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John Sinclair - Folge 1998 Am Tor zur Hölle von Marques, Rafael (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.10.2016
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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John Sinclair - Folge 1998

'Du willst schon gehen, Jimmy?' Jim Conway lächelte den bärtigen Mann hinter dem Tresen an. 'Nicht ich, Clint. Wir.' Er deutete auf die blonde Frau neben sich. Lara, die Angesprochene, lächelte ebenfalls und winkte dem Barkeeper etwas verlegen zu. 'Ich verstehe', erwiderte Clint und nickte. Jim Conway griff nach seiner Brieftasche, doch der Barkeeper hob die Hand. 'Vergiss es, das geht auf mich. Der alten Zeiten willen. Ich bin froh, dass du den Tod deines Vaters langsam überwunden hast. Vielleicht kannst du deinen Dreißigsten ja endlich nachfeiern. Mach dir noch eine schöne Nacht.' 'Danke', sagte Jim nur und nickte Clint zu. Der grauhaarige Barkeeper war der beste Freund seines Vaters gewesen, der nach einem schweren Autounfall vor zwei Wochen nur noch einmal kurz aufgewacht war, bevor er für immer die Augen geschlossen hatte. Das Gespräch, das Jim damals mit ihm geführt hatte, ging ihm bis heute nicht aus dem Kopf ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 64
    Erscheinungsdatum: 25.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732538133
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 1719 kBytes
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John Sinclair - Folge 1998

Jim verdrängte die Gedanken an seinen Vater. Im Moment schien das alles so weit weg. Er hatte Lara erst in dieser Nacht kennengelernt. Sie waren sich sofort sympathisch gewesen. Wahrscheinlich auch, weil sie ebenfalls eine schwere Last mit sich herumtrug. Was diese Last war, hatte sie jedoch nicht verraten.

Jim winkte dem Barkeeper noch einmal zum Abschied zu, dann machte er sich auf den Weg in Richtung Ausgang. Lara griff nach seinem Arm und lehnte sich an ihn.

Als Jim die Tür aufstieß und die lauten Gespräche innerhalb der Bar zurückließ, blickte seine Freundin auf. "Zu mir oder zu dir?", fragte sie.

"Kommt darauf an, wie du dir den Rest der Nacht vorstellst. Ich meine, wir müssen nicht ..."

Lara lächelte. "Okay", antwortete sie leise. "Lass uns einfach noch etwas fernsehen. Und reden. Und dann sehen wir, was noch passiert. Ich wohne nur zwei Straßen weiter. Und du?"

"In Notting Hill."

"Dann zu mir", erwiderte sie und küsste ihn.

Als sich Lara wieder von ihm löste, blickte er sich um. Das Alamo lag in einer etwas düsteren Seitenstraße. Über hundert Jahre alte, mindestens fünf Stockwerke hohe Steinhäuser rahmten die Gasse ein. An den Wänden hatten sich einige Graffiti-Künstler verewigt, und aus einem halben Dutzend Mülltonnen quollen dünne Dunstschwaden.

Da es doch recht kalt war, schloss Jim den Reißverschluss seiner Lederjacke. Lara hingegen schien die Kälte recht locker hinzunehmen. Vielleicht lag es auch daran, dass sie deutlich mehr getrunken hatte als er.

Außer ihnen war niemand in der Straße unterwegs. Dennoch hatte Jim plötzlich das Gefühl, aus der Dunkelheit heraus beobachtet zu werden.

Neben dem Eingangsschriftzug des Alamo spendeten nur zwei weit auseinanderstehende Straßenlaternen etwas Licht. So konnte es natürlich sein, dass sich in den dunklen Ecken jemand verbarg, der nicht gesehen werden wollte.

Aber wieso überkam ihn überhaupt dieses ungute Gefühl? Er hätte fast gelacht, als ihm der Ursprung dafür klar wurde. Er befand sich an seinem Unterschenkel!

Dort steckte in einem Lederhalfter ein Dolch, den ihm sein Vater vererbt hatte. Auf dem Krankenbett hatte Gabriel Conway ihm eingeschärft, den Dolch sein Leben lang immer bei sich zu tragen. Warum, hatte sein Vater ihm nicht verraten. Jim hatte die Stichwaffe hin und wieder in seiner Antiquitätensammlung gesehen, ihr aber nie viel Beachtung geschenkt.

Und jetzt das! Von seinem Unterschenkel aus rann ein deutliches Kribbeln über seine Haut. Fast, als würde der Dolch ihm ein Zeichen schicken. Aber das war unmöglich!

"Was ist los?", fragte Lara. Sie schien seine innere Unruhe bemerkt zu haben.

Jim schüttelte leicht den Kopf. "Ich weiß es nicht. Ich habe nur das Gefühl, beobachtet zu werden."

Seine Begleiterin zuckte zusammen. "Denkst du an einen Überfall?"

"Keine Ahnung. Ich weiß nicht, was ich denken soll. Ich ..."

Jim Conway stockte. Etwa fünfzig Meter vor ihm schälte sich eine hochgewachsene Gestalt aus der Dunkelheit. Schon auf den ersten Blick sah er, dass es sich um einen Mann handelte, trotz der langen, weißen Haare. Von seinem Gesicht war nicht viel zu erkennen. Dafür sah Jim, dass er einen Anzug trug.

Der Mann sagte nichts. Er starrte Lara und ihn nur an und schien auf eine Reaktion zu warten. Jim wusste nicht, was er tun sollte. Und auch seine Begleiterin blieb wie angewurzelt stehen.

Etwas irritierte Jim. Es war ein Geräusch, das er zunächst nicht einordnen konnte. Als würde jemand mit einem Handtuch in die Luft schlagen.

Doch das Geräusch hatte einen völlig anderen Ursprung. Etwas bewegte sich über dem Mann durch die Luft. Zunächst dachte Jim an einen Vogel, doch die Kreatur, die sich mit zackigen Flügelschlägen dem Fremden näherte und sich schließlich auf seine rechte Schulter setzte, war alles, nur kein Tier. Man konnte das Wesen schon eher als Ausgeburt der

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