalldeck. Das blaue Juwel stieß unablässig sein verhasstes Zischen aus

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen