text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Königsfall - Die Geisel Roman von Wheeler, Jeff (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.05.2019
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
11,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Königsfall - Die Geisel

Seit Jahrhunderten befindet sich Königsfall im Krieg mit seinen Nachbarn, und auch im Inneren des Reiches herrschen Intrigen und Kämpfe. König Severn, so munkelt man, tötete sogar seine eigenen Neffen, um an die Macht zu gelangen. Verrat bestraft er augenblicklich mit dem Tod. Als ihn einer seiner Lords hintergeht, fordert Severn dessen schüchternen Sohn Owen als Geisel, der wie ein Lamm unter Wölfen zu sein scheint. Bis der Junge Verbündete am Hof findet und erkennt, dass in ihm etwas ganz Besonderes steckt ... Wall Street Journal-Bestsellerautor Jeff Wheeler zog sich schon früh von seiner Karrierelaufbahn bei Intel zurück, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Er ist Vater von fünf Kindern und lebt mit seiner Familie in den Rocky Mountains.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 13.05.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641241773
    Verlag: Heyne
    Serie: Heyne Bücher 32016
    Originaltitel: The Queen's Poisoner - The Kingfountain Series Book 1
    Größe: 1478 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Königsfall - Die Geisel

1

LORD KISKADDON

Lady Eleanor saß in ihrem Gemach auf der Bank vor dem Fenster und streichelte den Kopf ihres Sohnes, der in ihren Schoß gebettet war. Owen war ihr Jüngster, das Kind, das sie beinahe bei der Geburt verloren hatte. Er war ein zarter Junge von acht Jahren, wobei er jünger aussah, und sein mattbraunes Haar war dicht und widerspenstig, sosehr sie sich auch mühte, es zu bändigen. Sie liebte es, ihre Finger hindurchgleiten zu lassen. Über dem linken Ohr war es an einer Stelle weiß, und seine Geschwister fragten immer, warum er mit diesem merkwürdigen weißen Büschel in seinem sonst dunklen Haar geboren worden war.

Diese weiße Strähne hob ihn von den anderen Kindern ab. Lady Eleanor betrachtete sie als Erinnerung an das Wunder, das sich bei seiner Geburt ereignet hatte.

Owen blickte aus tiefbraunen Augen zu ihr auf, als spürte er, dass sie in Sorge war. Er war ein anhängliches Kind und stets der Erste, der in ihre Arme lief. Als Kleinkind hatte er sich an ihren Beinen festgeklammert oder sie umarmt und dabei leise die Kosenamen seiner Eltern gemurmelt: Maman, Papan, Maman, Papan, Maman, Papan. Am liebsten hatte er sich in ihrem Bett verkrochen, wenn sie morgens aufgestanden waren, und die verbliebene Wärme genossen. Mit sechs hatte er damit aufgehört, doch nicht mit den Umarmungen und Küssen, und stets suchte er die Nähe der Eltern, besonders die ihres Gemahls, Lord Kiskaddon.

Bei dem Gedanken an ihn wurde Lady Eleanor übel vor Sorge. Sie blickte hinaus in die gepflegten Gärten von Tatton Hall, doch sie fand keinen Trost in den kunstvoll gestutzten Hecken, den terrassenförmig angelegten Rasenflächen, den großen, sprudelnden Brunnen. Sie wartete noch immer auf Nachricht vom Ausgang der Schlacht.

"Wann kommt Papan nach Hause?", fragte Owen mit heller Stimme. Dabei sah er sie mit ernsten Augen an.

Eleanor fragte sich, ob er überhaupt nach Hause kommen würde.

Nichts fürchtete sie so sehr wie das Schlachtfeld. Der Lord war nicht mehr jung. Mit seinen fünfundvierzig Jahren war er mittlerweile mehr Staatsmann als Feldherr. Eleanors Blick fiel auf den leeren Rüstungsständer, der neben dem Himmelbett stand. Die Vorhänge waren zurückgezogen, die Laken und Decken säuberlich geglättet, denn ihr Gatte bestand darauf, dass ihr Bett täglich gemacht wurde. Ganz gleich, welche Schreckensmeldungen vom Hof zu ihnen dringen mochten, er schätzte die festen Zubettgehzeiten, die einfachen Rituale. Obwohl er nachts oft stundenlang wach lag und sich den Kopf über die Probleme des Königreichs zerbrach, fühlte er sich hier am wohlsten, allein mit ihr in diesem Himmelbett.

"Ich weiß es nicht", flüsterte Eleanor heiser und strich über die üppigen Locken ihres Sohnes. Man hatte Lord Kiskaddon aufgefordert, sich dem königlichen Heer am Berg Ambion anzuschließen, um den Angriff abzuwehren, und König Severn hatte ihren ältesten Sohn als Geisel genommen, um sich die Unterstützung ihres Gatten zu sichern. Vor der Schlacht hatte sie gehört, das königliche Heer sei dem des Feindes dreifach überlegen, doch hier ging es nicht um Zahlenverhältnisse. Lord Kiskaddons Loyalität war auf dem Prüfstand.

Es war nicht einfach, Severn Argentine zu dienen. Seine Zunge war wie eine dornenbesetzte Peitsche, die mit jedem Wort Wunden riss. Zwei Jahre zuvor hatte er den Kindern seines älteren Bruders den Thron genommen, und seitdem waren Intrigen, Verrat und Hinrichtungen in Ceredigion an der Tagesordnung. Man munkelte sogar, der Onkel habe seine Neffen im Palast zu Königsfall ermordet. Allein der Gedanke daran ließ Eleanor erzittern. Als neunfacher Mutter war ihr eine solche Niedertracht unerträglich. Nur fünf ihrer Kinder hatten überlebt, denn alle waren von schwächlicher Konstitution gewesen. Einige ihrer Söhne und Töchter waren als Kleinkinder gestorben, und jeder Verlust hatte ihr das Herz aufs Neue gebrochen. Und dann war ihr letztes Kind zur Welt gekommen

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen