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Hüter der Nacht Das Lied Aymurins von Simonis, Martina (eBook)

  • Verlag: Friedrich Reinhardt Verlag
eBook
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Hüter der Nacht

Die Hüter der Nacht um den alten Pukh Son führen ein eintöniges Leben. Daher ist die Aufregung gross, als sie nicht weit vom Oberen Tor auf dem Alten Pass einen Wanderer aus der Menschenwelt finden. Doch der anfänglichen Neugier folgen schnell Misstrauen und Ablehnung, als der Fremde sich als Feh zu erkennen gibt. Wer gibt schon gerne Verrätern Unterschlupf? Als aber der überlebenswichtige Nachschubtrupp aus dem Inneren Khuums ausbleibt, müssen die ungleichen Gefährten ein Zweckbündnis eingehen. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg in den Mutterbau.
Die Bedrohung der Welt der Pukh durch die Kämpfer Bachaals gibt den Kontrahenten die Chance, die Gegensätze zu überwinden. Werden sie sie nutzen, um auch den alles entscheidenden Kampf in den Feuern Khuums zu bestehen? Im zweiten Band von 'Das Lied Aymurins' steht Tann im Mittelpunkt eines Geschehens, dessen Wurzeln in 'Stillerthal', dem gleichnamigen ersten Band der Fantasy-Reihe, liegen. Ist sein Schicksal vorbestimmt? Wird er sich der Dämonen entledigen können, auf seiner Suche nach dem noch fehlenden Teil des Amuletts?...

artina Simonis, 1964 geboren, ist als Übersetzerin und in der Erwachsenenbildung tätig. Die Autorin hat bereits eine Kurzgeschichtensammlung 'Cara Calla' und einen Roman 'Wo wir uns finden' veröffentlicht.

Produktinformationen

    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783724524441
    Verlag: Friedrich Reinhardt Verlag
    Größe: 1690 kBytes
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Hüter der Nacht

Die Hüter der Nacht

Das leise Blubbern der Glimmflechtsuppe und das gelegentliche Kratzen des Kochlöffels waren die einzigen Geräusche, die den Höhlenraum füllten. Der schwere Topf, der an einem Dreibein über der Feuerstelle hing, schimmerte matt in dem gedämpften Lichtkegel, der durch den kleinen Spalt, der als Rauchabzug diente, ins Innere der Höhle fiel. Das übrige Felsgewölbe lag im grüntrüben Halbdunkel der Glimmflechtmalereien.

Joril hockte vor dem Kessel und sah zu, wie sich der warme Dampf seines Atems mit dem dünnen Qualmfaden des Feuers vereinigte und durch den Rauchfang in das Weiß des Himmels entschwand. Mit dem Dampf ließ er seine Gedanken aufsteigen, weit über die Wolken. Leicht wie Fledermausflaum schwebte er im endlosen Blau des Himmels und ließ den Blick über die wabernde Wolkendecke unter sich schweifen. Irgendwo dort unten lag es verborgen: Kjell, das verheißene Land.

Wäre ich doch wie Ygdrasil, dachte er. Ygdrasil würde nicht tatenlos dem Verrinnen der Zeit zusehen. Er würde sein Bündel schnüren und aufbrechen. Würde sich durch das unbewohnte Innere des Berges wagen und nie gesehene Höhlen erforschen. Und am Ende den verborgenen Ausgang finden, an dessen Fuße Kjell lag.

Aber Joril war nicht Ygdrasil, er war ein Hüter der Nacht und hatte darauf zu achten, dass das, was draußen war, draußen blieb, nicht umgekehrt. Und wer hätte einen buckligen Ygdrasil mit verkrüppelten Händen schon ernst genommen.

Verdrossen nahm Joril den Kochlöffel und rührte die Glimmflechtsuppe um. Als jüngster Pukh seiner Korja war er für den Küchendienst verantwortlich. Dazu gehörten die Überwachung der Vorräte, das Hegen der Glimmflechtzucht, das Säubern des Geschirrs und die Zubereitung des Mahls, das die Wachzeit beschloss. Mittlerweile konnte er im Handumdrehen ein Feuer entfachen und wusste, wie er die Krokstücke schichten musste, damit sie sauber und fast ohne Qualm abbrannten.

Um etwas Spannung in seinen Alltag zu bringen, hatte er ein Spiel erfunden. Er holte immer nur so viel Krok von der Darre, wie er zum Kochen brauchte. War die Suppe mit dem letzten verbrannten Krok fertig, hatte er gewonnen. War noch Krok übrig, ging die Sache unentschieden aus. Musste er ein weiteres Mal Krok holen gehen, hatte das Feuer gewonnen.

Heute sah es nicht gut für ihn aus. Ärgerlich betrachtete er die züngelnden Flammen, die das Krok, das er nachgelegt hatte, schon zur Hälfte aufgezehrt hatten. Das Feuer schien es seinem Magen gleichzutun, es war heute besonders hungrig. Dabei schimmerte die Glimmflechtsuppe noch immer grünlich weiß und weigerte sich, gar zu werden. Er würde um einen zweiten Gang zur Krokdarre nicht herumkommen. Ein einziges Mal hatte er - um zu gewinnen - die Suppe nicht lange genug gekocht, sie glomm noch leicht, als er sie seiner Korja servierte. Alle hatten furchtbare Bauchschmerzen bekommen, und das Krok war so dünnflüssig, dass es nicht zu gebrauchen war. Noch einmal würde er diesen Fehler nicht machen.

«Verloren!», brummte er unwillig und legte das letzte Stück Krok nach. Gierig verbiss sich das Feuer in dem länglichen Stück und ließ seine Flammen höher lodern.

Der alte Son, der in seiner Nische saß und Haargarn drehte, hob den Kopf. Er schnalzte kurz mit der Zunge und räusperte sich, wie immer, wenn er etwas sagen wollte.

«Probleme?», fragte er.

Joril blickte zu dem Weißrücken hinüber. Sons Schlafnische war als einzige unbemalt. In der ansonsten reich verzierten Höhle wirkte sie wie ein großes schwarzes Auge. Unergründlich und irritierend wie das schwarze Muttermal, das mitten auf Sons Stirn prangte, sodass man nie recht wusste, in welches Auge man blicken sollte. Joril schüttelte eilig den Kopf. Um nichts in der Welt hätte er den anderen von seinem geheimen Spiel erzählt, am allerwen

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