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Land der verlorenen Dinge Ein philosophisches Märchen von Wust, Maximilian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.08.2016
  • Verlag: Nelles Verlag
eBook (ePUB)
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Land der verlorenen Dinge

Ry, nach dem Bürgerkrieg: Als sein Vater, ein skrupelloser Kaufmann, an Cholera stirbt, kehrt der junge Joschua in seine Heimat zurück, um der Pflicht entsprechend persönlich an der Testamentsverlesung teilzunehmen. Vater und Sohn trennten sich zuvor im Streit. Umso mehr erstaunt es Joschua, dass ihm der wertvollste Besitz des Vaters, eine Schatulle mit unbekanntem Inhalt, anvertraut wird. Jeder Versuch, sie zu öffnen, schlägt jedoch fehl: Von dem Schlüssel fehlt jede Spur, ein Schlosser und sogar ein Schmied scheitern an dem scheinbar unzerstörbaren Kästchen. Da erfährt sein neuer Besitzer vom Land der verlorenen Dinge, einer mythischen Welt hinter der Welt, in der sich alle von Menschen verlorenen Besitztümer sammeln sollen - darunter auch der verlorene Schlüssel. Für Joschua ist dies ein willkommener Anlass, noch einmal auf Wanderschaft zu gehen und sich der Verantwortung als Kaufmannserbe zu entziehen. Eine philosophische Reise beginnt ...

Maximilian Wust (geboren 1983) ist selbstständiger Grafiker, Illustrator, Werbetexter und Redakteur ... und glaubt nicht an ein Leben vor dem Kaffee. Seine Freizeit verbringt er mit Videospielen, Tagträumen, vor den Biografien längst verstorbener Persönlichkeiten oder damit, zu schreiben. Unter anderem Romane. So wie diesen hier. Das "Land der verlorenen Dinge", ein psychologisches Coming-To-Age-Märchen vor pseudo-historischem Hintergrund (um das Genre genau zu definieren), wartete seit 2005 auf eine Chance, als Roman zu erscheinen. Das kommt davon, wenn man sich bei vier Verlagen bewirbt, danach aufgibt und erst von einem fünften, dem Nelles Verlag, durch Zufall entdeckt werden muss. Maximilians Blog, einige Kurzgeschichten und andere Arbeiten findet man unter www.maxmalt.de

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 30.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783865745064
    Verlag: Nelles Verlag
    Größe: 3236 kBytes
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Land der verlorenen Dinge

2. Kapitel: Hingabe

"Wohin gehen wir?", fragte Joschua.

Er war noch klein, gerade einmal fünf Jahre alt. Othas hatte ihn am Morgen, lange vor Sonnenaufgang, mit einem Ruck aus dem Bett gezogen und harsch aufgefordert, sich anzuziehen. Wenige Augenblicke später saß er auf dem Rücken eines jungen, herzerwärmend schüchternen Haflingerhengstes, während sein Bruder seine geliebte Stute sattelte. Es war kalt, die Luft sickerte schneidend kühl durch die Bretterwand in den Stall.

Joschua, der allmählich wach wurde, wollte jetzt Antworten. "Wohin gehen wir?", fragte er noch einmal.

"Auf eine Reise", antwortete der jugendliche, fast noch zierliche Othas und zog den Sattelgurt fest. "Es gibt wohl Krieg und unsere Partner in Hansau wollen das vielleicht gegen uns nutzen. Vater hat mir aufgetragen, dort nach dem Rechten zu sehen."

Joschua versuchte weiterhin sich den Schlaf aus den Augen zu reiben. "Und warum muss ich mit?"

"Ihr seid alt genug und müsst nun unser Handwerk lernen."

"Ich will nicht."

"Dankt Vater lieber für die Schonzeit, die er Euch zuteilwerden ließ - in Eurem Alter hatte ich bereits die zweite Reise hinter mir."

"Sind wir bis heute Abend wieder zu Hause?"

Othas lachte und sprang auf seine Stute. "Wir brauchen allein schon zwei Wochen bis wir überhaupt dort sind."

So begann Joschuas erste Reise. Er sollte sie niemals vergessen, denn damals erlebte er zum ersten Mal diese verlockende Freiheit, die es zu Hause nirgendwo gab.

Als Joschua dreizehn Jahre später zu seiner Suche nach dem Land der verlorenen Dinge aufbrach, fühlte es sich fast so an, als würde er diese eine, erste Reise noch einmal erleben. Ihm war, als würde er Othas' Stute neben sich hertraben hören und als säße ihm der strenge, prüfende Blick seines Bruders wieder im Nacken. Und auch wenn er sich das nicht eingestehen wollte, tat das gut.

Wenn man die Stadt Hildebrück in Richtung Norden verließ, durchquerte man zunächst ein großes Flachland, die Merauer Ebene. Dort lebten immer noch einige Bauern und bestellten das gut überschaubare Land, dessen Boden man als so stur wie seine Bewohner beschrieb.

Am Himmel gab es nicht einmal einen Fetzen einer Wolke, die Sonne strahlte vom wolkenlosen Himmel. Der Tag begann sommerlich warm. Alles war schön, angenehm, so, wie es sein sollte.

Bauern arbeiteten auf den Feldern, Weizen bildete ein goldenes Meer, das bis zum Horizont reichte, Karren zogen an Joschua vorbei, eine Katze schlief am Wegesrand und die großen Flügel einer Windmühle rotierten ächzend im Wind. Menschen erwiderten Joschuas Blick: ein schwitzender, feister, immer grinsender Bauer, spielende Knaben, eine schüchterne Magd, ein alter, gebückter Dorfpfarrer, ein anderer Kaufmann auf einem Hengst.

Die alte Wassermühle stand immer noch in ihrer Hügelsenke. Der Legende nach hatte sie schon dort gestanden, als der Dunkelwald noch das ganze Land überzog und Hildebrück nicht viel mehr als ein mit Tannen und Fichten bedeckter Hügel an einem Fluss war. Die Mauersteine des Mühlgebäudes erzählten sehr deutlich von den Jahrhunderten, die sie schon aufeinandergeschichtet lagen: Es schien, als würden sie nur noch von Moos und Flechten zusammengehalten werden.

Einen Vormittag von Hildebrück entfernt kam Joschua auch wieder an den Klosterruinen vorbei. Braune Wände gruben sich wie das verfaulte Gebiss eines Riesen aus dem Gras, Umrisse erinnerten an das Portal und zerfressene Löcher an Fensterrahmen.

Das Kloster war angeblich an einer Hure zugrunde gegangen. Als "die Väter der Väter noch Väter hatten", während eines besonders üblen Regensturms zur Osterzeit, hatte eine einsame Wanderhure an die Pforte geklopft und um Unterschlupf vor der Kälte gebeten. Die guten Mönche konnten natürlich nicht anders, als einer armen Frau zu helfen, bevor sie sich im eisigen Frühling den Tod holte. Sie gaben ihr zu Essen, ein Be

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